Samstag, 8. Dezember 2018

Über den Golf in die crazy Stadt und schnell weiter in den Oman

Am 2. Dezember verliessen wir die Wohnung von Ahmed und organisierten das nötigste für die Fährfahrt. Die restliche Zeit verbrachten wir in Parks und konnten noch das ausgedruckte Ticket bei Ahmed abholen. Kurz vor dem Hafen sahen wir einige Anzeichen, dass eine ganze Meute von Veloreisenden auf der Fähre sein werden: zwei Velos vor einem Laden, ein Reisender vom Park aus, ein Pino + Begleitrad,...
Am Schluss waren es 11 Veloreisende die ihre Räder verluden. Eine ungeplante Zusammenkunft von Erfahrungen, Erlebnissen und Pläne für das weiterreisen.
Nach mehreren Stationen im Terminal (wobei Chregu bei einer Station alle Taschen und somit auch das Essen eincheckte) wurden wir per Bus zum Schiff gefahren. Vor uns lag die "Sunny" welche in ihrem ersten Leben als "Trelleborg" zwischen Deutschland und Schweden unterwegs war, wo Chregu wahrscheinlich vor fast 20 Jahren schon einmal damit gefahren ist. Anscheinend wurde das Schiff renoviert, aber so wie es ausschaut wurden nur die Schienen im ehemaligen Zugdeck gelb angemalt, eine Heckklappe montiert sowie die Aussenhaut an den aktuellen Betreiber angepasst. Innen ist es so wie wenn der Zielhafen in der Ostsee wäre: Überall sind Schilder in Schwedisch und Deutsch, die Karte der ehemaligen Einsatzlinie hängt noch immer an der Wand, im Restaurant sind die Preise für Getränke in schwedischen Kronen angegeben und ein kleiner Aufsteller weisst auf Räkmörgås (Garnelenbrot, 79SEK) hin... Ziemlich witzig.
Landgang?
Die Abfertigung ist aber 100% iranisch. Für das einchecken in die Kabine brauchte es ziemlich lange und die nötige Keycard konnten wir dann rund  zweieinhalb Stunden später abholen.
Die Abfahrt war dann auch um kurz vor 21.00 statt um 18.00, aber ein pünktliches Ablegen hätte uns auch ziemlich überrascht.
Die Überfahrt an sich war, auch Dank absolut ruhiger See, sehr gemütlich.
Im Hafen von Sharkah angekommen standen alle Fahrräder in Reih und Glied bereit und wir radelten zum Terminal, während die anderen Passagiere mit dem Bus transportiert wurden.
Im Terminal angekommen wurden wir in einer Art Wartehalle platziert und es wurde nach einem wundersamen System die Pässe eingesammelt und die Einreise gestempelt. Wir Westler wurden vorgezogen uns so waren wir die ersten die dann alle zusammen in die Gepäckhalle gelassen wurden, wo wir unsere Taschen suchen und nochmals scannen lassen durften. Als dann alle wieder all ihr Material zusammen hatten, formierte sich ein Konvoi von neun Veloreisenden und wir fuhren zusammen die 15 Kilometer nach Dubai, wo sich unsere Wege wieder auftrennten. Einige davon werden wir aber wohl wiedersehen, denn die meisten fahren in den Oman und manche auf der gleichen Route.
Velotruppe auf der Autobahn
Holzboot
Gegen Abend erkundeten wir, wieder zu zweit, die Gegend ums Hotel und fuhren mit einem der vielen kleinen Holzboote über den Dubai Creek. Ein riesiger Kontrast zu all den riesigen Gebäuden.
Auf dem Weg zurück vom Znacht zum Hotel genossen wir unser erstes  Bier seit gut fünf Wochen. :-)
Am Vormittag vom 4. Dezember entfernten wir uns zuerst von unserem Abendziel, weil wir zuerst noch den Burj Kalifa besuchen wollten. Wir fuhren, wie des öfteren, über die grossen Strassen und fanden uns plötzlich in der Mitte einer siebenspurigen Autobahn wieder... Als dann noch ein Veloverbot auftauchte liessen wir es dann sein und "flüchteten" auf die Seitenstrasse, welche nur 4 Spuren hatte. Um dann aber über die Autobahn zu kommen, mussten wir uns dann durch die Metrostation mogeln. Die Menge an gigantischen Wolkenkratzer entlang dieser Strasse ist einfach nur unglaublich...
Smogkratzer
vier Räder vor dem Wahnsinn
Nach der Runde durch den Park beim Burj Kalifa und einigen (vielen) Fotos pedalten wir wieder in Richtung Musandam und somit wieder zurück. Nach dem Einkauf und dem Lunch hangelten wir uns durch die vielen Ausfahrten der Autobahn und nach rund 25 Kilometern liess der Verkehr merklich nach, die Distanz zwischen den einzelenen Ausfahrten wurde grösser. Ausserdem war wieder ein richtiger Pannenstreifen vorhanden, auf welchem wir unsere Ruhe hatten.
Ein Geocache wies uns nach gut 70 Tageskilometern den Weg zu einem super Zeltplatz in der Nähe einer Lagune.
Abschied von der letzten schweizer Petflasche, welche so super in den Rahmen gepasst hat.
 
