Sonntag, 14. Oktober 2018

Hügel, Berge, Tal, Sevansee und Yerevan

Nach fast zwei Tagen in Tiflis verliessen wir die Stadt so, wie wir gekommen waren: Auf der Autobahn.
Da wir den Grenzübergang in Sadakhlo anvisierten, fuhren wir in Richtung Marneuli und hatten ab der Stadtgrenze von Tiflis eine fiese Steigung zu bewältigen. Nach vorne sieht es aus als ob es fast flach sei, aber der tiefe Gang und die Geschwindigkeit sagt etwas anderes. Aber nicht nur wir hatten zu kämpfen, auch einige Lastwagen krampften und röchelten.
Je näher wir der Grenze kamen, desto mehr wurden wir gegrüsst, angehupt und angesprochen. Irgenwie wollten uns wohl die Georgier nochmals zeigen wie super sie es finden, dass wir ihr Land bereisen. In Sadakhlo angekommen, wollten wir unsere letzten Larri verprassen, aber 40 Larri in Lebensmittel die wir transportieren können zu wechseln, gelang uns nicht. So zelteten wir am Dorfrand an einem wunderschönen Platz direkt am Bewässerungskanal.
Am morgen danach fuhren wir nochmals in die Dorfmitte und kauften nochmals ein. Der Grenzübertritt verlief absolut problemlos. Bei der Ausreise mussten wir nur den Helm lüften, dass der Grenzer kontrollieren konnte, ob wir wirklich die Beiden sind die in unseren Pässen abgebildet sind.
Der Armenische Grenzer fragte noch kurz wohin wir wollen und gab sich schnell mit: "Yerevan, further south and Iran" zufrieden.  Mehr interessierte ihn, wieso wir in den Iran möchten, als wieso wir nach Armenien möchten. Nach dem Stempel und einem "be careful" konnten wir weiterfahren.
Da wir via Noyemberian und Idschwan fahren wollten, sammelten wir schon kurz nach der Grenze einige Höhenmeter. So zu sagen immer der aserbaidschanischen Grenze folgend, ging es munter rauf und runter. Bei Voskepar fanden wir ein super Zeltplatz auf einem kleinen Hügel direkt neben der Strasse, von wo wir aus dem Zelt hinaus die Landschaft in Aserbaidschan beobachten konnten. Ein aufgebrachter Bauer kam noch vorbei und fragte (mit Händen und Füssen), ob wir seine verlorenen Kühe gesehen haben. Helfen konnten wir leider nicht, aber einige Zeit später war der Bauer selber erfolgreich und konnte seine Kühe ins Dorf treiben.
Aussicht aus dem Schlafsack

Über weitere Hügel und Berge fuhren wir weiter bis wir ins Tal des Flusses Aghstev kamen. Diesem Fluss folgten wir dann für die nächsten rund zwei Tage.
knapp nicht mehr fahrbar
Nach dem spannenden Einkauf in Idschewan auf dem Bazar, waren wir gerüstet für die nächste Nacht. Nur das Zmittag fehlte noch. Wir entschieden uns für eine der viele Strassen(rand)beizen und trafen eine super Entscheidung. Da wir uns mit der Wirtin mit Wörtern nicht verständigen konnten, bestellten wir mit Handzeichen und Nicken mehr oder weniger alles was sie vorschlug. Das ergab ein riesiges und extrem schmackhaftes Essen. Die Früchte, die als Dessert gedacht waren, mussten wir dann stehen lassen, beziehungsweise mitnehmen, da wir schon übersatt waren.
Die Nacht verbrachten wir etwas oberhalb der Strasse, an der stillgelegten Bahnlinie. Bahnschienen können auch sehr gut als Hocker dienen...
Am 13.10 folgten wir weiter dem Tal und zweigten in Dilijan in Richtung Sevansee ab. Kurz oberhalb der Stadt tauchten wir von unten in die Nebeldecke ein und so fuhren wir in der sturmsdicken Suppe weiter bergauf.
Sichtweite
Unterwegs gab es noch eine weniger erfreuliche Begegnung: Wir wollten Wasser tanken und wurden dabei von einem älteren, leicht verwirrten Mann angesprochen. Da er nur immer die gleichen zwei Wörter sagte und ein Geldstück zeigte versuchten wir ihm beizubringen, dass wir ihn nicht verstehen. Leider klappte das nicht und die Aktion endete damit, dass er plötzlich austickte und Chregu einen Schlag ins Gesicht (keine weitere Sache, der Herr war nicht sehr kräftg) einstecken musste. Nach der schnellen Flucht mit dem Velo, tankten wir dann weiter oben unser Wasser. Dieses Erlebnis ändert aber nichts an unserem Eindruck der ansonsten sehr freundlichen und zuvorkommenden Georgier und Armenier.
Beim Abzweiger zwischen Tunnel und Pass entschieden wir uns für den Pass und wurden kurz nach der Passhöhe belohnt. Der Nebel lichtete sich und gab die Sicht auf den Sevansee frei.
Möischter?
es riese Fröidi
Kurz darauf fanden wir auch noch einen super Zeltplatz, aber da wir nicht genug darauf vorbereitet gewesen waren, fuhren wir zuerst ins nächste Dorf und deckten uns mit dem Nötigsten ein. Zurück am Zeltplatz genossen wir die Sonne und die Aussicht.
Von diesem Ort aus rollten wir am nächsten Morgen an den See und weiter zum bekannten Kloster Sevan. Wir genossen auch da nochmals die Sicht auf den See, der etwa doppelt so gross wie der Bodensee und auf 1900(!) m.ü.M. liegt.
Um möglichst einfach nach Yerevan zu gelangen, schnappten wir uns die grösste Strasse, also die Autobahn, und nach einigen kleineren und grösseren Wellen konnten wir hinunter in die Hauptstadt "rasen" und die knapp tausend Höhenmeter vernichten.
immer schön langsam ;-)

