Donnerstag, 19. Oktober 2023

Zurück ans Meer

Nach der Siesta vom letzten Blogeintrag fuhren wir einmal mehr nicht mehr weiter und stellten unser Zelt gut vor Blicken der Strasse geschützt auf. Das in der Nacht irgendwo Hundegebell zu hören ist, ist für uns unterdessen normal, aber das ein Hund bis auf ca. 30m an unser Zelt kommt und minutenlang vor sich hin bellt, haben wir noch nicht erlebt. (Der nächste Hof war doch einigermassen weit weg). Entgegen unserer Erwartung kommt er aber nicht näher und verschwindet dann doch wieder. So konnten wir mehr oder weniger beruhigt weiterschlafen.

Am Morgen vom 16.10. rollten wir weiter durch die relativ bewachsene und hügelige Landschaft. Via die kleine RR171 erreichten wie die RR46 welche uns via Oum El Abouab nach Sidi Aouidette führte. Um möglichst von der Kühle des Morgens zu profitieren, starteten wir jeweils früh und fuhren vor dem Zmorge schon einige Kilometer. So kochten wir heute das Vogelheu nach dem ersten grösseren Anstieg im Schatten einige dutzend Meter von der Strasse entfernt.

Vogelheu

Auf der Route National 4 (RN4) angekommen profitierten wir von feinem Asphalt, wenig Verkehr und zwei Spuren pro Richtung. Somit hatten wir in den meisten Fällen die rechte Spur für uns und konnten gemütlich in Richtung El-Fahs fahren. Vielen Dank an all den Tunesieren, welche äusserst vorbildlich äusserst konsequent Fahrgemeinschaften bilden. Dies ist aber wohl auch der wirtschaftlichen Situation geschuldet.

Da wir im Voraus das Potential für Wildcamping-Plätze auf dem Satellitenbild auskundschaftet hatten, schauten wir an diesem Tag schon früh für einen Zeltplatz, welchen wir in der Nähe der Barrage el Kebir auch fanden. Der Platz erfüllte unsere Minimumkriterien: Schatten, einigermassen eben, möglichst nicht sichtbar von der Strasse und weiter Weg von einem Hof. Und in diesem Fall gab es noch das Supplement von wenig Hundegebell. Dies ist aber jeweils erst beim Eindunkeln beurteilbar. Die Hunde liegen tagsüber meist nur im Schatten und erst bei unmittelbarer Gefahr jucken sie auf um ihr Revier zu verteidigen. In der Nacht ist dann der Bewachungsradius einiges Grösser und oft auch über mehrere hundert Meter.

schöner einsamer Zeltplatz

Am Morgen vom 17.10 konnten wir die gemachten Höhenmeter vom Vortag sehr gut in Kilometer umsetzen und erreichten recht schnell El-Fahs. Da wir lieber in den kleinen Dörfer einkaufen und an diesem Abend so oder so ein Hotel anpeilten, konnten wir uns ohne Besorgungen zu erledigen durch das Gewusel des Zentrums schlängeln und El-Fahs hinter uns lassen. Bei solchen Fahrten in der Stadt bemerken wir immer wieder, wie super unser Fahrzeug ist. Chregu kann sich auf dem Verkehr konzentrieren und Ziska kann die Geschäfte und Leute (und Pflanzen) optisch abklappern um das nötige zu sehen. z.B. Qualität der Einkaufsmöglichkeiten.

Eselparkplatz in der Strassenmitte

Hier noch ein Exkurs zu den Bäckereien: In Tunesien werden anscheinend meist Baguette gegessen und da diese gefühlt zwischen einigen Minuten bis maximal wenigen Stunden wirklich gut geniessbar sind, wird den ganzen Tag gebacken. Das Mehl ist subventioniert und somit kostet ein Baguette zwischen 250 bis 400 Millimes (ca. 7-11 Rappen). Daher kaufen die Tunesier die Brote meist nicht einzeln sondern ab fünf Stück und packen sie in einen Plastiksack für den Transport nach Hause. Und da das mehrmals am Tag passiert laufen und fahren in der Nähe von Bäckereien immer viele Leute mit Baguettes herum. Über die Dichte der transportierten Brote entlang der Strasse können wir dann bestimmen, dass es eine Bäckerei in der Nähe hat und über die Richtung sehen ob wir schon daran vorbei sind oder nicht. Die genaue Bestimmung läuft dann über die vielen eher wild parkierten Autos am Strassenrand oder über die Warteschlange welche teilweise recht lang sein kann. Das oft vorhandene Schild «Boulangerie» über dem Eingang ist dann nur noch die Bestätigung…

Tunesien verfügt über keine offiziellen Campingplätze mit Dusche und WC, man darf aber so gut wie überall für eine Nacht das Zelt aufschlagen. Von dem machten wir in den vergangenen Tagen oft Gebrauch. Im städtischen Umfeld suchen wir lieber Unterkünfte auf. Mit der Ankunft in Zaghuan landen wir in einer völlig anderen Welt. Ein günstigeres Hotel bzw. einfacher Ausbaustandart hätte es auch getan, aber Hauptsache Bett, Dusche und Waschmöglichkeit und einen sicheren Platz für unser Velo. Die Frau am Empfang erzählt uns, dass hier alles typisch tunesisch sei. Wir fühlten uns trotzdem wie in einem anderen Land angekommen zu sein. Viele Dinge zeigen sich für uns völlig surreal. Ausserhalb des Areals warten die Landwirte sehnlichst auf Wasser und «trocken» ist nur der Vorname. In der Hotelanlage, hatte es ein Wasserspiel und der Rasen wurde regelmässig bewässert. Dazu die Grösse des Zimmers. Wir hätten ein einfaches Zimmer für zwei Personen benötigt. Vorgefunden haben wir eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, Terrasse… So verliessen wir am Nachmittag nochmals das Hotel um die Umgebung zu erkunden. Als Hauptausflugsziel fuhren wir zum Wassertempel welcher der Startort einer römischen Wasserleitung nach Karthago war (55km entfernt). Auch heute wird die Wasserleitung noch immer benutzt und speist nun Tunis. Einzig dort wo die Römer das Wasser über Aquädukte leiteten wurde sie auch in den Boden verlegt.

Wassertempel

Znacht assen wir bescheiden ein Baguette mit Käse auf unserer Terrasse. Das wirklich sehr gute Zmorge war inbegriffen und so genossen wir auch diese Annehmlichkeit und rollten dafür im Vergleich zu den vorherigen Tagen erst recht spät los.

Zmorge im Dar Zaghouan

Als erstes Ziel am 18.10. hatten wir Zriba Olia ausgewählt. Ein verlassenes Berberdorf in den Bergen «bei» Zaghouan. Dazu mussten wir zuerst durch die Innenstadt und reihten uns somit in die Autoschlange ein um durch das Zentrum zu kommen. Irgendwann war es dann aber nicht mehr stockender sondern stehender Verkehr und wurde bald zu wendendem Verkehr. Auch ein Linienbus wendete so kompliziert, dass wir sicher waren, dass die Strasse durch irgendetwas blockiert war. Wir vermuteten, dass es wohl einen grösseren Unfall oder eine Demonstration gibt. Wir machten es also den Tunesiern gleich und kehrten um. Via die Umfahrungsstrasse gelangten wir auf die gewünschte Strasse in Richtung Zriba und so erreichten wir nach einem Bäckereistopp (für einmal gab es sogar Pain au Chocolat) den letzten steilen Anstieg zum Berberdorf. Wir hatten digital auskundschaftet und gingen davon aus, dass wir das Pino schieben müssen. Vor Ort lief es dann besser als gedacht und wir konnten zwei Drittel der Steilstrecke fahrend bewältigen. Wegen dieser Steigung hatten wir im Voraus lange überlegt ob wir den Abstecher machen sollen oder nicht. Als wir dann aber unsere Runde durch die Ruinen des Dorfes machten, waren wir sehr schnell der Meinung, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Wir genossen es ohne weitere Besucher (Nebensaison und unter der Woche) die mehr oder weniger intakten Häuser zu erkunden und die umliegenden Felsformationen zu geniessen. Wie jemand in den Google Rezensionen geschrieben hat: Ein Ort welcher man nicht verpassen sollte! (Trotz bellenden Hunden beim Nadelöhr, vielleicht ging es auch daher so einfach die steile Stasse hoch zu kurbeln (-;)