Der Tag danach war bis auf die letzten 15 Kilometern ziemlich eintönig. Alles im gleiche Stil ging es via Ra's al-Chaima bis an die Grenze zu Musandam. Das einzig aufregende war, dass wir bei Livios Vorderad einen Platten reparieren mussten. Ein Draht hatte sich durch den Pneu gearbeitet. Das erledigten wir vor einer Shishabar und so konnten wir da unsere dreckigen Hände waschen und wurden noch auf eine Cola eingeladen. Kurz vor der Grenze drücken die Berge die Strasse direkt ans Meer. Wir erreichten den Grenzposten ziemlich genau zum Sonnenuntergang. Die Ausreise aus den V.A.E., so wie die Einreise in den Oman gestaltete sich sehr einfach, wohl auch weil ausser uns fast niemand die Grenze in der gleiche Zeit passieren wollte.
Die restliche Strecke bis zu unserem Schlafplatz waren grandios. Der Himmel war orange bis tiefrot, die Strasse in super Zustand und fast ganz leer und direkt zwischen Meer und Felsklippen.
Am ausgewählten Strand angekommen, fanden wir einen geeigneten Zeltplatz und kochten unser Znacht. Diesmal gab es selber gemachte Bolgnese mit Pasta und endlich wieder Reibkäse (hatten wir im Iran nie...)
Felsen, Strasse, Strand
Nach der sehr warmen Nacht durften wir weiter die super Strasse entlang der Küste geniessen und konnten dank einigem Glück, den grössten (und sehr steilen) Anstieg an einem Lastwagen hängend überwinden.
Die Abfahrt zurück ans Meer und die letzten Kilometer nach Kashab waren weiterhin sehr spektakulär. In Kashab angekommen organisierten wir die Fähre nach Shinas und verkrochen uns für zwei Stunden im Konsumtempel "Lulu Hypermarket".
Als dann die Hitze etwas nachgelassen hatte, machten wir uns auf in Richtung Khor Niad, dem einzigen per Strasse erreichbaren Fjord von Musandam. Die teilweise sehr steile Schotterpiste führt von der Hauptstrasse rund 200 Höhenmeter auf einen Pass und danach in schlechterer Qualität runter zum Meer. Während einer Pause in der Abfahrt (Hände entlasten und Felgen kühlen) kippte Chregus Velo um. Beim Aufstellen zeigte sich, dass der hintere Pneu, wiedereinmal, keine Luft mehr hatte. Also hiess es: alles Gepäck abbauen, Velo drehen, Rad ausbauen, Übeltäter (auch ein Draht) finden und entfernen, zusammen bauen, pumpen, aufladen weiterfahren. Wir meisterten die Herausforderung und stellten unser Zelt in Strandnähe auf eine Betonplattform.
Khor Niad
Nach einer, warmen und erholsamen, Nacht stand uns die schwierigere Aufgabe bevor. Der Wiederaufstieg war velofahrtechnisch abschnittweise ziemlich schwierig. Die Strasse ist in nur mit richtigen Offroadern befahrbar, normale PWs hätten zuwenig Bodenfreiheit. Zwischendurch ist der Untergrund auch sehr kompakt und man kann trotz über 15% Steigung aus dem Sattel gehen.
Wieder zurück auf der Hauptstrasse fuhren wir noch ans Ende derselben um den dortigen Akazienwald zu besuchen. Die Strasse endet in einem Talkessel, welcher verhältnismässig feucht ist und auf in welchem sogar teilweise Gras in grösseren Flächen wächst. Auf der Suche nach einem geeigneten Picknickplatz liess es Chregu sich nicht nehmem mit dem Velo durch dass knöcheltiefe Wasser zu fahren.
veloschwimmen
Um etwas näher an Kashab zu übernachten fuhren wir in Verlauf vom Nachmittag wieder zurück und bogen beim Flughafen links ab. Unterwegs trafen wir wieder auf unsere drei deutschen Radlerkollegen, welche wir tagsdarauf auch auf der Fähre nach Shinas wieder treffen werden.
Die Nacht verbrachten wir hinter dem Hochwasserschutzdamm in einer Art Savanne mit Akazien und Wasserlöchern. Die Mücken verdarben uns dann leider ab dem Sonnenuntergang etwas den Abend und so lagen wir sehr früh im Zelt.
Am Samstag morgen fuhren wir an den Hafen und schon bald konnten wir einschiffen. Wir parkierten unsere Fahräder auf dem Autodeck und als wir aufs Personendeck wechselten wurde ein Porsche ziemlich kompliziert eingeladen. Pünktlich auf die Minute legte der Katamaran ab und schon bald rasten wir mit 80 km/h übers Meer. Nachdem dem ersten spektakulären Teil der Fahrt mit der Umrundung von Musandam genossen wir das WLAN im Schiff. Ausserdem sprachen wir mit einigen Mitgliedern des Porsche Clubs des Omans welche mit 27 Autos an Bord war. Wir hatten also nur die Vorhut gesehen...
Bei Aussteigen wurden dann die Motoren gestartet und viele viele Fotos gemacht. Witzige Sache im Stau hinter Porsches zu warten bis wir das Schiff verlassen konnten.
alles Freunde ihrer Vehikel
Die sechs Kilometern bis zu unserem Warmshowerhost legten wir dann dank Rückenwind ganz rasch zurück und geniessen nun die omanische Gastfreundschaft in einem traditionellen Zelt im Vorhof des Grossfamilienhauses.