Dienstag, 9. Oktober 2018

Nach und in Tiflis

Von Achalziche aus folgten wir immer dem Wasser und so rollte es sich ziemlich einfach immer in Richtung Gori. Die Strasse windet sich zusammen mit der Eisenbahn immer dem Fluss entlang.
Ab Borjomi nahm der Verkehr zwar merklich zu, aber blieb bis zur Einmündung der Hauptstrasse vom Schwarzen Meer immer noch im erträglichen Rahmen. Alternativen gibt es aber so oder so nicht.
Da hinter Achaziche die Strasse zum Grenzübergang zur Türkei einmündet, befanden wir uns auch auf einer internationalen Transitroute und viele türkische sowie einige iranische Lastwagen überholten oder kreuzten uns.
Einige der vielen (Fussgänger-)Hängebrücken luden zum austesten und schaukeln ein, was uns dem "Ziel" Kalender "Chregu auf Brücken" näher brachte. ;-D
Hängebrücke
Kurz nach Kaschuri, wo sich das Tal aufweitet bogen wir auf eine kleinere Nebenstrasse ab, um nicht vom ganzen Ost-West-Verkehr gequält zu werden.
Die Nacht verbrachten wir zwischen Fluss und Bahnlinie auf einem vertrockneten Stück Land. Obwohl es sich um die Hauptlinie zwischen Tiflis und dem Schwarzen Meer handelt war das überqueren problemlos und die Züge raubten uns auch nicht den Schlaf. Von der Sovjetlok, über Schweizer Personenzüge, bis zum langen Güterzug gab es aber doch einiges an Verkehr.
Abendstimmung
Als erstes Zwischenziel erreichten wir Gori, die Stadt in der Stalin aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Zwar ist mittlerweile die grosse Stalin Statue in einer Nachtaktion von der Regierung entfernt worden, jedoch findet sich immer noch eine kleine Version in der Stadt und der ehemalige "Unterdrücker" Georgiens hat scheinbar immer noch seine Anhänger im Land. Vor dem Museum zur Person machten wir etwas Touristenviewing und wurden prompt auch von einem Schweizer angesprochen.
Über einige Hügel und durch viele Dörfer sowie mit viel Aussicht auf den grossen Kaukasus kamen wir Tiflis immer näher. Unterwegs trafen wir auch noch auf andere Reiseradler. Anscheinend waren wir nicht die einzigen die die Möglichkeit neben der Autobahn fanden :-)
Nach einer weiteren ruhigen Nacht fuhren wir gestern morgen los um Tiflis zu erreichen. Bis auf die letzten rund 20 Kilometern war es, bis auf den aufkommenden Gegenwind, sehr ähnlich wie am Tag zuvor. Danach war es Stadtverkehr vom feinsten auf der grossen bis zu 8-spurigen Strasse/Autobahn. In der Altstadt angekommen suchten wir uns mit Hilfe des Reiseführers ein Hostel und fanden etwas oberhalb eine ruhige Unterkunft mit Ausicht auf die Stadt.
Autobahn? Wohl "nur" Hauptstrasse
Am Nachmittag fuhren wir mit der Standseilbahn zum Mtatsmindapark und genossen die Aussicht auf die Umgebung. Ausserdem erkundeten wir die Stadt vom Freedomsquare bis zum Meidanplatz.
Heute war die erste Aufgabe unsere Velocomputer zu ersetzen, welche den Regen vom Goderzipass nicht überlebt hatten und buchstäblich abgesoffen waren. Dazu fuhren wir mit dem Bus für umgerechnet 20 Rappen pro Person und Richtung in einen Aussenbezirk wo sich ein guter Veloladen befindet. Nach kurzer Wartezeit konnten wir zwei brandneue und hoffentlich wirklich wasserdichte Geräte erstehen, welche uns hoffentlich bis Ende Jahr begleiten werden.
wiederauferstehender Schrott vor dem Veloladen

