Samstag, 17. August 2013

Kirgistan

Seit Donnerstag Nachmittag sind wir in Bishkek, der Hauptstadt Kirgisistans. Bei der Strecke von Osh nach Bishkek haben wir uns für die direkteste Variante, die M41 entschieden. Die M41 hat den Vorteil, dass sie eine der wenigen asphaltierten Strecken in ganz Kirgisistan ist. Und weil der Ausbau dieser Strasse auch noch nicht so lange her ist, ist der Asphalt grösstenteils sogar in richtig gutem Zustand. Nachteilig ist, dass wieder mehr Verkehr auf der Strasse ist als noch im Pamir.
Die ersten zwei Tage pedalten durchs Ferghana-Tal. Weil die direkte Route von Osh nach Jalal-Abad durch Usbekistan führt, mussten wir einen Umweg über Özgön fahren. Zum Velofahren und Campen ist das Ferghana-Tal nicht gerade die optimale Gegend. Das Tal ist so breit, dass es weniger ein Tal ist als eine Ebene. Wenig erstaunlich wird jeder Quadratmeter für die Landwirschaft genutzt.
So waren wir glücklich als wir nach zwei eher flachen Etappen wieder Richtung Berge abbiegen konnten. Zunächst folgt die Strasse dem Fluss Naryn, der sich eine tiefe Schlucht durch das Tal gegraben hat. Der Fluss ist in mehreren Stufen zur Energiegewinnung gestaut, sodass er mehr eine Aneinanderreihung von Seen ist. Immer wieder hat man spektakuläre Aussichten von der aufwändig angelegten Strasse auf die Stauseen und steil aufragenden Berge. Ein Zeltplatz war an diesem Abend nicht ganz leicht zu finden. Schliesslich gelangten wir über eine kleine holprige Strasse auf einen Vorsprung, wo wir das Zelt mithilfe von Steinen anstelle der Heringe aufstellten. Um den angesammelten Dreck wieder abzuspülen gingen wir am Abend im Stausee baden. Während einem Gewitter in der Nacht wurde es kurzzeitig etwas ungemütlich. Unsere improvisierte Zeltbefestigung hielt dem Wind jedoch stand.



einer der Stauseen




Zeltplatz über dem Stausee

Am nächsten Tag gelangten wir über Kara-Köl und einen kleinen Pass zum Toktogul-See, dem grössten Stausee des Naryn. Gerade als wir nach einem Zeltplatz am See Ausschau hielten näherte sich eine Regenfront. Glücklicherweise waren wir soeben an einem Restaurant vorbeigefahren. So kehrten wir um und nach dem Essen war der Spuck bereits wieder vorbei. Anschliessend begaben wir uns zum nahen Seeufer wo einige Kirgisen am festen und plantschen waren. Der See war überraschend warm und so gingen wir auch an diesem Abend wieder baden. Als es dunkel wurde verschwanden die Kirgisen und wir stellten unser Zelt auf.