Samstag, 1. Dezember 2018

Persischer Golf

Wie erwartet regnete es, als wir das Hostel in Shiraz verliessen und zum Terminal fuhren. Die Strassen in Shiraz waren teilweise überflutet und der ansonsten ausgetrocknete Bach durch die Stadt führte nun auch Wasser. Am Terminal tauschten wir unser Onlineticket in ein Richtiges und gingen zum entsprechenden Abfahrtsort. Dort wollte aber niemand etwas von einem Bus nach Bandar Abbas wissen. Wir warteten also und bemerkten irgendwann, dass wir nicht die einzigen sind die auf diesen Bus warteten. Einer gab uns dann zu verstehen, dass er uns informieren werde wenn es los geht. Irgendwann tauchte dann unser Bus auf und wir wurden zum Perron 14 umgeleitet. Nach dem stressigen Verladen unserer Sachen, dauerte es dann doch noch bis der Bus abfuhr... Wir fuhren durch den sintflutartigen Regen und waren froh im Bus und nicht auf dem Velo zu sitzen. Nach gut zehn Stunden erreichten wir Bandar Abbas endlich, wo es zum Glück trocken war. Wir fanden auf der Suche nach einem Hotel einen super Kebabstand wo wir unseren Hunger stillten. Je ein Kebabteller, ein kleiner Dürüm und ein Getränk kosteten dann auch sagenhafte 4 Franken. Nach dem Znacht wurden wir auf der Suche nach einem Hotel doch noch verregnet. Die Stadt, die komische Ankunftszeit und die warme, leicht feuchte Luft erinnerten uns an unseren Start in Batumi... Da zwischen Shiraz und Bandar Abbas ein Höhenunterschied von gut 1500m ist, war es dann auch gute 15 Grad wärmer, also guten 30 Grad Celsius und 100% Luftfeuchtigkeit. Im Hotel angekommen kühlte uns die Klimaanlage herunter und wir schliefen am nächsten Morgen, so gut es ging, aus. Auf dem Weg zum Billetbüro der Fähre nach Dubai versendeten wir eine Postkarte an Ali in Täbriz, kauften ein und wechselten Geld.
wiegen...
... und das obligate Selfie
wenns kürzer ist gehts auch so
So ausgerüstet bekamen wir in dem Büro die Info, dass unsere Wunschfähre am 3.12 nicht fährt und wir entschieden uns dafür zwei Tage früher zu fahren. Livio musste sich noch ein wenig an den Temperaturunterschied gewöhnen und war deshalb ein wenig überfordert mit der Organisiererei. Danach ging es wieder ab auf die Strasse immer in Richtung Westen durch unzählige Industrieanlagen. Irgendwann gelangten wir dann doch noch in die iranische Prärie und fanden rund 15 Kilometer vor dem Fährhafen nach Qeshm einen geeigneten Zeltplatz. Am Morgen danach rollten wir zum Hafen und reisten in die Qeshm-Free-Zone (Zollfreizone) ein. Die Fähre selber war dann völlig unkompliziert und gratis. Auf Qeshm angekommen fuhren wir nach Tabl, wo wir unser Zmittag aufbesserten und dieses zuvorderst auf einem Damm, welcher in die Mangrovenwälder führte, verspiesen. Am Nachmittag radelten wir auf einen "Pass" (keine 100 Höhenmeter) und zelteten mit Aussicht auf Salakh und das Meer.
Zisterne am Strassenrand
Zirkuszelt?
wunderbarer Zeltplatz irgendwo im Geröll