hoffnungslose Reparaturversuche
Zurück im Hostel informierten wir uns detailliert über die Visaformalitäten für Bergkarabach, die Einreise ist nicht ganz einfach, aber auch nicht unmöglich.
Im Verlauf vom Nachmittag schlossen wir uns einer "Free Walking Tour" an, auf welcher uns ein super Führer seine Sicht auf die Stadt zeigte und viele schöne und auch überraschende Plätze zeigte, welche er mit interessanten Geschichten untermalen konnte. Unter anderen zeigte er uns die älteste Bäckerei von Tiflis, welche sich zufallig als unser Frühstücksimbiss von jenem Morgen herausstellte.
auch hier gibts "verdreihti Sieche"
Nun sitzen wir nach dem Znacht wieder im Hostel und morgen fahren wir los in Richtung Armenien. Mal schauen was wir da alles erleben werden.

Freitag, 5. Oktober 2018

Goderzipass

Am Dienstagmorgen wurden wir mit all unserem Gepäck nach Sursee chauffiert. Von da ging es mit dem Zug direkt nach Genf. Nach einigen aufwändigen Manöver um mit den Liften zu fahren und Türen zu durchqueren erreichten das Check-In wo wir mit warten, erklären und bezahlen beschäftigt wurden.
Auf dem Flugvorfeld angekommen sahen wir unseren "schnusligen" Flieger (CRJ200) welcher uns nach Minsk brachte.
Mit der zweiten Maschine der Belavia erreichten wir um 3.30 Uhr unser erstes Ziel Batumi.
Die Velos kamen absolut unversehrt an und so waren wir um ca. 5 Uhr fahrbereit und verliessen den Flughafen in Richtung Stadt.
grössenwahnsinniger Bau in Batumi
Unterwegs deckten wir uns mit Geld und Benzin ein. An der Strandpromenade angekommen, packten wir unsere sieben Sachen von Flug- auf Velopackung um. Während dieser Aktion wurden wir im halb sieben von einem einheimischen Velofahrer angesprochen, ob wir ihm seine Kette ölen könnten. Dieser Bitte kamen wir natürlich gerne nach - Velofahrer helfen Velofahrer.
Als der Tag dann defintiv angebrochen war, machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Abartige Neubauten am Meer und kleinere ältere Gebäude in der "Innenstadt" stehen in einem Raster und zeugen von viel Tourismus und Selbstbewusstsein.
Im Supermarkt deckten wir uns mit dem Nötigen ein und machten uns auf den Weg Richtung Goderzipass.
Die Stunden zwischen Landung und dem wirklichem Losfahren waren ziemlich sureal. Irgendwie nicht ganz wach (oder eher: übermüdet) eine solche Stadt in einem unbekannten Land beim Erwachen zu erleben ist schon speziell.
Entlang der Hauptstrasse verliessen also die Stadt und als diese dann gänzlich hinter uns lag, liess der Verkehr massiv nach und so war es ein Genuss immer dem Bach folgend das eindrückliche Tal vom Velo aus zu erkunden.
Hängebrücke
Strasse im unteren Teil
Ausserdem lernten wir viel über die Sprache der Hupen, Lichter und Hände. Viele solche Grüsse später erreichten wir die alte Brücke nach Dandalo. Die Steinbrücke überquert den Bach in einem hohe Bogen zwischen zwei Felsen. Nach einem Bad im Bach und ein/zwei Stunden Schlaf nachholen entschieden wir vor Ort zu bleiben und die Infrastruktur der geschlossenen Gartebbeiz zu nutzen sowie den wunderbaren Platz zu geniessen. Immer wieder kamen Leute vorbei welche sich entweder die Brücke anschauten, oder auf dem Weg zwischen dem Dorf oberhalb und der Marschrutka Haltestelle waren.
Steinbrücke mit Zelt
Als es Dunkel wurde, wollten wir uns eigentlich unter dem Dach der Gartenbeiz zu Bett legen, aber da noch drei junge Vodkatrinker auftauchten, verlagerten wir unser Nachtlager einige Meter weiter hinunter und schliefen im Zelt auf der Kiesbank am Bach.
Heute morgen starteten wir mit dem Ziel den Goderzipass zu erreichen was ca. 1900 hm auf gut 50km bedeutet. Bis Chulo ist die Strasse geteert und ziemlich in gutem Zustand. Nach dem Einkaufen in Chulo fuhren wir auf Schotter weiter. Immer wieder durch Dörfer fahrend kamen wir dem Pass stetig näher. Die Landschaft ist grandios und die Leute entlang und auf der Strasse motivierten uns, wie schon am Tag davor, mit Grüssen, kurzen Gesprächen (woher?, wohin?, ...), Mifahrgelegenheiten (welche wir natürlich ;-) ablehnten) und Komplimenten.
Eine Strasse in gleichem Zustand würde in der Schweiz wohl höchstens mit Traktoren oder Bikes befahren. Hier ist es eine Strasse von nationalem Interesse und wird daher von PW's, Kleinbussen (meist Ford Transit) sowie Lastwagen und Sattelzügen befahren. Die Verkehrsmenge hält sich aber stark in Grenzen und daher kann mit dem Velo ohne Probleme auf der ganzen Breite den Schlaglöchern ausweichen.
Strasse kurz unterhalb des Passes
Etwa 300hm unter dem Pass kamen wir am Goderzi-Resort vorbei. Ein riesiger Komplex von Hotelgebäuden welche sich um die Talstation der Seilbahn schart. Die Seilbahn wurde zusammen mit dem oberen Sessellift von der EU gesponsert und die Georgier wollten (oder versprachen) die Passstrasse bis 2012 auszubauen und zu asphaltieren. Dass passierte nicht und so stehen die Tourismusanlagen wohl meist schwach- oder ungenutzt herum. Ausserdem entstand die absurde Situation, dass auf dem Pass zwei neue asphaltierte Strassen in die Kiespiste der Passstrasse münden.
Gerade als wir beide auf dem Pass angekommen waren setzte Regen ein und so stellten wir das Zelt in einem kleinen (Bus-?)Häuschen auf und verkrochen uns darin.
Aussicht in den Regen
Nach dem Znacht liegen wir nun wieder im Schlafsack und hören den Regen auf das Zeltdach prasseln.
(Bis hier geschrieben am Abend vom DO 4.10.)
Die Nacht war durch den Wind und Wetter nicht extrem erholsam aber wenigstens liess der Regen gegen morgen nach und so wurden wir beim Abbau des Camps nur vom Nebel weiter genässt.
Die Abfahrt in Richtung Achalziche war in den ersten knapp 20km sehr nass und teilweise schmierig dreckig. Aber wie es so ist trifft man in den wettermässig schlimmsten Situationen Leidensgenossen. Rund 8km bevor wir auf den Asphalt kamen, kreutzen wir zwei Radler aus Schottland und Wales und konnten Infos über den Pass austauschen.
Auf der guten Strasse angekommen klarte das Wetter weiter auf und wir rollten mit super Rückenwind das Tal hinaus.
Beim Zmittag in der Beiz in Achalziche entschieden wir uns hier in einem Hotel einzuquartieren und das eine oder andere zu reparieren, was schon in Mitleidenschaft gezogen wurde und das nasse Zeugs zu trocknen.
PS: vielleicht tönt es so, als ob wir fliessend Georgisch sprechen würden, wenn von Gesprächen die Rede ist, laufen die meist mit Brocken von verschiedenen Sprachen und Zeichen ab.

