Freitag, 27. Oktober 2023

à la tunesienne

Unterdessen sind wir wieder auf der Fähre und unterwegs nach Genau. Wir haben im Verlauf der Reise Sachen festgestellt und erlebt welche nicht so richtig in die «normalen» Einträge passten. 

Diese Erfahrungen oder Erkenntnisse möchten wir hier, teilweise mit einem Schuss Sarkasmus,  auflisten:

Hunde:

  • Hunde sind oft in Rudel von mind. 5 Stück unterwegs (es gibt somit nicht den Hofhund, sondern gleich ein Rudel Hofhunde)

  • In der Nacht hört man immer irgendwo Hunde bellen. Übernachtungen ohne Hundegebell sind suspekt.

  • Hunde am Strassenrand haben häufig mehr Angst von uns als wir von ihnen. (Oder liegen einfach nur faul rum)

  • Wenn sie dann doch einmal durchstarten und uns jagen, erhalten wir dadurch Superkräfte und sind plötzlich einiges schneller unterwegs.

  • Wenn man aus voller Kehle die Hunde anschreit, kurz bevor sie einem anbellen und jagen möchten, verlieren sie kurz das Konzept und verschafft für paar Sekunden Fluchtvorteil.


Verkehr:

  • Spannsets müssen krasse Mangelware sein. Z.b. für einen ganzen Lastwagen mit Zementsäcken reicht ein Set über den hintersten Stapel völlig aus.

  • Viele Ladungen sind äusserst effizient, aus europäischer Sicht massiv überladen. Uns zauberten sie regelmässig ein Lachen ins Gesicht. Wären wir doch jeweils auch gerne so unterwegs.

  • Tunesische Töffs haben kein Licht und deren Fahrer tragen keinen Helm. Töffs mit Licht und Helm sind fast immer Westler.

  • Autos werden so lange gefahren wie es geht nicht bis sie nicht mehr «gestellt» werden können. Kein Problem ob Teile fehlen, die Tür zugebunden werden muss oder der Motor nicht mehr so klingt wie er sollte. Hauptsache es fährt noch.

  • Der Verkehr in den Städten ist ein funktionierendes Chaos. Die Verkehrsregeln werden nur als Empfehlungen angeschaut aber dafür viel mehr auf die anderen Verkehrsteilnehmer geachtet.

  • Parkieren kann man überall wo es Platz hat. Z.b. im Kreisel, in zweiter Reihe, auf der Kreuzung, …

  • Die Farbe der Randsteine zeigen wo man parkieren darf und wo nicht. Rot/Weiss für Parkverbot, Blau/Weiss für Parkplatz. Eingehalten wird das aber natürlich nicht.

  • Wenn es vor einem Supermarkt Parkplätze hat, werden sie nur wenig genutzt, da man von parkierenden Autos am Strassenrand eingesperrt werden könnte.


À la Tunesienne:

  • Die Tunesier zeigten uns immer wieder, dass sie Freude haben, dass wir ihr Land bereisten. Wir wurden freudig angehupt, Ziska hatte als PR-Abteilung viel zu tun mit zurückwinken. Wir sahen viele «Daumen hoch» und durften das eine oder andere Mal am Strassenrand für ein Foto oder Selfie posieren.

  • Backsteine werden nicht nur in den Wänden verbaut sondern auch in den Böden. Wie auch immer man mit Backsteinen und 3-4cm Beton einen tragenden Boden bauen kann.

  • Viele Gebäude sind nicht fertig. Meist wird unten gewohnt und gearbeitet und oben ist eine (ruhende) Baustelle. Es gibt aber auch die umgedrehte Version wo zuoberst gewohnt wird und unten der Rohbau leer steht.

  • Wenn in einer Stadt die Autogaragen auftauchen, ist die Stadt bald zu Ende.

  • Taxis in der Stadt sind ganz gelb.

  • Louages (Sammeltaxis) sind weiss mit einem farbigen Längsstreifen, welcher die Fahrdistanz angibt. Z.B. Gelb für den Nahverkehr von den Zentren in die Dörfer, blau für Regionalverkehr zwischen den Zentren und rot für den Fernverkehr zwischen den grossen Städten.

  • wichtigste arabische Wörter: «Mä» = Wasser, «misch harr» = nicht scharf, «SchoKra» = Merci, «Selem» = Grüezi, «Bachir» = Guten Morgen, «MaRachBe» = Ade, «SaHa» = ich bin voll/war gut.