Am 28.11. fuhren wir alles entlang dem Meer in Richtung Qeshm-Stadt. Die ersten rund 10 Kilometer führten über eine Schotter-/Matschstrasse, welche vom letzten Regen teilweise noch ziemlich feucht war. Sogar Livio schaffte es für einmal ohne im Schlamm stecken zu bleiben zum anderen Ende und wir konnten die Super Aussicht und die Landschaft in vollen Zügen geniessen. Wieder zurück auf dem Asphalt erreichten wir schnell wieder unsere gewohnte Reisegeschwindigkeit und kamen rassig voran.
Achtung: Matsch voraus!
Auch mal im motorisierten Windschatten
Unterwegs treffen wir auf drei Velofahrer, welche wir in Shiraz schon getroffen haben und auf der Fähre nach Dubai wahrscheinlich nochmals treffen werden. Ausserdem kreuzen wir auch noch weitere Veloreisende. Die Insel scheint beliebt zu sein. Wir entscheiden bis nach Qeshm zu fahren, da wir noch genügend Rial hatten und Livio unbedingt noch tauchen gehen wollte. Wir quartierten uns bei Annelie und Ali ein. Die Deutsche und der Irani führen ein Restaurant und haben im Hinterhof in Containern noch Zimmer angebaut. Noch an diesem Abend organisierten wir den Tauchgang. Nach einem fast missglückten Versuch ein Frühstück zu organisieren, marschierten wir vom Hostel zur Tauchschule, wurden ausgerüstet, rausgefahren und instruiert (mit der Übersetzungshilfe eines iranischen Mittauchers). Wir durften dann als erste ins Wasser. Der Tauchguide führte uns durch das abgestorbene Riff und fischte nach der nächsten Runde auch noch nach der verlorenen Kamera von Lii. Er war zum Glück erfolgreich.
blub blub blub...
Am Nachmittag gingen wir auf das Schiff nach Hormoz. Die Insel ist so klein, dass es nur 20 Kilometer sind rundherum. Wir fanden einen super Zeltplatz am Strand und entschieden zu bleiben und ohne Zelt da zu schlafen.
guete Morge
Diese Entscheidung brachte eine wunderbare Nacht, aber auch eine Schlafsacktröcknungsaktion mit sich. Wir vollendeten die Runde um die wundersame Insel und besuchten unter anderem einen Salzdom, der auch eine Gletscherzunge inklusive Vorfeld sein könnte. Nur dass er nicht schmilzt...
"Schneeberge"
"Gletscher"
Zurück beim Hafen kauften wir ein Billet nach Bandar Abbas und genossen die restlichen Stunden im Schatten. Dabei wurden wir einmal mehr beschenkt und eingeladen für eine Übernachtung. Einfach grandios. Da wir jedoch schon eine Übernachtungsgelegenheit hatten lehnten wir dankend ab. Zurück auf dem Festland liessen wir uns wieder in einem Park nieder und assen später etwas zu Abend bevor wir unseren Warmshowers-Host Ahmad trafen.
Heute morgen fuhr Ahmad mit Chregu zum Reisebüro und es stellte sich heraus, dass die heutige Fähre nach Dubai nicht fährt. Wir konnten aber eine Fähre für morgen Abend buchen und so bleiben wir eine zweite Nacht in Bandar Abbas und werden in Verlauf vom morgigen Tag an den Hafen fahren und dann um 18 Uhr hoffentlich wirklich in Richtung Dubai ablegen.