drohendes Gewitter




Sonnenuntergang am Toktogul

Der folgende Tag begann sonnig, sodass Fabian am Morgen noch einmal ins Wasser hüpfte. Kaum waren wir jedoch auf der Strasse begann es leicht zu Regen. Als der Regen irgendwann stärker wurde schalteten wir eine ausgedehnte Mittagspause ein. Am Nachmittag wurde das Wetter wieder zunehmend besser und wir erreichten den Ort Toktogul nördlich des Stausees. Hier begann der Anstieg zum Ala-Bel-Pass, den wir uns aber für den nächsten Tag aufhoben.
Nicht weniger als 2000 Höhenmeter waren auf gut 50 Kilometer erklimmen. Die Landschaft war an diesem Tag den Schweizer Alpen nicht unähnlich. Darauf wurden wir auch von meheren Kirgisen angesprochen. Im Unterschied zur Schweiz sieht man vor allem in den höheren Lagen zahlreiche Yurten. Am Strassenrand wird unter anderem Honig und Kumys (vergorene Stutenmilch) verkauft. Trotz einigne Regenfällen aber auch vielen sonnigen Abschnitten erreichten wir am späten Nachmittag den Ala-Bel-Pass (3184m) und  stellten nur unweit vom Pass unser Zelt auf. Regen, Wind und kälte liessen uns den Rest des Abends im Zelt verbringen.
Die herrliche Landschaft konnten wir am nächsten Morgen umso mehr geniessen, als die ersten Sonnenstrahlen den Nebel um die Berggipfel vertrieben. Wir rollten hinunter nach Ötmök wo es, etwas überraschend, nur gerade Brot zu kaufen gab. Das Einkaufsproblem konnten wir kurz darauf elegant lösen. Wir holten einen Büschen ein, dass bei den Yurten in Strassennähe stoppt und Lebenmittel verkauft. Besonders beliebt bei den Einheimischen schienen Vodka und Zigaretten zu sein. Es gab aber auch Reis, Teigwaren und Schokolade zu kaufen. Im übrigen sind wir im Verlaufe des Tages dann doch noch an kleinen Einkaufslädelchen vorbeigekommen. Am Nachmittag bewältigten wir den aussichtsreichen Anstieg zum Töö-Ashuu-Tunnel auf rund 3150 Meter. Zum Glück für uns ging es im Tunnel abwärts. Dadurch konnten wir die 2.5 Tunnelkilometer zügig hinter uns bringen. Verständlicherweise lassen sich in der Gegenrichtung die meisten Radfahrer mit einem LKW tansportieren. Vom Nordportal ging es durch einige Serpentinen zügig runter in ein tiefes Tal. In einem kleinen Seitental fanden wir schliesslich einen wunderbaren Platz an einem Bach für unsere letzte Zeltnacht vor Bishkek.



Zeltplatz am Ala-Bel-Pass




"Migrowagen"




Aufstieg zum Tunnel



Letzter Zeltplatz in Kirigstan


Der letzte Fahrtag ist schnell erzählt. Die Höhenmeter hinunter nach Kara-Balta waren schnell vernichtet. Von dort ging es begleitet von viel Verkehr flach und unspektakulär bis in die Hauptstadt.
Hier haben wir unsere Zeit neben vielen kulinarischen Ausflügen mit der Organisation unserer Rückreise verbracht. Die Visaabteilung der Kasachischen Botschaft war glücklicherweise wieder offen, sodass wir dieses Visum beantragen konnten. Auf der Russischen Botschaft hatten wir leider weniger Glück. Die Russen scheinen mit unsinnigen Anforderung vermeiden zu wollen, überhaupt irgendwelche Visas ausstellen zu müssen. Deshalb haben wir heute morgen Zugtickets für Donnerstag(22.8)/Freitag(23.8) in die Kasachische Hauptstadt Astana gekauft. Dort werden wir uns noch einmal um ein Russisches Transitvisum bemühen um via Moskau auf dem Landweg nach Westeuropa reisen zu können. Einen früheren Zug können wir nicht nehmen, weil wir unser Kasachisches Visum erst am Dienstag Abend ausgestellt wird. Was wir bis nächsten Donnerstag machen, wissen wir noch nicht genau. Es wird uns aber schon noch etwas einfallen :)

Kommentare:

  1. Ganz ganz tolle Bilder! Gute Heimreise!
    LG Pitcher Chloschter

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  2. Hallo Zäme
    Super, dass es mit dem Visum nach Kasachstan klappt. Vielleicht bekommt ihr auch noch das nächste.
    In Borowoje, Kasachstan, gibt es eine Sibirische Schweiz. Vielleicht kommt ihr dort vorbei.
    Friedlis aus Fällanden

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  3. hallo ihr drei,

    während ich diese Zeilen schreibe, sitzt ihr im Zug nach Astana, hoffentlich. Ebenso hoffentlich, gelingt es, das russische Transitvisum zu bekommen. Ihr und wir sind gespannt, wie eure Reise weitergeht.
    Ganz viel Glück wünschen euch
    Thesy und Dominik aus Grosswangen

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