Montag, 24. September 2018

Bahnverlad, 2x "Gebirge", Donau, Bahnverlad

Nach der Nacht in der Pension in Miskolc fuhren wir an de Museumsbahnhof mit der Überlegung dort zu parkieren und mit dem "Bähndli" einmal zur Endstation und zurück zu fahren. Vor Ort wurde uns dann erklärt, dass wir die Velos auch mitnehmen könnten. Also packten wir die beiden Velos und alle Taschen in einen der offenem Wagen und schon bald zuckelte der Zug gezogen von einer Diesellok gezogen zuerst durch die Stadt und dann durch den Wald immer dem Bach entlang in die Höhe.
Veloverlad zum Ersten
Schönes Züglein
An der Endstation angelangt kurbelten wir weiter in das Tal hinein. Nach dem letztem Dörfchen verwandelte sich der Asphalt in Bruchstücke und wir waren ganz alleine unterwegs. Nur ein "Gümmeler" holte uns auf und regte sich auf über den Strassenzustand und vielleicht auch über seine Entscheidung diesen Weg gewählt zu haben. Wir liessen uns vom GPS führen und so wurde der Untergrund noch schlechter, dafür tauchten Wiesen und Skilifte auf... Wir landeten in einem Skigebiet. Wieder auf einer Strasse angekommen wählten wir die Richtung um auf die Hauptstrasse Richtung Eger zu kommen. Das erste "Gebirge" in diesem Eintrag hatten wir hinter uns, als wir unser Zelt in Eger auf dem Campingplatz aufschlugen. Am Abend gingen wir noch ins Tal der schönen Frauen, ein Wein-Touri-Spot. Es gab zum Glück auch Bier ;-)
Minarett oder Rakete

Nach einer Stadtrundfahrt am Morgen ging es weiter in Richtung Westen, in Richtung Matra-Gebirge. Im späteren Nachmittag erreichten wir den Kekes, welcher mit 1015 m.ü.M der höchste Hügel von Ungarn ist. Das war zwar nicht der höchste Punkt der Reise, aber für uns beide das erste Mal, dass wir auf dem höchsten Punkt eines Landes waren. Übernachtet haben wir, nach einem missglückten Versuch an einen Stausee zu gelangen in einer Schutzhütte einige Dutzend Meter neben der Strasse nach Paszto.
Super Unterkunft

Am nächsten Morgen rollten wir die Hügel hinunter und machten noch einen Abstecher zum dritthöchsten ungarischen Berg wo wir von einen Aussichtsturm aus die Rundumsicht geniessen konnten. Nach dem Mittagessen und einkaufen und Mittagsschlaf in Paszto fuhren wir weiter über unzählige kleine Hügel und wichen mindestens 100mal so vielen Schlaglöchern aus. Wir folgten alles kleinen Nebenstrassen und ziemlich genau zur richtigen Zeit tauchte an einem Wegweiser ein ausgeblichener Hinweiskleber von einem Camping auf, da wir so oder so in diese Richtung fuhren schauten wir uns um und so landeten wir auf einem kleinen Camping welcher von Holländern geführt wird, welche da einen Reithof betreiben.
Am 21.9. fuhren wir zuerst nach Vac/Waitzen. Nach dem Mittagessen im Restaurant wollten wir noch etwas das Donauknie anschauen. Daher fuhren wir zuerst auf der linken Seite der Donau in Richtung Wien. Bei der Fähre in Nagymaros verpassten wir das Schiff um wenige Minunten. Daher gabs eine einstündige Pause.
Fähre über die Donau
In Visegrad angekommen fuhren wir nun wieder in Richtung Budapest. Ca. 35km vor der Stadt quartieren wir uns auf einem Camping ein. 
Am Samstag rollten wir der Donau entlang in die Stadt und konnten uns schon vor elf Uhr im Hostel einchecken.
In Budapest ist es wie vielen anderen Städten: Stadtrundgang, Bier, Aussicht vom Hügel, Restaurant, Bier, Hostel...
Das witzigste in Budapest, fand ich, ist ein interaktiver Brunnen, welcher in einem Rechteck Wasser hoch spritzt und immer dann das Wasser dort abstellt, wo man sich dem Wasser nähert. Aber das ganze ist so gemacht, dass man es nicht direkt bemerkt... wirklich witzig.
interaktiver Brunnen
Eine zweite bemerkenswerte Sache war zwar nicht witzig, aber passiert war das uns beiden noch nie: Ein Geldautomat spuckte kein Geld aus ohne dass ein Fehler angezeigt wurde. Mal schauen ob da wirklich was abgebucht wird...
Bahnverlad zum Zweiten
Gestern Abend packten wir das Gepäck wieder auf die Velos und fuhren zum Bahnhof Keleti. Nach einigem Warten und Verbrauchen der letzten Forints konnten wir dann ohne Probleme unsere Velos in unser Schlafwagenabteil verfrachten und so klappte der eigentlich von der Bahn nicht so gedachte Transport ohne Probleme.
Pünktlich in Zürich angekommen, luden wir aus und beide fuhren nach Hause. Diese Reise ist durch und war super. Schon bald geht es aber weiter...

Montag, 17. September 2018

Waldpässe, Höhle

Vom Camping in Dedinky rollten wir zuerst dem Wasser entlang in Richtung Osten. Nach einem Zwischenanstieg in Hnilec angekommen begann der eigentliche Anstieg zur Passhöhe auf gut 900m über Meer. Dank sehr schöner Trassierung und viel Wald entlang der Strasse war das keine so grosse Sache.
Oben angekommen setzten wir uns hin um die nächsten Tage zu planen und zu schauen, wohin wir noch fahren könnten, mit dem Plan in Raznava einzukaufen und uns noch den nächsten Pass zu schnappen rollten wir die weiterhin super angelegte Strasse hinunter. Zusammen mit wenigen Regentropfen trafen wir in Gemerska Poloma ein. Nach dem wir etwas gegessen hatte und der Regen vorbei war, rollten wir noch die letzten Kilometer nach Roznava.
Als da aber Lidl, Billa und Tesco geschlossen hatten, war klar dass es wohl schwierig werden könnte mit dem Essen einkaufen. Auf dem Hauptplatz sahen wir, dass gerade eine Art Kilbi zu Ende gegangen war und so suchten wir Internet und fanden heraus, dass der Jahrestag der "Muttergottes der Sieben Schmerzen", der Patronin der Slovakei gefeiert wurde.
Also mussten wir unseren Plan ändern und quartierten uns in einer Penzion ein.
was ist hier falsch?
Am nächsten Tag kauften wir ein und fuhren über eine mehr aus Flicken statt aus Belag bestehender Strasse auf dem Pass wetlich von Uhorna. Auf etwas besserer Strasse gings runter in Tal aber schon bald wieder hoch um in Richtung Medzev zu fahren.
In der Abfahrt stoppten wir bei einer Quelle um unser Lunch zu essen und Wasser zu füllen. Nach einiger Zeit parkierte ein Auto und eine ältere Frau und ein Mann kamen mit Kanistern um Wasser zu holen. Als sie den kleinen Wasserstrahl sahen, waren sie überrascht. Im Gespräch, welches wir auf deutsch mit der Frau führen konnten, erfuhren wir dass es sonst viel mehr Wasser habe. Ausserdem wurden wir über unsere Reiseroute ausgefragt und sie erzählte aus alten Zeiten, als Reisen nicht möglich war und dass wir die "Reise"-Freiheit in Europa schätzen sollten.
zum Glück auf die einfache Seite unterwegs
Runter rollen

Auf dem weiteren Weg das Tal hinaus kamen wir unter anderem an Roma Siedlungen vorbei, wo die Armut völlig offensichtlich ist. Im Gegensatz dazu sehen die Dörfer der Slovaken ganz anders aus. Ein heftiger Kontrast, welcher zeigt, das da wohl eher Trennung als Integrationsbemühungen betrieben wird...

In der Fläche bei Moldava angekommen fuhren wir über kleine und kleinste Strassen im in Richtung Ungarn. Auf einer Schotterpiste überquerten wir dann die Grenze und fuhren weiter in Richtung angepeiltem Zeltplatz. Vor Ort zeigte sich dann, dass es sich um eine Verladestation und Verwaltungsgebäude eines alten Steinbruchs handelt. Es sind aber Tische und Bänke vorhanden und als alle anderen Leute (6 Nasen) verschwunden waren, legten wir uns auf den Vorplatz des Billetbüros für die nahe gelegene Höhle, welches für diese Jahr schon ausser Betrieb ist.
Schlafplatz
Heute morgen strampelten wir dann zur bekanntesten Höhle des Aggtelek Nationalparks und konnten wenige Minuten nach Ankunft an einer ungarischen Führung teilnehmen. Dank deutschem Infozettel, war aber nicht alles unverständlich. Die Höhle zeichnet sich durch tausende von Tropfsteinen und deren Gebilden aus.

Nach dem Besuch der Höhle fuhren wie via Kazincbarcika und Parasznya in den westlichen Teil von Miskolc wo wir die Pedale von Roman ersetzen konnten. Eines davon bekam heute Morgen einen Lagerschaden und knackte wie wild.
Rennstrecke? Wenn dann nicht Formel 1, sonder PW
Da sich die, digitale, Suche nach einem Campingplatz als wenig erfolgreich entpuppte suchten wir eine festen Unterkunft und wurden fündig. Als schnell gebucht und vor Ort festgestellt, dass niemand da ist. Nach einem Telefonat erschien die Eigentümerin mit Übersetzerin und so konnte auch die Buchung storniert und auf billigeren Weg eingecheckt werden. Da die dazugehörige Pizzeria geschlossen ist kochten wir an einem der Gartenbeiztische unser Znacht und genossen ein Bier aus dem Laden gerade daneben.