Samstag, 24. November 2018

Ab nach Shiraz

Von Abadeh aus folgten wir am Morgen vom 20. November wieder bei schönstem Wetter und Rückenwind dem Highway Richtung Süden. Die ersten 30 Kilometer waren nach der ersten Stunde schon geschafft. Ab da ging es dann gut dreissig Kilometer bergauf. Da es sich aber nur um rund 600 Höhenmeter handelte, war die Steigung ziemlich flach. Im obersten und steilsten Teil tauchte genau im Richtigen Moment ein Lastwagen hinter uns auf, welcher mit etwa 20 km/h dem Berg hochkroch. Wir krallten uns fest und so gingen diese 4 Kilometer mehr in die Arme statt in die Beine.
flach hinauf
steil hinauf
 Oben angekommen verabschiedeten wir uns mit einem Winken von unserem Helfer und genossen danach unser Lunch auf dem Pass.
Brot und Frischkäse
Am Nachmittag konnten wir wieder mit normaler Wüstenreisegeschwindigkeit -ca. 30km/h - weiter fahren und so hatten wir schon am frühen Nachmittag knapp 100 Kilometer auf dem Zähler. Wir sahen rund 500 Meter von der Strasse entfernt einige Bäume und zwei verlassene Gebäude. Die entsprechende Piste dahin war auch sichtbar. Es sah nach einem guten Zeltplatz aus. Als wir den Ort erreichten sahen wir, dass uns unser unterdessen geübtes Auge nicht getäuscht hatte. Der Platz war super.
Auf dem Weg...
... in den Schlamm
Wir genossen die Sonne mit einem Nickerchen und kochten dann, wie schon des öfteren, mit Blick auf den Sonnenuntergang. Die Feuchtigkeit der Oase bekamen wir am nächsten Morgen zu spüren. Sogar das Innenzelt war beschlagen und das Aussenzelt war beidseitig nass. Wobei aussen war die Nässe zu Reif gefroren. Auch die Velos waren von einer dicken Reifschicht überzogen.
So wischten wir das Zelt nicht mit dem Zeltschwamm trocken, sondern schabten das Eis mit einem alten GA ab.
einmal mehr Sonnenuntergang
Eiskratzen und ausbrüten
Der Tag fing wieder mit einem Pässchen an. Auch hier schnappten wir uns einen Lastwagen für rund 150 Höhenmeter. Den restlichen Teil strampelten wir selber. Auf dem weiteren Weg fuhren wir durch einen Tunnel und wurden danach mit einer ganz anderen Landschaft überrascht. Ab da folgten wir dem Fluss und fanden gegen Abend rund 10 Kilometer vor Persepolis einen super Zeltplatz mitten in der Landwirtschaftsfläche.
stägere
einmal mehr Sonnenaufgang
Am Morgen radelten wir dann zu den Sehenwürdigkeiten und danach weiter in Richtung Shiraz. Kurz nach dem Zmittag im Restaurant wurden wir von einem Irani direkt auf der Strasse angesprochen und dann per Warnblinkereskorte zu sich nach Hause geführt. Wir konnten ihm klar machen, dass wir schon gegessen hatten und bekamen daher nur einen Tee und ein kleines zusätzliches Zmittag.
Wir hatten noch zwei Anstiege und fast 30 Kilometer zu schaffen bis nach Shiraz. Das gelang dank einem weiteren Lastwagen und etwas Glück fast trocken, denn im Verlauf vom Nachmittag wurde es schon wieder regnerisch.
Nun sind wir in Shiraz und haben Nägel mit Köpfen gemacht.
super gemütliches Hostel
Wir werden morgen den Bus nach Bandar Abbas nehmen um genügend Zeit für den Oman zu haben und um dort die Fähre nach Dubai zu organisieren. Danach geht es auf die beiden Inseln Qesm und Hormoz. Nach der Runde um den Burj Kalifa wollen wir nach Musandam und von dort mit der Fähre ins Hauptland des Omans und werden dann von Muscat heimfliegen. Der Plan steht also, wir hoffen dieser funktioniert wie gewollt.