  • In den meisten Cafés sitzen nur Männer.

  • Den überall verteilten Güsel werden wir nicht vermissen.



Landwirtschaft:

  • Olivenbäume stehen in grosser Zahl im ganzen Land (Ziska hofft, dass keine Krankheit oder Schädling vorbei kommt)

  • Regen wird seeehnlichst vermisst und könnte die Olivenernte vermiesen.


Verpflegung und Einkaufen:

  • Vorsicht beim Einkaufen: vermeintliche Pelatibüchsen könnte auch Harissa sein (die super scharfe Chilipaste)

  • In kleinen Strassenrand-Lädeli ist das Einkaufen viel entspannter, aber das Sortiment oft sehr bescheiden.

  • Folgende Lebensmittel gibt es an jeder Ecke und in jedem noch so kleinen Dörfli zu kaufen: Wasser, Couscous, Pasta, Harissa, Thon, Sardellen, Guetzli

  • Verschiebe einen Einkauf nie auf später, es kann sein, dass kurze Zeit später der Laden geschlossen ist oder die Ware ausverkauft ist.

  • Unser Menüplan: Pasta, Pasta, Couscous, Couscous, Pasta, Couscous, Couscous, Pasta, Kartoffeln, Pasta, Couscous, Couscous, Pasta, Couscous, Couscous, Linsen, Pasta, Couscous, ...... Wobei Pasta und Couscous beides aus Hartweizengries besteht, trotz einseitiger Ernährung funktionierte die Verdauung erstaunlich gut.

  • Pastasaucen-Alternativen, wenn man nichts anderes kaufen kann: Knobli und Öl,

  • oder Knobli und Tomatenpüree mit etwas Wasser

  • Gemäss Pasta Packung kochen Tunesier die Pasta 1min länger als Italiener.

  • «misch harr» (nicht scharf) ist das wichtigste Wort beim bestellen einer fertigen Mahlzeit.

  • Während 3 Wochen verbrauchten wir 169 Liter Wasser (Trinkwasser, Kochen, Gemüse reinigen, Abwaschen, Katzenwäsche) 

  • Steuerrad-Brot ist zwar teuer, aber besser und länger haltbar

  • Importware ist super teuer, mind. Faktor 3

  • Joghurts sind immer farblos, auch mit Aroma

  • Gemüseregale im Supermarkt erinnern uns an «Unique» oder Foodsafe-Gemüse…wir würden uns diesen Umgang auch zu Hause wünschen.



Ausrüstung:

  • Wenn ein Natel eine 3.5mm-Kopfhörerbuchse hat, dann funktionieren USB-C Kopfhörer nicht.

  • Wenn von einem Natel eine Version mit integriertem Funkgerät existiert, kann das zu Fragen bei der Einreise führen.

  • Man kann mit dem Schnoozel (Aufblassack) von Exped auch SeaToSummit-Mättli aufblasen.

  • Campingklappstühle (à la Helinox) sind eine unverzichtbare Alterserscheinung.

  • 3 Wochen schönes Wetter hinterlassen Sonnen/Schattenspuren der Teva-Sandalen auf den Füssen.

  • Unverzichtbares Multitool Nr 1: WC-Papier (wurde am Schluss knapp)

  • Unverzichtbares Multitool Nr 2: Gschirrtüächli

Pino:
  • Wenn man von der Fährcrew beim Einschiffen für die Heimreise wiedererkannt wird und das Velo sogar fotografiert , ist es wohl wirklich selten, dass ein solches Gefährt transportiert wird.

  • Daher ist beim Einschiffen nicht ganz klar, wie ein solches Ding abgefertigt werden soll. Ein hin und her zwischen Fussgänger und Motorfahrzeuge ist normal.

  • Mit Reisebepackung können wir bis ca. 5% gut bergauffahren, wenn’s steiler wird, wird es schnell sehr viel anstrengender.

  • Nach 7000km ächzt die vordere Bremsscheibe ihren letzten Stunden entgegen (kein Sicherheitsrisiko, aber etwas strenger zum fahren, da die Scheibe verbogen ist immer wieder an den Belägen schleift)


1 Kommentar:

  1. Merci für eure spannenden Berichte. Macht spass, eure Reise mitzuverfolgen.

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