Morgen wollen wir mit den Lillafüred-Waldbahn fahren und uns dann auf den Weg an die Donau machen um am Samstag hoffentlich ziemlich verkehrsfrei nach Budapest zu fahren. Wir liegen als sozusagen vor der Toren der Stadt. ;-)

Samstag, 15. September 2018

Gedenkstätte, Stadt und dann ab in die Tatra

Die Führung in Auschwitz in den Lagern I und II (Birkenau), welche die Grausamkeit der Taten der Nazis aufzeigte und welche uns klar machte wie wenig Wert in diesen Lagern ein Menschenleben hatte und wie gross die Vernichtungsmaschinerie war, war sehr eindrücklich. Und wie unser Guide sagte, kann man das Ausmass nur verstehen, wenn man Auschwitz einmal besucht hat.

ca. 1/3 von Auschwitz II/Birkenau

Am Nachmittag nach der Führung fuhren wir an die Weichsel und dieser entlang in Richtung Krakau. Immer auf dem Damm machten wir zwar zusätzliche Kilometer, aber keine Höhenmeter. Die Nacht verbrachten wir, wie viele Fischer, im Zelt direkt am Fluss. Die Nebelschwaden eines Regengusses, welchem wir geschickt ausgewichen waren, versteckten uns. Am Morgen war alles nass und es war immer noch neblig.
Nach wenigen Kilometern war es dann sonnig und wir konnten das Zelt trockenen. Immer der Veloroute entlang ging es Richtung Krakau. Unterwegs assen wir zu Mittag (Achtung "Tripe" heisst Kutteln auf englisch was mir dann den Appetit verdarb...)

Lainio? Nein Weichsel!

In Krakau quartierten wir uns für zwei Nächte in einem Hostel ein und genossen die Annehmlichkeiten einer Stadt. Ausserdem liessen wir uns auf zwei "Free Walking Touren" weiterbilden und bekamen so einen schönen Überblick über die Geschichte der Stadt. Die Beizen wurden natürlich auch ausprobiert.

verdreihti Sieche zKrakau

StreetArt zum selber deuten

Am Tag, als wir die Krakau verliessen besuchten wir noch die Salzmine in Wielicka. In dieser Mine wurde schon seit Jahrhunderten Salz abgebaut und zeitweise war ein drittel des polnischen Staatseinnahmen von dieser Miene. Die Führung führte uns auf -135m hinab und zeigte sehr viele verschiedene Aspekte des bergmännischen Salzabbaus.

Immer Richtung Süden fahrend, gelangten wir in die Region Zakopane, liessen aber den Ort geschickt aus. Kurz vor der polnisch/slovakischen Grenze sprach uns ein polnischer Rennvelofahrer an und so quatschten wir auf einer Verkehrsinsel über seine (14 mal ca. 1 Monat) und unsere Reisen. Er war schon mehrmals in Zentralasien und so gab es einige Geschichten auszutauschen.
Seine Aussage, dass die polnischen Strassen absolut gefährlich seien und es extrem viel Verkehr habe, konnten wir nicht bestätigen. Seine Meinung, dass es in der Slovakei angenehmer zu fahren sei bestätigte sich dann aber in den nächsten Tagen.

platter Velofahrer

Wir fuhren östlich um die Hohte Tatra herum und folgten dann der "Höhenstrasse" auf der Südseite der Hohen Tatra. Die Aussicht auf die weiteren Berge (oder eher Hügel?) im Süden und die Berge im Norden war super.

Hohe Tatra von der Seite

Vie Strba wechselten wir die Talseite und folgten einem kleinem Nebental auf einer für den Autoverkehr gesperrten Strasse. Eigentlich wollten wir in Svarin oder Maluzina auf den Camping und uns wieder einmal eine Dusche zu gönnen, aber die Camping waren entweder nicht wirklich Camping oder waren schon seit Jahren geschlossen. So schlugen wir uns wieder in die Büsche und campierten wild.

Landschaft
Heute Morgen fuhren wir zuerst auf den Pass Certovia, wo wir mit einem Berufskollgen (machte ein DGM mit dem GNSS) quatschten. Er erzählten er habe, als er so jung war wie wir jetzt, auch Veloreisen nach Afrika, Asien und Südamerika unternommen.
Zuerst Richtung Süden und dann immer Richtung Osten fuhren wir via Polomka durch sehr wechselnde Landschaften nach Dedinky wo wir einen offenen Campingplatz fanden. So kann ich einige Meter über dem See sitzen und bei Sonne (und teilweise Donner) diesen Blogeintrag verfassen.
(Bis hier am 14.9 geschrieben, Upload am 15.9 in Roznava. Ausserdem weiss ich nicht ob das mit den Fotos klappt...)

Freitag, 7. September 2018

Grenzgänger

In Glatz/Klodzko haben wir die Vorteile eines Campings gegenüber dem wildcampen ausgenutzt und sind erst gegen Mittag losgefahren. Zuerst machten wir aber noch einen kleinen Abstecher zur grossen Befestigung der Stadt. Wir hofften wir könnten da vom Velo aus das Ganze anschauen. Dies war aber nicht möglich und so fuhren wir weiter aus der Stadt.
Zuerst mussten wir natürlich noch bei einem Supermarkt vorbei. Die 50.22 Zloty welche der Einkauf kostete mit 100 Zloty ohne Kleingeld zu bezahlen ging nur mit Murren der Verkäuferin, nachdem mit dem Zeigen der tschechischen Münzen bewiesen war, dass ich wirklich keine polnischen Groschen hatte. ;-)

Wir peilten wiederum einen kleinen Grenzübergang an, welcher uns nach Tschechien führte. Dazu mussten aber zuerst einige Kilometer auf ziemlich befahrenen polnischen Hauptstrassen zurückgelegt werden...
Unterwegs gabs ein Lunchstopp mit standesgemässen Parknachbarn:
mehr oder wenige fahrtüchtig
Vor dem Pass, mit dem Grenzübergang, füllten wir in Ladek-Zdroj noch die Zuckervorräte mit Cola auf und so fielen uns die Höhenmeter, auf der sehr angenehm zu befahrenen Strasse, leicht. Durch die Alleen und den Wald war es kühl und die Steigung war gleichmässig uns nicht zu steil.

Auf der neu sanierten Strasse auf der tschechischen Seite vernichteten wir die Höhenmeter bis Jauernig/Javornik elegant und schon ging es weiter in Richtung Freiwaldau/Jesenik. Entlang dieser Strasse wurde es immer nässer (Wald und Strasse) und wir bemerkten, dass wir wohl ziemlich Glück hatten, dass uns der Regen nicht erwischt hatte.

In Jesenik fuhren wir, wie fast immer, zuerst einmal auf den Hauptplatz, welcher, wie auch fast immer, viereckig und mit Beizen umgeben ist. In einer der Beizen genossen wir unser Abendessen bevor wir uns noch den nächsten Hoger schnappten, bis wir in der Nähe von Reyviz einen geeigneten Zeltplatz fanden.

Am Tag darauf konnten wir die Höhe auf einer sehr ruhigen Waldstrasse wunderbar in Strecke umsetzten und so gelangten wir, später auf grösseren Strassen, nach Krnov. Nach der Mittagspause auf dem Stadtplatz (auch viereckig ;-D) radelten wir über einen "Pfad" nach Polen. Wobei der Weg nur auf dem GPS Pfad genannt werden kann. Vor Ort waren es höchstens Wegspuren.
Wieder zurück auf richtigen Strassen, fuhren wir wieder Richtung Tschechien da wir immer noch (zu)viele Kronen haben und möglichst viele davon ver"fressen" wollten. Zuerst machten wir aber noch einen Abstecher in ein schnapsiges Dorf und fanden einen wunderbaren Zeltplatz in der Nähe von Kietrz.  
Kein Wodka, lieber ...
wer kann uns übersetzten was wir da wohl nicht hätte tun dürfen?
Wir schafften aber bei weitem nicht alle Kronen loszuwerden, die Preise sind einfach zu tief ;-D
Danach überquerten wir die tschechisch/polnische Grenze zum fünften und voraussichtlich zum letzten Mal auf dieser Reise. Ab da bis wir heute Mittag in Auschwitz ankamen zeigte sich Polen nicht von der besten Seite. Die einzig sinnvoll zu befahrenen Strassen haben viel Verkehr und der Smog macht das ganze nicht besser. Der Nebel heute Morgen brachte aber einen speziellen Ausblick mit sich.
Kirchturm im Nebel
Nun sind wir in Auschwitz und werden morgen an einer Führung in den beiden Lagern teilnehmen und danach fahren wir weiter nach Krakau.