Montag, 30. Oktober 2023

Heimreise

Um den Mittag des 26. Oktobers packten wir wieder unser Zeugs und beluden unser Pino. Nach einer weiteren spannenden Fahrt durch die Stadt erreichten wir nördlich des Lac de Tunis eine der grösseren Strassen welche uns ziemlich ohne weiteres Navigieren an den Hafen brachte (übrigens inkl. Velo-Streifen, welcher jeweils bei jeder Querstrasse wieder unterbrochen wurde). Aber bevor wir in das Terminal gingen verprassten wir noch die letzten Dinars und verwandelten sie in Essen. Die allerletzten Dinar erhielt die Putzfrau des Ladens, welche sich schon bei unserer Ankunft riesig freute und uns zu textete. Es folgte eine kurze Konversation. Sie auf Arabisch und wir auf deutsch und natürlich auf beiden Seiten wildes gestikulieren. Wir verstanden uns gut wie nicht, aber diese Begegnung war einmal schön.

Auffallend, aber nicht überraschend sahen wir rund um den Hafen schon viele Europäer mit ihren Gefährten. Von Tourentöff bis zum 3-Achsigen Lastwagenwohnmobil war alles mit dabei.

Da wir bei der Ankunft in Tunis als Fussgänger behandelt worden waren, rollten wir für die Abreise auch ins Fussgängerterminal und erledigten dort den ersten bürokratischen Schritt für die Ausreise. Danach ging die lange Warterei los. Auf unserem Ticket stand, dass zwischen 14:00 und 19:00 das CheckIn offen sei, da wir nicht wussten, ob das tunesische oder europäische Zeit sein soll trafen wir um ca. 15:30 vor Ort ein. Wir hätten aber auch problemlos um 18:55 dort sein können. Denn bis nach 19:00 passierte nichts. Wir warteten und konnten aus dem Terminal heraus zuschauen: Zuerst die Einfahrt der Fähre, danach das Ausladen und später das Einladen.

"unsere" Splendid

 
das schönste der überladenen Autos

Bei der Passkontrolle gab es den Ausreisestempel und beim Zoll mussten wir einige wenige Fragen beantworten. Danach musste alles Gepäck durch einen Scanner. Da das Pino aber zu gross für den vorhandenen Scanner war, wurde Chregu zur "Einreise" geführt. Dort wurde unser Gefährt durch den gleichen Scanner bearbeitet, wie drei Wochen zuvor. Ziska hatte das zuerst nicht mitbekommen, da sie beschäftigt war, möglichst schnell das Förderband mit all unseren Saggoschen zu räumen. Chregu und das Pino waren plötzlich weg. Die Einreise und die Ausreise waren zwar blickdicht aber nicht schalldicht getrennt. Daher konnte sie dank der schleifenden vorderen Bremsscheibe mitverfolgen und sich ausmalen wo die beiden geraden sind.

Danach ging es die Rampe runter zum Schiff. Dort wurden wir dann kurzzeitig als Töff behandelt und mussten uns zu den Fahrzeugen einreihen. Auf der Schiffsrampe wurden wir zur Fussgängerkontrolle geführt um dort als Velo und somit als Fahrzeug behandelt zu werden. Nebenbei erkannten uns zwei Männer der Crew wieder und nach eine paar Worten Smalltalk war noch ein Foto fällig. Sie waren schon bei unserer Reise in die anderen Richtung mit dabei. Wir parkierten unser Göppel wieder am gleichen Ort im Schiff und machten uns auf den Weg in unsere Kabine. 

Da bei der Buchung die Suiten nur wenig teurer waren als die 4-Bett-Innenkabinen hatten wir uns das geleistet und waren dann vor Ort sehr erfreut zu realisieren, dass wir aus unserem Fenster direkt nach vorne schauen konnten und somit fast die gleiche Aussicht wie von der Käpitäns-Brücke hatten.

die Suite

Zurück auf dem Aussendeck wurden wir von einem Tunesier angesprochen, welcher seit rund 10 Jahren in Deutschland lebt. Wir quatschten so intensiv, dass wir schon auf dem offenen Meer waren, als wir uns in die Kabine zurückzogen. Die Nacht war recht schaukelig, aber hinderte uns nicht am Schlaf. Wir gingen davon aus, dass wir uns am folgenden Tag wieder sehen werden, aber irgendwie war das Schiff doch grösser als gedacht. Umso grösser die Freude, als wir uns beim Einfahren in Genua doch noch mal sahen und uns amüsieren konnten, dass wir doch tatsächlich tunesisches Wasser importieren werden.