Dienstag, 20. November 2018

Kashan, Hugh, Esfahan, Visaverlängerung, Wüste

Von Qom aus folgten wir weiterhin dem Freeway. Da wir leider den Schildern folgten statt der Karte gelangten wir aber erst nach rund 25km auf diesen. Das Mauthäuschen passierten wir neben einem Auto und ernteten nur einen komischen Blick. Auf dem Veloweg angekommen radelte es sich sehr einfach Kashan entgegen. Unterwegs wurden wie des öfteren mit Früchten beschenkt und ausserdem durften wir die Radgrösse eines aufgeladene Velos bestimmen.
Da es zeitlich genau passte und die grösste Attraktion von Kashan die traditionelle Häuser sind, quartierten wir uns einem solchen ein. Wirklich interessant, dass der Innenhof ein Stock tiefer liegt als das Erdgeschoss. In der Nacht und am Morgen regnete es einmal mehr...
Bis wir dann aber starteten um in der Stadt noch einzukaufen war es trocken.
Wir mussten eigentlich nur Reis, Ketchup und Brot organisieren. Die ersten beiden bekamen wir im zweiten Laden. Das Letzte wurde zu einer komplizierten Sache.
Am Abend vorher hatten wir eine Bäckerei gesehen, welche eine unsere bevorzugte Art Brot produziert. Am Morgen hatte diese leider geschlossen. Also fuhren wir in der Stadt herum, fanden aber keine passende. Also zurück zum Laden. Da hatten wir nämlich mit einem alten Mann gesprochen, welchen wir nun fragen wollten ob er weiss wo es eine entsprechende Bäckerei gibt. Er führte uns zu Geschlossen. Aber unterdessen mussten wir nur noch eine Viertelstunde warten bis sie öffnete. Bis wir dann aber unser Brot hatten, verging sicher nochmals zusätzliche 15 Minuten. Das Brot wurde ja direkt frisch gebacken.
Gerade abfahrbereit sahen wir einen Reiseradler und pfiffen ihn zu uns. So lernten wir Hugh von Australien kennen. Er ist seit dem Frühjahr mit dem Velo unterwegs und war hauptsächlich auf den Britischen Inseln unterwegs. Wie wir flog er anfangs Oktober in den Kaukasus. Wir schlossen uns zusammen und starteten in Richtung Esfahan.
velosiped.ch wieder einmal zu dritt
Das Wetter war komisch, so tiefe Wolken, dass es den ganzen Tag lang 8 oder auch 16 Uhr hätte sein können. Ziemlich unspektakulär näherten wir uns Natanz, beziehungsweise dem Abzweiger zum Dorf. Kurz davor fuhren wir ab der Strasse und folgten einigen alten Fahrspuren zu einem schönen und ruhigen Zeltplatz. Endlich wieder einmal zelten!
Da Hugh mit Holz kocht, machten wir ein Feuer und sassen beisammen bis uns der Regen in die Zelte trieb. In der Nacht blieb es regnerisch, aber mehr oder weniger zur Weckerzeit war der Spuck vorüber und wir konnten im Trockenen frühstücken.
Am 16.11 erwartete uns ein Pass. Wir hatten rund 900 Höhenmeter und gut 45 Kilometer zu bezwingen. Im ersten Teil hatten wir Rückenwind und kamen gut voran, im zweiten, längeren Abschnitt dann leider Gegenwind. Aber immerhin fielen den ganzen Tag lang (fast) keine Tropfen, obwohl der Wetterbericht ziemlich häufig Regen vorausgesagt hatte.
für jeden seine Spur
Wir erreichten den Pass im Verlauf vom Nachmittag und fuhren danach nicht mehr allzu weit bis wir etwas von der Strasse entfernt einige leerstehende Gebäude und ein paar Bäume in der sonst kargen Landschaft sahen. Es stellte sich als eine verlassene Oase inklusive Pool heraus. Wir kochten unser Znacht mit Sicht auf den Sonnenuntergang und schliefen danach ohne Zelt in einem der Gebäude.
wunderbar
Sonnenaufgang in der Wüste
 Die Fahrt nach Esfahan am Vormittag des 17.11 war dann nur noch Kür. Auf gut 80 Kilometer vernichteten wir die letzten 400 Höhenmeter und hatten fast keine zu bezwingen.
zwei Schatten im Windschatten
Aussicht in die Wüste
 Alles der grössten Strasse folgend gelangten wir in die Innenstadt welche autofrei und somit sehr gemütlich ist. Wir verbrachten den Nachmittag auf dem Hauptplatz und bei der 33-Bogenbrücke und landeten am Schluss in einem Hostel. Die Nacht wurde morgens um 6 Uhr jäh abgebrochen, als der Wecker uns sagte, dass wir aufbrechen sollen um unser Visum zu verlängern. Um sieben trafen wir dann auf dem entsprechenden Polizeiposten ein und hatten nach rund anderthalb Stunden alle Formulare beisammen und bekamen die Info wir sollen um 13.00 Ihr wieder vorbeikommen. Die Wartezeit überbrückten wir mit allerlei Erledigungen: Strassenentscheid in Richtung Shiraz, Einkauf, Thonbüchsenkochen, Coiffeur, Langzeitplanungsüberlegungen in Richtung VAE+ Oman, ...
Um Punkt 13.00 waren wir wieder zurück beim Polizeiposten und konnten nach rund 15 Minuten unsere Pässe abholen, mit welchen wir nun bis an Weihnachten im Iran bleiben könnten.
Direkt danach verliessen wir die Stadt auf der Strasse in Richtung Shiraz und fanden nach rund 30km einen guten Zeltplatz bei einem verlassenen Gebäude. Während wir den frühen Abend genossen kam ein Reiter vorbei, welcher uns, via Google-Translate, zu verstehen gab, wir sollten doch zu ihm gehen. Wir wollten aber den Platz und die Sonne geniessen und lehnten dankend ab. Während dem Essen durften wir einen kitschig schönen roten Sonnenuntergang betrachten. Als wir dann am abwaschen waren, tauchte der Reiter wieder auf, diesmal mit dem Töff, und wollte uns, via Übersetzerin am Telefon, nochmals davon überzeugen, dass es besser sei bei ihm zu schlafen. Wir hatten aber das Zelt schon aufgebaut und eingerichtet und so konnten wir ihn dann überzeugen, dass wir absolut problemlos an diesem Ort übernachten können.
harter Boden braucht Erfindungsgeist
Nutella aufwärmen
 Am 19. November flogen wir mehr als wir fuhren. Mit stetigem Rückenwind folgten wir alles der Strasse 65 in Richtung Süden. Die Strecke liegt auf rund 2000 Meter über Meer führt durch eine Steinwüste mit wenigen Dornbüschen und grossen Distanzen bis zu den umliegenden Bergen. In Shahreza kauften wir ein und fanden nach gesamthaft rund 116km einen guten Zeltplatz etwas abseits der Strasse in einer Vertiefung. So waren wir dem Verkehrslärm nicht vollständig ausgesetzt.
1 Meter Auto, 4 Meter Ladung
Kartoffeln waschen
Am nächsten Morgen setzte rund eine halbe Stunde vor dem Wecker Wind ein und die Motivation war nicht gerade gross, als wir bemerkten, dass  es sich um Gegenwind handelt.Wir krabelten dann schliesslich doch aus unseren Schlafsäcken und assen unser Frühstück (Nutella mit Brot, Müesli mit Schoggidessert). Nach rund 10 Kilometern setzte zusätzlich zum Gegenwind noch etwas Regen ein. Die Motivation sank weiter. Zum Glück regnete es nicht allzu lange und so fuhr es sich kurz darauf schon wieder einfacher. Passend zum nächsten Schauer trafen wir an einer Raststätte ein und konnten uns aufwärmen und trocknen. Als der Regen wieder nachliess wollten wir starten. Das verhinderte aber ein Platten in Chregus Hinterreifen. So musste zuerst das Loch gefunden, der Übeltäter (Draht) entdeckt und entfernt sowie ein neuer Schlauch einbaut werden. 
Unterdessen war der nächste Schauer da und so verlängerte sich unser Aufenthalt an der Raststätte noch ein wenig.
Am Schluss gelangten wir doch trocken nach Abadeh und gönnten uns in einer Beiz drei Kebabs mit Reis und Brot. Da wir auch schon über die Preise erstaunt waren, fragten wir diesmal was es kostet. Während dem Essen tauchten allerhand Leute in diesem Restaurant auf und als der Zweite uns das Mittagessen bezahlen wollte, mussten wir einschreiten und das ganze aufklären. Da der Wetterbericht für den Nachmittag weiterhin regnerisches Wetter vorhersagte, entschieden wir uns für ein Hotel. Morgen soll es dann wieder trocken sein und wir werden weiter in Richtung Shiraz pedalen.

Dienstag, 13. November 2018

Nach Tehran und weiter Richtung Süden

Von Ramsar aus radelten wir am 8.11 los um Chalus zu erreichen. Wie schon die Tage vorher war die Strecke flach und eigentlich ziemlich unspektakulär. Rund 30 Kilometer vor Chalus wurden wir aus einem Auto heraus von einem Mann angesprochen, ob wir einige Minuten mit ihm reden möchten. Diesen Gefallen wollten wir ihm machen und so hielten wir an. Der Chef der Tankstelle direkt daneben lud uns dann alle zum Tee ein. Es stellte sich heraus, dass der Mann der uns aufhielt einen Freund aus Seedorf hat und selber schon zweimal in der Schweiz war. Er zeigte uns Fotos von seinem Sohn, welcher in Deutschland studiert, als er in der Schweiz unterwegs war. So bekamen wir einige Urner Berge zu Gesicht.
Sarner Müesli aus iranischem Supermarkt

zu kurze Beine
In Chalus angekommen fuhren wir zum Busterminal und kauften zwei Tickets für den Bus am nächsten Morgen um 7.30 nach Tehran.
Übernachtet hatten wir wieder im Hotel, da wir den Kontakt zur Tankstellenbekanntschaft nicht mehr herstellen konnten...
Am Morgen danach pedalten wir also durch die leere Stadt zur Busstation und konnten unsere Velos ohne Probleme einladen. Unsere Sitze waren in der ersten Reihe und so konnten wir die super spektakuläre Strasse über den Kandovanpass geniessen, so gut es aus dem Bus heraus ging. Da es mindestens teilweise regnete, oder ganz oben sogar schneite, wurmte es uns dann doch nicht ganz so fest dass wir uns für den Bus entschieden hatten.
Zwischen Karadsch und Tehran konnten wir dann auch noch miterleben, wie die iranischen Freeways funktionieren: ziemlich chaotisch und es wird jeder Quadratmeter Strasse genützt. Linien sind höchstens Zierde oder sind gar nicht vorhanden.
Vom Busterminal gings zuerst noch rund 15km durch die Stadt ins Hostel. Unterwegs assen wir etwas und wechselten noch Geld.
Tehran
Über Umwege erreichte uns etwas Nachschub aus der Schweiz: Ein Nabendynamo mit Zubehör sowie Schokolade. Der Nabendynamo war für Chregu. Seine Nabe zeigte seit gut 1500km ziemliche Verschleisserscheinungen und musste ausgetauscht werden. Die Nabe wurde am ersten Morgen, hoffentlich fachmännisch genug, in das bestehende Vorderrad eingebaut.
Speichenwirrwar
Der zweite Tag verbrachten wir im nördlichen Teil der Stadt und marschierten noch zu Talstation der Tochal-Bahn und einige Meter weiter rauf. Von da genossen wir die Sicht auf die Stadt. Als die Dämmerung hereingebrochen war, reisten wir mit Taxi und U-Bahn zurück zur Unterkunft.
riesiges Tehran
Am Morgen des 12. November wollten wir eigentlich in Richtung Qom losfahren. Da es regnete, warteten wir jedoch zuerst noch ab. Als sich das Wetter aber nicht besserte, suchten wir uns einen Warmshowerhost in knapp 50km Entfernung. Im strömenden Regen schlängelten wir uns also durch den Stadtverkehr und erreichten im Eindunkeln das Restaurant von Hossein in Hasanabad. Nach dem Znacht wechselten wir in seine Wohnung und durften beim siebten Geburtstag seiner Tochter dabei sein.
Caystopp mit obligatorischem Foto
Nach ein/zwei Töggalimatchs krochen wir dann ins Bett und genossen es nicht im nassen Zelt zu liegen, wenn auch die letzte Zeltnacht schon fast zwei Wochen her ist.
Nach dem Frühstück fuhren wir los um das rund 100km entfernte Qom zu erreichen. Das Wetter war trocken und nach zwei Kilometern entschieden wir uns trotz Veloverbot für den Freeway, statt der alten Strasse auf der nur Lastwagen unterwegs sind. Im Jahre 2013 fuhr Chregu zusammen mit zwei Kollegen in die Gegenrichtung und durfte die Erfahrung mit der von Lastwagen voll gestopften zweispurigen Strasse machen. Heute pedalten wir auf dem Veloweg (Pannenstreifen) des Freeways ganz gemütlich und ziemlich klar sicherer in Richtung Süden.
Lastwagen mit Sitzplätzen?
Unterwegs wurden wir zweimal ziemlich verregnet und kamen somit einmal mehr nass in der Unterkunft an. Erfreulicherweise klarte es in den letzten Kilometern auf und so konnten wir den Komplex um den Heiligen Schrein im Trockenen besichtigen.
Schnörkel