sehr spannender Ausflug nach Zriba Olia

Wieder zurück auf unserem Weg nach Hammamet und einem weiteren Bäckereistopp (diesmal so etwas wie Cremeschnitten) fuhren wir durch die unterdessen drückende Hitze und erreichten ziemlich auf dem Zmittag Buoachir. Bei einem der vielen kleinen Läden hielten wir an, um unser Wasservorrat wieder auf die «Normalmenge» von 9.5 Liter zu füllen. Während wir das gekaufte Wasser in unsere Flaschen umfüllen (Hahnenwasser ist nicht immer super und das gekaufte ist sehr billig für uns), sehen wir dass die Frau hinter dem Tresen auch Essen in Form von gefüllten Omletten verkauft. Ziska bestellte zwei davon mit wenigen Wörtern auf arabisch und mit regen gestikulierenden Austausch mit der Chefin (französisch kann in den grösseren Städten hilfreich sein, aber hauptsächlich wird arabisch gesprochen). Diesmal wir das «Misch harr» (nicht scharf) perfekt umgesetzt und nur ganz wenig von der scharfen Harrissa-Sauce hinzugefügt. Unterdessen sind die vier Kinder der Chefin aufgetaucht und bewunderten unser Pino. Wir vermuten sie wären auch eine Proberunde mitgefahren, aber damit fingen wir nicht an, so sonst wäre Chregu wohl den ganzen Nachmittag mit Dorfrunden beschäftigt gewesen.

typischer Laden am Strassenrand inkl. Sandwich

einmal mehr: Wasser umschütten

Weiter gings in Richtung Meer und der dort verlaufenden Hauptstrasse nach Hammamet. Unterwegs sahen wir von weitem zwei Motorräder mit Licht und Helm. Somit war schnell klar, dass es sich um Europäer handelt (Tunesier tragen in der Regel kein Helm und Licht ist auch in der Nacht keine Selbstverständlichkeit.). Beim näherkommen sahen wir eine graue und eine rote Maschine. Nach dem Kreuzen der Rückblick auf das Nummernschild: «D». Und schon leuchteten ihre Bremslichter auf. Alle drei Fahrzeuge drehen um und wir peilen den nächsten Schatten an: Wir hatten tatsächlich ohne abzumachen die beiden Deutschen wiedergetroffen, welche wir in der Warteschlange beim Einschiffen in Genua kennengelernt hatten. Was für ein Zufall.

Wir tauschten uns also auf dem Seitenstreifen, über unsere bereisten Gebiete und die gemachten Erfahrungen aus und besprachen unsere weiteren Pläne. Die Erfahrungen bei der Einreise waren offensichtlich ziemlich unterschiedlich. Auch wenn wir gleichzeitig im Land angekommen waren.

freudiges Wiedersehen

Nach dieser erfreuten Begegnung und den spannenden Erlebnisberichten, fuhren wir nun ans Meer. Für die Strecke nach Hammamet setzen wir wieder einmal unser Pino-Vorteil um. Chregu konzentrierte sich auf den Verkehr und Ziska auf die Karte. So konnten wir relativ effizient zum Hotel rollen. Dies mal mehr nach unserem Gusto.

1 Kommentar:

  1. Schön von euch zu hören. Wünsche weiterhin eine spannende und angenehme Reise.
    Lg Fabian

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