Während dem Tag auf See wurden wir von einem Bayern wieder erkannt, mit welchem wir schon auf der Hinfahrt gesprochen hatten. Er hat zufällig die Hin- und Rückfahrt gleich wie wir gebucht. Mit seinem selbstgebauten Expeditionsmobil erkundet er mit seiner Frau immer wieder andere Ecken der Welt. Schön, dass wir auch bei dieser Wohngemeinschaft auf Zeit für rund 35h auf so tolle Mitbewohner zählen durften und Erlebnisse austauschen konnten.

Der Tag auf See war ruhiger. Dies lag wohl auch am Wellenschatten von Sardinen und Korsika (Westwind) und weil langsamer gefahren wurde, als normal. Das reduzierte Tempo aufgrund des Wellengangs hatte zur Folge, dass schon am Morgen informiert wurde, dass wir Genua erst am frühen Morgen vom 28.10 erreichen werden (anstatt mitten in der Nacht vom 27. auf den 28.10,). Das war eigentlich ganz gut, denn mit einer Ankunft um ca. Mitternacht hätte es eine sehr kurze Nacht gegeben. Aber dafür war das schon bezahlte Hotel in Genua unnötig.

Auf jeden Fall war die zweite Nacht auf dem Schiff dann recht wellig und wir wurden auch im Bett ordentlich durchgeschüttelt. So war es nicht so sehr erholsam aber umso spannender zwischendurch die Wellen im Mondschein aus dem Fenster zu beobachten.

super Sonnenuntergang auf Deck

Nach der Ankunft, dem Ausschiffen und der Passkontrolle in Genua pedalten wir zum gebuchten Hotel um wenigstens das Frühstücksbuffet noch zu geniessen, inkl. innerliches schwanken der nicht mehr vorhanden Wellen.

Nach einem kurzen Bummel durch die Altstadt suchten wir uns den Weg durch den Bahnhof Piazza Principe und halbierten das Pino auf dem vollen Perron. Da wir nicht herausfinden konnten wo welcher Wagen zu stehen kommen sollte, mussten wir spekulieren. Wir lagen zwar nicht völlig falsch, aber auch nicht richtig und somit mussten wir dann das geteilte Pino und alle Taschen möglichst rasch zu den richtigen Türen und in den Zug bugsieren. 

Pino im italienischen IC

Im Mailand angekommen hatten wir dann genügend Zeit, alles wieder zusammenzustellen und auf den Regioexpress in die Schweiz zu gehen. Mit Zwischenhalt in Chiasso (Hinterlegung GA anpassen) und Bellinzona erreichten wir Göschenen wo wir ein Hotel gebucht hatten. Nach einem super Znacht in der Beiz, einer erholsamen Nacht und einer super Zmorge im Hotel konnten wir die Haupstrasse nach Amsteg runterröllelen. Da starker Föhn blies, regnete es in Göschenen noch ganz leicht aber schon in Wassen war es trocken. Im Urner Talboden angekommen konnten wir dann der Reuss entlang "segeln" und waren ratzfatz in Flüelen wo wir auf das Schiff nach Luzern warteten.

Teufelsstein

Unterwegs bemerkten wir, dass die Fährfahrt auf dem Mittelmeer längere Auswirkungen hatte als erwartet. Unsere Körper hatten auch in Göschenen noch nicht ganz gemerkt, dass wir wieder festen Boden unter den Füssen hatten. So tauchte immer wieder das Gefühl von Schaukeln auf. Chregu kannte das Gefühl von längeren Zugfahrten aber nicht von Schiffspassagen. Wir hatten die Fahrt über den Vierwaldstättersee schon länger geplant und mussten beim Warten nun etwas schmunzeln. Wie werden wir diesmal reagieren?

Die Besatzung hatte an den Anlegestellen im Urnersee mit dem Wind zu kämpfen und da wir per Zufall den richtigen Platz erwischt hatten, konnten wir dem Schauspiel der fliegenden Seil und den quitschenden Poller zusehen. Besonders das Anlegemanöver im Föhnhafen von Brunnen war spannend, da es sogar noch einen zweiten Anlauf brauchte. Da die Windböen immer wieder die Richtung wechselten, war dieses Manöver besonders anspruchsvoll. Weiter in Richtung Luzern war es ruhig und so erreichten wir ohne weitere Probleme die Stadt.

immer wieder schön: eine Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee

Via Emmenbrücke, Neuenkirch und Nottwil pedalten wir nach Hause, wo wir im letzten Tageslicht ankamen. 

So kamen wir nach einer sehr schönen und spannenden Reise langsam nach Hause und konnten uns wieder etwas an das schweizer Leben gewöhnen. Jetzt geht es ans putzen, waschen, reparieren und versorgen der Ausrüstung. Es wird sie bestimmt wieder brauchen, irgendwann.

Aber so richtig zu Ende sind die Ferien erst, wenn wir wie geplant am Donnerstag wieder arbeiten gehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen