Dienstag, 13. November 2018

Nach Tehran und weiter Richtung Süden

Von Ramsar aus radelten wir am 8.11 los um Chalus zu erreichen. Wie schon die Tage vorher war die Strecke flach und eigentlich ziemlich unspektakulär. Rund 30 Kilometer vor Chalus wurden wir aus einem Auto heraus von einem Mann angesprochen, ob wir einige Minuten mit ihm reden möchten. Diesen Gefallen wollten wir ihm machen und so hielten wir an. Der Chef der Tankstelle direkt daneben lud uns dann alle zum Tee ein. Es stellte sich heraus, dass der Mann der uns aufhielt einen Freund aus Seedorf hat und selber schon zweimal in der Schweiz war. Er zeigte uns Fotos von seinem Sohn, welcher in Deutschland studiert, als er in der Schweiz unterwegs war. So bekamen wir einige Urner Berge zu Gesicht.
Sarner Müesli aus iranischem Supermarkt

zu kurze Beine
In Chalus angekommen fuhren wir zum Busterminal und kauften zwei Tickets für den Bus am nächsten Morgen um 7.30 nach Tehran.
Übernachtet hatten wir wieder im Hotel, da wir den Kontakt zur Tankstellenbekanntschaft nicht mehr herstellen konnten...
Am Morgen danach pedalten wir also durch die leere Stadt zur Busstation und konnten unsere Velos ohne Probleme einladen. Unsere Sitze waren in der ersten Reihe und so konnten wir die super spektakuläre Strasse über den Kandovanpass geniessen, so gut es aus dem Bus heraus ging. Da es mindestens teilweise regnete, oder ganz oben sogar schneite, wurmte es uns dann doch nicht ganz so fest dass wir uns für den Bus entschieden hatten.
Zwischen Karadsch und Tehran konnten wir dann auch noch miterleben, wie die iranischen Freeways funktionieren: ziemlich chaotisch und es wird jeder Quadratmeter Strasse genützt. Linien sind höchstens Zierde oder sind gar nicht vorhanden.
Vom Busterminal gings zuerst noch rund 15km durch die Stadt ins Hostel. Unterwegs assen wir etwas und wechselten noch Geld.
Tehran
Über Umwege erreichte uns etwas Nachschub aus der Schweiz: Ein Nabendynamo mit Zubehör sowie Schokolade. Der Nabendynamo war für Chregu. Seine Nabe zeigte seit gut 1500km ziemliche Verschleisserscheinungen und musste ausgetauscht werden. Die Nabe wurde am ersten Morgen, hoffentlich fachmännisch genug, in das bestehende Vorderrad eingebaut.
Speichenwirrwar
Der zweite Tag verbrachten wir im nördlichen Teil der Stadt und marschierten noch zu Talstation der Tochal-Bahn und einige Meter weiter rauf. Von da genossen wir die Sicht auf die Stadt. Als die Dämmerung hereingebrochen war, reisten wir mit Taxi und U-Bahn zurück zur Unterkunft.
riesiges Tehran
Am Morgen des 12. November wollten wir eigentlich in Richtung Qom losfahren. Da es regnete, warteten wir jedoch zuerst noch ab. Als sich das Wetter aber nicht besserte, suchten wir uns einen Warmshowerhost in knapp 50km Entfernung. Im strömenden Regen schlängelten wir uns also durch den Stadtverkehr und erreichten im Eindunkeln das Restaurant von Hossein in Hasanabad. Nach dem Znacht wechselten wir in seine Wohnung und durften beim siebten Geburtstag seiner Tochter dabei sein.
Caystopp mit obligatorischem Foto
Nach ein/zwei Töggalimatchs krochen wir dann ins Bett und genossen es nicht im nassen Zelt zu liegen, wenn auch die letzte Zeltnacht schon fast zwei Wochen her ist.
Nach dem Frühstück fuhren wir los um das rund 100km entfernte Qom zu erreichen. Das Wetter war trocken und nach zwei Kilometern entschieden wir uns trotz Veloverbot für den Freeway, statt der alten Strasse auf der nur Lastwagen unterwegs sind. Im Jahre 2013 fuhr Chregu zusammen mit zwei Kollegen in die Gegenrichtung und durfte die Erfahrung mit der von Lastwagen voll gestopften zweispurigen Strasse machen. Heute pedalten wir auf dem Veloweg (Pannenstreifen) des Freeways ganz gemütlich und ziemlich klar sicherer in Richtung Süden.
Lastwagen mit Sitzplätzen?
Unterwegs wurden wir zweimal ziemlich verregnet und kamen somit einmal mehr nass in der Unterkunft an. Erfreulicherweise klarte es in den letzten Kilometern auf und so konnten wir den Komplex um den Heiligen Schrein im Trockenen besichtigen.
Schnörkel

Mittwoch, 7. November 2018

Nasse Küste

Als wir in Astara unsere Suite verliessen war das Wetter trocken und warm genug für das T-Shirt. Aber wenige Kilometer nach dem Start netzte es so stark aus dem Nebel, dass wir die Regenkleider doch hervorkramten. In Talesh trafen wir dann jedoch trocken ein. Wir assen unser zMittag in einer kleinen Burgerbude und schauten von drinnen der nächsten Regenschauer zu. Den Nachmittag verbrachten wir weiter auf der grossen vierspurigen Strasse und folgten ihr bis nach Rezwanshahr. 
Einkaufen am Strassenrand
Spuren eines früheren Schauers
Ausserhalb von Rezwanshahr fanden wir dann aber eine offene Unterkunft, wo wir freundlichst empfangen wurden. Nach dem rauftragen des Gepäcks gingen wir noch auf einen Tee beim Eigentümer in seiner kleinen Bude vorbei. Dort assen wir am Morgen dann auch unser Frühstück.
Das Wetter war super und so konnten wir Kilometer um Kilometer abspulen und fuhren via Bandar Anzali in Richtung Lahijan. In Anzali war die Polizei ziemlich präsent, weil gerade Jahrestag der Stürmung der US-Botschaft war. Wir umfuhren die Menschenansammlungen und fanden am Stadtrand eine Konditorei wo wir, einmal mehr, unsere Zuckervorräte aufstockten.
Zuuuucker ;-)
Da wir so oder so ins Hotel wollten, nahmen wir uns die Zeit und genossen ein paar super Kebabs mit Reis. Leider wurden wir dann auf der Suche nach einem Hotel nochmals verregnet.
Um das Kaspische Meer nicht nur von der Strasse aus zu sehen machten wir einen Abstecher an den Strand, dabei machten wir es den Iranern gleich und fuhren somit bis ganz runter ans Wasser.
Velos am Strand
Da wir in Lahijan mit einem Warmshower-Host abgemacht hatten, fuhren wir aber relativ schnell wieder weiter. In Lahijan angekommen schauten wir uns um und landeten am Ufer des künstlichen Stadtsees. Bei der Umrundung dieses "Sees" wurden wir von einem deutschten Paar angesprochen. Die beiden sind zusammen mit einem iranaischen Paar mit jeweils einem Büssli unterwegs. Nach dem gemeinsamen Znacht in einer Pizzeria und den Rouladen in der Konditorei traffen wir dann auf unsere Hosts. Die eigentlichen Warmshower-Hosts hatten keine Zeit für uns, aber wie es so ist im Iran war schon ein Ersatz für uns organisiert und so marschierten wir zusammen mit zwei anderen Freunden nach Hause. Alle vier arbeiten zusammen und produzieren Hochzeitsvideos.
Da Parviz (unser Gastgeber) nur wenig Englisch spricht, übersetzte sein Freund oder Google. So entwickelten sich innerhalb kürzester Zeit Running Gags und Parviz wurde zum "King of Iran" und Livio zum "King of Switzerland". Auf die erstarkten diplomatischen Beziehungen wurde dann auch mit Tee angestossen ;-).
Könige unter sich
Nach einem späten Znacht fielen wir müde und um weitere Freunde reicher ins Bett. Am nächsten Morgen gab es noch einen Abschiedstee mit dem König und wir machten uns wieder auf.
Da der Wetterbericht für den nächsten Tag Regen voraussagte, wollten wir auch an diesem Tag möglichst viel Strecke machen. Das Wetter war trocken und wir hatten Rückenwind. So flogen wir in Richtung Chalus und hatten nach gut einer Stunde schon 30 Kilometer auf dem Tacho. Die Fliegerei wurde dann aber jäh gestoppt, als Livio durch eine kleine Unachtsamkeit stürtzte und sich einige Schürfungen an den Armen zuzog. Da der Sturz gerade in einem Dorf passierte, wurde uns schnell geholfen und Taghi Mohamad lud uns ein in sein Haus zu gehen um die Wunden zu pflegen. Da das Haus aber nicht zu Fuss erreichbar war, wurden unsere Velos auf einen Paykan-PickUp geladen und wir fuhren alle zusammen los. Der Fahrer, Livio und Taghi auf den beiden Sitzen in der Kabine. Chregu als Ladungssicherung der Velos auf der Ladefläche.
Das Haus unseres Helfers Taghi
Nach der Pflege der Wunden fragten wir, ob wir für die Nacht bleiben können und bekamen zu Antwort wir könnten gerne auch ein oder sogar zwei Monate bleiben. Immer wieder unglaublich wie hilfsbereit die Iraner sind.
Am 6.11. war es dann wie vorhergesagt extrem regnerisch und so verbrachten wir den Tag mit Essen und Schlafen. Freunde von unserem Gastgeber kamen vorbei und kochten für uns Fisch aus dem Kaspischen Meer. Wir diskutierten viel über deren Familien, welche grösstenteil im Ausland leben. So erzählten sie uns auch über die Probleme mit den Sanktionen der USA und den Visageschichten, welche sie veranstalten müssen um nur schon die eigenen Grosskinder zu besuchen.
Als Europäer haben wir es dank Schengen extrem viel einfacher. Und speziell als Schweizer können wir uns das Reisen leisten und können so ziemlich problemlos die Welt entdecken.
Am Morgen vom 7.11. genossen wir noch einmal die Gastfreundschaft und wurden mit Spiegeleier bekocht. Danach packten wir unser Zeug und fuhren trotz einigem Unverständnis unserer Gastgeber los. Es war nämlich immer noch sehr regnerisch. Uns zog es aber weiter.
Back on the road
Ramsar erreichten wir ziemlich nass und so suchten wir, nach dem immer wiederkehrenden Kebab, ein Hotel.
Morgen werden wir nach Chalus fahren, um dann wahrscheinlich mit dem Bus über den Kandovanpass nach Tehran zu kommen.

Freitag, 2. November 2018

Auf zum nächsten Meer

Wir verliessen Täbris mit den besten Wünschen von Beshzhad und fuhren in Richtung Ahar. Dieser und der nächste Tag war eigentlich ziemlich ereignislos.
Buch lesen

Mt Sabalan
Parkplatz beim Einkaufen
Das Wetter war sonnig und am Morgen war es jeweils verdammt kalt, im Verlauf vom Tag konnten wir dann aber auch wieder auf kurze Hosen und T-Shirt umsteigen. Am 31. Oktober fanden wir einen wunderbaren Zeltplatz etwas abseits der Strasse auf einem Hügel. Die Aussicht auf den Sabalan (4811m), sowie der Sonnenuntergang, waren super.
Zamyad: überladen? Nein! gibts noch höher...
Zeltplatz

Schattenspiel
Sonnenuntergang
Ausserdem positionierten wir uns so, dass wir Morgensonne erwarten durften. Nach dem Sonnenuntergang krochen wir schon bald ins Zelt und schliefen, einmal mehr, früh ein. Um halb zwölf wurden wir dann aber von einem Hupen wach. Das Hupen war so nah, dass wir sicher waren, dass es uns betraf. Wir öffneten also unsere Zelttür und draussen war ein Polizeiauto und drei Männer. Wir schüttelten ihnen aus dem Schlafsack heraus die Hand und sie erkannten, dass wir Touristen sind und fragten uns ob alles OK sei. Kurz darauf gingen sie wieder und der Spuk war vorüber. Lustige Sache, wenn auch im ersten Moment erschreckend, wenn man von der Polizei geweckt wird.
Der nächste Tag war überzogen und wir hatten teilweise ziemlich starken Gegenwind. In Ardabil verkrochen wir uns für das Zmittag in eine "Kebab mit Reis"-Beiz. Dort planten wir wohin wir noch fahren möchten und entschieden uns noch die 20km nach Namin zu fahren. Daher machten wir den Versuch auf Couchsurfing und kontaktierten Hassan. Wir bekamen keine direkte Antwort und fuhren nach dem Einkaufen los in Richtung Namin. Kurz vor der Stadt wurden wir von einem jungen Mann angesprochen, dass es doch kalt sei und wir bei ihm übernachten können. Als wir dann die Natelnummern austauschten stellte dich heraus, dass es Hassan ist. Er hatte die Nachricht auf Couchsurfing noch nicht gesehen und uns spontan eingeladen. Ein wunderbarer Zufall. Wir fuhren also zum Haus, wo er zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester wohnt. Wir wurden herzlich empfangen. Bekamen Zvieri, Tee und eine Dusche. Danach gab es noch eine kleine Stadtrundfahrt, welche eher ein Selfietrip im Auto war. Eine lustige Erfahrung.
Da so oder so am Abend noch weitere Gäste vorbeikamen, gab es "Köfte Täbrisi" (Kuglen aus Reis und Fleisch mit einer Aprikose in der Mitte), welche wir in bereits Täbris empfohlen bekamen, aber dann doch verpassten. Nach dem Essen wurden wir aufgefordert unsere Fotos der bisherigen Reise zu zeigen.
Am Morgen danach wurden wir vom Geruch des frischen Brotes geweckt und durften ein lokales Frühstück mit Honig inkl Waben, natürlicher Butter, speziellem Rahm und mehreren Sorten Brot geniessen.
Zmorge mit Hassan und seinen Eltern
Nachher fuhren wir zusammen mit Hassan in Richtung eines Aussichtspunktes, aber da es dicken Nebel hatte, kehrten wir vor dem Ziel um und er zeigte uns noch den Weg, welchen wir danach mit den Velos befuhren.
Als wir uns dann in die Sättel schwingen, ist es immer noch neblig und es nieselt teilweise. Wir erreichen aber den Scheiteltunnel ohne weiteres und starten die Abfahrt in Richtung Kaspisches Meer. Unterwegs wärmen wir uns in einem der vielen kleinen Restaurants am Strassenrand auf.
regnerische Abfahrt
In Astara angekommen war das Wetter ziemlich trocken und so fuhren wir der Küste entlang Richtung Süden. Nach einigen Kilometern und beginnendem Regen schauten wir uns nach einer Unterkunft um und bemerkten, dass wir gerade an einigen Hotels vorbei gefahren sind und nächstens keine mehr kommen sollten. Daher strampelten wir im strömenden Regen rund zwei Kiloneter zurück und sind nun in einer Suite mit 3 Zimmern, Küche und insgesamt sieben Betten einquartiert. Das ganze kostet uns sagenhafte 2 Millionen Rial, also etwa 13 Franken.

Montag, 29. Oktober 2018

Einreise und erste intensive Eindrücke vom Iran

Der Grenzübertritt von Armenien in den Iran war absolut problemlos. Im armenischen Posten konnten wir unsere Drahtesel vollbeladen am Scanner vorbei schieben und bekamen unseren Ausreisestempel in den Pass. Auf der iranischen Seite mussten wir nach der Kontrolle des Visums und der Stemplerei unser Gepäck scannen lassen. Wobei uns kommt es so vor, als ob es halt nur sein muss, denn unsere leeren Velos dürfen neben dem Scanner vorbei...
Noch im Zollgebäude verwandeln wir die letzten Armenischen Dram in Iranische Rial und erhalten einen super schlechten Kurs. Chregu regte sich auf, dass er sich trotz guter Vorbereitung übers Ohr hauen liess.
Wir fuhren nun entlang des Flusses Aras in Richtung Westen. Zuerst ist das Tal sehr schmal und landschaftlich spektakulär. Je näher wir zur Grenze Aserbaidschan (Exklave Nachitschwan) zu Armenien kommen, desto mehr militärische Befestigungen konnten wir auf der Nordseite des Fluses beobachten. Die eigentliche Grenze ist von beiden Seiten mit Stellungen gesichert. Unterwegs wurden wir immer wieder mal angesprochen und begrüsst in Siyahrud wurden wir sogar singend begrüsst. "Welcome to Iran, Welcome to Siyarud"
Mittagspause in altem Tunnel
Bäckerei unterwegs
In Jolfa angekommen war das Wetter unbeständig und so suchten wir ein einfaches Hotel (4 Franken), versorgten uns nach den ersten Regenschauer mit Essen und Geld und genossen das Treiben in der Stadt. Der Blick aus dem Hotelfenster am nächsten Morgen bestätigte unsere Entscheidung es hatte fast bis nach Jolfa geschneit und war kalt.
frisch verschneite Berge
Als wir dann losfahren wollten, war der hintere Pneu von Chregu platt und so wurde als erstes geschraubt. Als wir alles erledigt hatten machten wir uns auf den in Richtung Täbriz. Aus der Stadt hinaus ging es stetig, aber moderat bergauf. Eine Einladung zum Cay auf dem Pannen (oder Velostreifen) und guter Rückenwind half die Höhenmeter zu überwinden. Noch in der Abfahrt nach Marand hatten wir den zweiten Platten. Wieder Chregus Hinterrad.
Platten Nummer zwei
Diesmal war das Ventil abgerissen. Danach fuhren wir durch die Stadt und auf dem Weg hinaus durften wir Platten Nummer drei reparieren. Jetzt, sicherheitshalber, mit neuem Pneu. Den Schlauch kontrollierten wir in einer Autowerkstatt, fanden aber kein Loch. Also wieder aufgepumpt und weiter. Wir fanden einen guten Zeltplatz bei einer Bauruine. Während dem Kochen wurden wir von einem Schafhirten angesprochen, es werde kalt und wir sollen doch bei ihm schlafen. Wir lehnten dankend ab. Als das Zelt dann stand kam er nochmals vorbei, wir wollten dann aber nicht mehr alles wieder abbauen und krochen in unsere warmen Schlafsäcke. Was uns aber sehr überraschte, was wie gut dass er englisch konnte. Da sprechen schweizer Hirten wohl weniger gut Hochdeutsch...
Am nächsten Morgen durften wir dann Platten Nummer vier reparieren. Nun fand Chregu das Loch, die Kälte verhinderte aber eine Reparatur und so wurde der letzte intakte Schlauch eingebaut und wir konnten starten. Nach wenigen Kilometern erreichten wir die letzte grosse Kuppe vor Täbriz und gerieten in der langezogenen Abfahrt in einen Geschwindigkeitsrausch. Minutenlang fuhren wir über 40km/h und teilweise so schnell, dass wir Lastwagen überholten.
In Täbris abgekommen schauten wir uns in einem Veloladen um und kauften unter anderem Schläuche ;-).
Ein Irani welchen wir da trafen, half uns dann noch unsere SIM-Karte aufzuladen und nach dem Zmittag meldeten wir uns bei unserem Couchsurfing-Host Beszhad und waren dann etwas erstaunt, dass er fast 15km ausserhalb der Stadt in einer Fabrik wohnt und arbeitet. Wir entschieden uns dann doch rauszufahren, was sich als super erwiesen hat. Zusammen mit weiteren Couchsurfern und Freunden von Beszhad kochten wir ein Poulet in einer selbst ausgedachten Variante. Das gestopfte Poulet wurde auf eine Spiess/Pfanne-Konstruktion gesetzt und diese im Boden verankert. Darüber wurde ein Blechkübel gestellt und dann rundherum gut anderthalb Stunden gefeuert. Das Poulet war grandios, die Kartoffeln unten in der Pfanne aber ziemlich verkohlt.
Poulet im Feuer
Den "Ruhetag" verbrachten wir in der Innenstadt von Täbris zusammen mit Justus. Er reist mit dem Rucksack und Autostop durch den Iran. Es ist unmöglich alle Eindrücke und Erlebnisse aufzuschreiben. Einige aber schaffen es in diesen Beitrag.
Auf dem Weg zum Bazar wurden wir von einem Nähmaschinenmechaniker "abgefangen" der Touristen "sammelt". Er führte uns in seinen kleinen Laden wo er schon 13 Bücher voller Einträge von Touristen hat und wir durften uns natürlich auch eintragen. Ausserdem schrieb er uns in persischer Schrift einen Brief, dass extrem Freude habe uns getroffen zu haben und dass sein Laden "beautiful" sei weil wir da seien und wir sollen doch nach dem Besuch des Bazars nochmals vorbeikommen.
in Alis Nähmaschinenladen

Beim Geldwechseln in einer riesigen Meute von Personen wurden wir von Hamed "gerettet", einem Irani welcher in Deutschland sein Doktorat macht. Er half uns den besten Kurs zu bekommen und so waren kurz darauf 16fache Rial-Millionäre. Ausserdem führte er uns zusammen mit seinem Schwiegervater gut zwei Stunden durch den Bazar und so kamen wir auch an versteckte Ecken und viele Tipps und Geschichten. Der Schwiegervater sammelt alte Röhrenradios und prompt fanden wir auf einem englischen Modell den Sender Beromünster.
Nach einem verspäteten Mittagessen (empfohlen und organisiert von Hamed) besuchten wir noch die Blaue Moschee und trafen da überraschenderweise das französische Paar welches wir in Tatev getroffen hatten und wollten danach die Rückfahrt zu Beszhad organisieren. Dabei wurden wir von zwei 17-jährigen Jungs angesprochen, welche eine SIM-Karte für Justus organisierten und uns auch noch einluden am nächsten Tag an einem Fest teilzunehmen. Ausserdem verschafften sie uns dann eine super billige Taxifahrt via Snapp. Für die rund 15km bezahlten wir gerade einmal 100'000 Rial was etwa 75 Rappen entspricht.
Zurück in der Unterkunft geniessen wir die Ruhe und freuen uns morgen wieder auf unsere Velos zu steigen, die Stadt Stadt sein zu lassen und machen uns dann auf den Weg an das Kaspische Meer.

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Armeniens Süden

Als erstes nach dem verlassen der Unterkunft in Stepanakert machten gingen wir einen Grosseinkauf machen. Da die Stadt eine Hauptstadt ist konnten wir alles mögliche posten, was wir in den kleinen Läden in den Dörfer nicht bekommen: Barilla-Pasta, Pesto, Nutella... Das Brot organisierten wir in einer kleinen Verkaufsbude am Strassenrand. Beim Verlassen der Stadt tankten wir noch einen Liter Benzin für unseren Kocher. Danach gings zuerst einmal bergauf. Wir wollten in Shushi die Kathedrale besuchen (und Chregu einen Geocache in Karabach finden), somit waren 600 Höhenmeter zu bezwingen. Auf dem Weg dorthin klatschten wir einen dänischen Autostöppler, welchen wir in der Unterkunft kennengelernt hatten, aus einem Auto heraus ab.
Nach dem Zmittag in Shushi fuhren wir weiter bergwärts in Richtung Goris. Die Strasse, welche sich wunderbar den Hängen entlang windet, hatten wir fast für uns alleine. Der Däne überholte uns (nun in einem anderen Auto) zum zweiten Mal und winkte mit einem breiten Grinsen.
rassig runter
Znacht
In der Abfahrt in Richtung Grenzposten zelteten wir bei einer gedeckten Tisch-Bank-Kombination, welche sehr oft in Armenien zu finden sind. Am Morgen erwachten wir zusammen mit etlichen Ohrengrübler, welche es sich in den Nischen des Aussenzeltes gemütlich gemacht hatten. Die Ausreise aus Karabach war eine ganz kurze Sache und so waren es die weiteren Steigungen, welche uns ausbremsten auf dem Weg nach Goris.
Monument unterwegs
Als wir oberhalb der Stadt bei einem Monument Pause machten, wurden wir von einem deutschen Paar angesprochen. Nach einem Geplauder fuhren wir runter in die Stadt um einzukaufen. Schon da traf Livio die beiden wieder.
Mit den Einkäufen beladen pedalten wir die "kleine" Strasse hinauf in Richtung Tatev. Direkt oberhalb der Stadt Goris fanden wir einen super Zeltplatz (Napfräsali, Wasser und Aussicht auf Goris) und entschieden da zu bleiben. Einige Autofahrer fanden den Platz auch schön und so hatten wir am Abend und auch in der Nacht immer wieder Autos neben dem Zelt.
Strasse von Goris
Morgenstimmung
Als nächstes Zwischenziel hatten wir Tatev ausgesucht. Das Kloster liegt in einem abgelegen Tal auf einer Felsnase und ist seit 2010 durch die längste Seilbahn der Welt (5.7km) besser erschlossen. Die Bahn führt von oberhalb Halidsor via drei Stützen zum Kloster und ist eine Schweizer Konstruktion (Garaventa mit Kabinen von CWA). Sie ersetzt eine gut 30 minütige Busfahrt runter ins Tal und wieder hinauf. Unsere Idee war es, die Fahrräder in die Seilbahn zu verladen. Leider konnten sie uns an der Kasse nicht sagen ob wir in einer oder vielleicht erst in fünf Stunden so mit der Bahn fahren könnten, da Fussgänger Vortritt haben. Also rollten wir johlend die super Strasse runter ins Tal, um auf der Gegenseite knapp zwei Stunden lang auf einer Schotterstrasse wieder hochzustrampeln. Als wir fast oben waren kam uns das deutsche Paar von gestern wieder entgegen. Die Touristenwelt in Armenien ist klein...
Definitiv oben angekommen, kümmerten wir uns zuerst um unsere Mägen. Zuerst im Laden, danach in der Beiz. Als wir uns dann das Kloster anschauten treffen wir auf 5 andere Velofahrer aus Frankreich, Österreich und den USA. Ein richtiger Treffpunkt für Tourenradler auf dem Weg in den Iran.
Das französische Paar trafen wir am Abend nochmals, als wir direkt an der "Strasse" nach Kapan unser Nachtlager aufschlugen. Die Strasse ist teilweise gerade mal ein einspuriger Feldweg, wird aber regelmässig von verschiedensten Fahrzeugen befahren.
Gestern Morgen fuhren wir also zuerst die letzten Höhenmeter auf einen kleinen Pass, um danach auf der Schotterstrasse Richtung Kapan zu bremsen.
tiefe Löcher
Vor Kapan bogen wir auf die M17 ab und hatten die Strasse fast für uns allein. Lustigerweise fuhren auf dieser asphaltierten Strasse mit zwei Spuren weniger Autos, als auf dem Feldweg vom Vormittag. Bei einem super ausgestatteten Picknickplatz kochten wir unser Znacht und schliefen danach auch gerade auf den Tischen unter einem Blechdach.
grosse Strasse, keine Autos

Heute Morgen hatten wir noch einige Wellen zu bezwingen, bevor wir mit dem Hauptaufstieg zum letzten grossen Pass in Armenien beginnen konnten. Im letzten Dorf kauften wir nochmals ein, mit dem Plan irgendwo in der Abfahrt zu zelten. Die Auffahrt war verkehrstechnisch sehr ruhig. Z.b. fuhr während 45 Minuten Mittagspause kein einziges Auto vorbei. Je nach Richtung der Strasse hatten wir mit starkem Gegenwind zu kämpfen oder wurden regelrecht den Hang hinaufgestossen. Direkt auf dem Pass war fahren nur noch mit höchster Anstrengung und Konzentration möglich, da der Wind in einem Einschnitt kanalisiert wurde. Livio mit dem etwas leichter beladenen Velo musste fast schon schauen, dass dieses nicht von der Strasse geweht wird.
Der erste Blick auf die Abfahrt liess schon sehr viel Freude aufkommen. Die Kurven sahen von oben grandios aus und so sind waren sie dann auch. Wir konnten nun fast 1800 Höhenmeter auf der gut ausgebauten und wunderbar trassierten Strasse vernichten. Da nur gerade zwei Autos entgegen kamen, konnten wir die Kurven voll ausnutzen. Eifach zom johle!!
nochmals rassig runter
Unten im Tal angekommen folgten wir nun der iranisch/armenischen Grenze und fuhren bis Agarak, wo wir uns in einer Unterkunft einquartierten und am Abend noch versuchten alles unser armenisches Geld zu verbrauchen.
Nun sitzen wir mit dem wohl letzten Bier für die nächste Zeit (im Iran ist Alkohol verboten) bei Vollmond auf der Terrasse und haben Sicht auf eine Militäranlage sowie den Grenzposten, welchen wir morgen passieren werden.

Entering Karabakh by bicycle via Sotk pass

You don't need a Visa in advance for Karabakh. You just have to register in Stephanakert.

We entered Karabakh via the Sotk pass from Vardenis and Lake Sevan. At the Top of the Pass there is no Checkpoint or Bordercontrol.
The Checkpoint is about 17km and around 800m of beautiful downhill after the pass.
There you have to show your passport and say where are you going. We said Stephanakert and then we had to name a hotel where we gona stay. You don't have to go to this hotel, they don't check. Our passports got scanned and somehow registered and we got a small paper with the adress of the Ministry of Foreign Affairs, where you have to get your Visa. (Azatamartikneristreet 28) It was no problem that we did not go to the Minestry the same day. We camped besides the road on the way to Stepanakert.
We got our Visa at Saturday at around eleven o'clock. It was a 10 Minute thing. You just have to fill a form, where you gona stay (It's still not mandatory to really go there.) and which cities you are going to visit. A photo is not needed.
You have to pay 3000AMD (cash) each and get a registrationpaper clipped in the Passport and another paper which you need when you leave Karabakh.

The exit of Karabakh was a thing of two minutes. We came to the Border Control Point (which is at the last river befor the real border) and just had to show our Passport an the guy took the registration paper and we cycled off.

Samstag, 20. Oktober 2018

vom Ararat zurück zum Sevan und nach Karabach

Am Morgen vom 14.10 genossen wir das Frühstück im Hostel, um danach noch ein wenig per Velo die Stadt zu erkunden. Wir wollten die eine oder andere Sehenswürdigkeit anschauen. Während wir durch die Stadt fahren, werden wir von einigen einheimischen Velofahrern angesprochen. Einer davon hat eine Velowerkstatt und führt auch Touren durch. Wir liessen uns also Tipps über unsere weitere Route geben und wurden in unseren Plänen bestätigt. Ein, zwei Abstecher wurden uns aber noch speziell ans Herz gelegt und wir bekamen eine Telefonnummer für alle Fälle.
irgendwo in Yerevan
Die angepeilte Beiz fürs Zmittag hatte leider noch geschlossen und so assen wir vis-à-vis. Leider fiel Livios Velocomputer so unglücklich zu Boden, dass dieser seinen Dienst quitierte. Also fuhren wir in Richtung des Veloladens von vorher. Auf dem Weg dorthin entdeckte Livio, aber einen weiteren Fahrradladen und so kauften wir nochmals zwei Computer. Der von Chregu zeigt sich nämlich auch nicht von der besten Seite. Wir sind also aktuell mit dem sechsten Velocomputer unterwegs...
Die wichtigsten Sachen waren nun erledigt und so schnappten wir uns die grösste Strasse und verliessen die Stadt in Richtung Süden. Die Entscheidung statt auf die Haupstrasse zu wechseln, auf der Autobahn zu bleiben, stellte sich als goldrichtig heraus. Auf der rechten Spur gilt max. 50km/h und so fährt es sich auf dem zusätzlichen Pannenstreifen wunderbar. Ausser dem konnten wir unterwegs die Siluette des riesigen Mount Ararat aus dem Dunst auftauchen sehen. Dank leichtem Gefälle und passendem Wind waren wir nach gut einer Stunde Fahrt schon 30km weit gekommen. So zweigten wir in Pokr Vedi ab um das, uns empfohlene, Kloster Khir Virap zu besichtigen. Die Anlage liegt auf einem Hügel und bei guter Sicht sei der Ararat zum greifen nah. Aber so nah er aussieht, so fern liegt er, denn die Grenze zur Türkei liegt zwar nur wenige hundert Meter weiter, aber diese ist geschlossen und der Berg von Armenien her unerreichbar.
Nach dem Besuch des Klosters fanden wir in einer Obstanlage kurz vor Vedi ein wunderbares Plätzchen für die Nacht.
Am Morgen zeigte sich das Wetter von der besten Seite und der Ararat war in seiner vollen Pracht sichtbar. Leider fuhren wir auf den weiteren Kilometer weg von ihm und so konnten wir nur mit Kopf verdrehen bewundern.
Ararat
Wir fuhren auf einer sehr ruhigen Strasse einen Pass entgegen, welcher uns wieder zurück auf die M2 führte. Im Aufstieg wurden wir von einem Lastwagen so langsam überholt, dass wir uns anhängen konnten und einige Höhenmeter "gratis" erledigt wurden.
unterwegs
Wieder zurück auf der Hauptstrasse hatten wir noch eine Welle vor uns, aber danach wurden die erklommene Höhenmeter wieder vernichtet. Durch den rupigen Belag mussten wir leider einiges der Energie verbremsen und wurden zünftig durchgeschüttelt. Kurz nach Areni entschieden wir uns als Zückerchen noch die 500 Höhenmeter zum Kloster Nonavank hochzufahren. Das Tal zum Kloster ist extrem beeindruckend, da es vor allem im untersten Teil sehr eng und von von hohen Felsen gesäumt ist. Auch das Kloster selber ist sehr sehenswert und die Aussicht in das Tal ist grandios.
Die Nacht verbrachten wir nur wenige hundert Meter entfernt auf einem Picknickplatz am Bach. Am Morgen rollten wir zuerst zurück zur Hauptstrasse und waren uns endgültig sicher, dass sich dieser Abstecher gelohnt hatte. Auf dem Weg zum Abzweiger Richtung Selimpass sahen wir wie ein Frau uns in ihren riesigen Garten winkt. Wir drehen also um, fahren einige Meter zurück, parkieren am Strassenrand und begeben uns zu ihr. Sie führt uns in eine kleine Hütte und bittet uns zu setzen. Sie schöpft uns Suppe und wir geben so gut es geht Auskunft auf ihre Fragen. Bald taucht noch ihr Mann auf und bei einem Kaffee (den wir beide nicht Kaffetrinker aus Anstand doch trinken) brüten wir über unserer Karte. Nach einem Foto werden wir herzlichst verabschiedet und können den beiden einfach nicht genug danken... Als wir abfahren stehen sie vor ihrer Hütte und winken, als ob alte Bekannte von dannen ziehen.

Durch dieses Erlebnis topmotiviert beginnen wir mit dem Aufstieg in Richtung Selimpass. Vor dem Laden, wo wir einkaufen, gab es einen Unfall. Zwei Ladas waren kollidiert und als wir da ankommen stehen so viele Männer herum, wie niemals in den Autos Platz haben. Auch als wir abfahren gehen die Disskussionen noch weiter. Der unbeteiligte Verkehr zwängt sich unterdessen über den Randstreifen am Unfall vorbei.
Im unteren Teil des Passes folgt die Strasse mehr oder weniger dem Bach und ist mässig steil, spätestens nach dem letzten Dorf wird es stotzig und die Strasse windet sich wunderbar den Hang hinauf. Unterwegs werden aber nicht nur die Beine müder, sondern auch die Arme: fast alle Autos hupen und so winken wir zurück. Ein Autofahrer hält an, stoppt uns und beschenkt uns mit Mandarinen aus seinem Kofferraum. Einfach super solche kleinen Gesten!
Aufstieg zum Selimpass
Nach dem Pass fuhren wir gerade so weit, dass wir vom Zeltplatz aus die Aussicht auf den Sevansee und die umliegenden Berge geniessen konnten. Da wir diese Sicht auch direkt aus dem Schlafsack haben wollten, liessen wir die eine Seite vom Zelt offen und wurden am Morgen mit Kälte, aber auch super Stimmung belohnt.
Zeltplatz unter Strom
Die Fahrt hinuter nach Martuni war kühl, aber schon wenige Kilometer später brachte uns die Sonne wieder auf Normaltemeratur. Entlang dem Sevansee fuhren, oder fast flogen, wir Richtung Vardenis und Sotkpass. Die Strasse ist fast flach und in gutem Zustand, da spult man die Kilometer sehr einfach ab.
In Vardenis assen wir in einer kleinen, aber super dekorierten Beiz einer Tankstelle zu Mittag. Ausgangs Vardenis ist der Ausbau des Sotkpasses weiter im Gang. Wir durften zum Glück durch die Baustelle fahren, die Umleitung ist eine schlechte Piste. Bei der Goldmine angekommen, waren nur noch zwei Haarnadelkurven zu bewältigen bis wir die Grenze zu Karabach überfuhren. Nach einigen Kilometern stellten wir unser Zelt im Niemandland auf, denn der Karabachische Grenzposten ist erst weiter unten.
Am Morgen vom 19.10 heizen wir die super Strasse hinunter zum Grenzposten. Die Strasse wurde vor zwei Jahren neu geteert und hat wunderbare Kurven sowie fast kein Verkehr.
eifach nome geil!
Die Einreise gestaltet sich problemlos. Die Pässe werden gescannt und wir müssen einen Hotelnamen in Stephanakert angeben. Kurz darauf werden wir mit einem "good luck" wilkommen geheissen. Nun sind wir also, so zu sagen, in zwei (oder 3) Ländern. Einmal in Bergkarabach und einmal in Armenien, denn rein Stempeltechnisch sind wir nicht aus Armenien ausgereist. Ausserdem sind wir staatspolitisch in Aserbaidschan, da Karabach im Krieg in den 90er von den Armeniern besetzt wurde und seither sich zwar als Staat Karabach sieht, aber von niemanden als Staat anerkannt wird.
Die Fahrt in Richtung Dadivank ist weiter super und teilweise sehr spektakulär. An einem Ort passt die Strasse neben dem Bach nur noch gerade so zwischen die hohen senkrechten Felswände.
reicht gerade
In Dadivank besichtigen wir das Kloster, welches aktuell gerade renoviert wird.
Echse am sonnenbaden
Es wird so oder so entlang dieser Straase sehr viel investiert. Überall stehen neue Tankstellen und Restaurants.
Bis Drombon können wir die gesammelten Höhenmeter elegant in viele Kilometer verwandeln. Nach dem Picknick gehts dann aber wieder hinauf, so dass wir statt 30 noch knapp 10km/h fahren.
Irgendwann kommt ein Ford Transit entgegen mit Fahrädern am Heck entgegen. Das muss ein Tourist sein. Der Blick auf die Autonummer bestätigt dies: es ist ein Aargauer. Also halten wir ihn an. Er kommt gerade aus dem Iran und kann uns somit mit den neusten Infos versorgen. Nach einigem Gequatsche mitten auf der Strasse, der Verkehr fährt um uns herum, fahren wieder weiter. Kurz darauf hupt es hinter uns. Nichts spezielles. Aber als es nochmals hupt und vor allem niemand überhohlt, schauen wir zurück und sehen nochmals den Transit von vorher. Er habe noch zwei Sachen für uns, welche er nicht mehr braucht: Fast 2 Millionen Rial und eine iranische SIM-Karte. Wir bezahlen ihm dafür 10 Franken. Super Deal. So müssen wir nicht an der Grenze, zu einem wahrscheinlich schlechtem Kurs, Rial kaufen.
Heute morgen fuhren wir nach Stepanakert und liessen uns das Visum beim Aussenministerium geben. Die Stadt ist sehr schön und extrem herausgeputzt. Ein wenig absurd ist es, dass die relativ kleine Stadt doch alle gängigen Ministerien und Gebäude hat, die eine Hauptstadt so haben muss (Präsidentspalast, Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, etc.) Wir liessen uns in einem Guesthouse für eine Nacht nieder.
Stepanakert

Sonntag, 14. Oktober 2018

Hügel, Berge, Tal, Sevansee und Yerevan

Nach fast zwei Tagen in Tiflis verliessen wir die Stadt so, wie wir gekommen waren: Auf der Autobahn.
Da wir den Grenzübergang in Sadakhlo anvisierten, fuhren wir in Richtung Marneuli und hatten ab der Stadtgrenze von Tiflis eine fiese Steigung zu bewältigen. Nach vorne sieht es aus als ob es fast flach sei, aber der tiefe Gang und die Geschwindigkeit sagt etwas anderes. Aber nicht nur wir hatten zu kämpfen, auch einige Lastwagen krampften und röchelten.
Je näher wir der Grenze kamen, desto mehr wurden wir gegrüsst, angehupt und angesprochen. Irgenwie wollten uns wohl die Georgier nochmals zeigen wie super sie es finden, dass wir ihr Land bereisen. In Sadakhlo angekommen, wollten wir unsere letzten Larri verprassen, aber 40 Larri in Lebensmittel die wir transportieren können zu wechseln, gelang uns nicht. So zelteten wir am Dorfrand an einem wunderschönen Platz direkt am Bewässerungskanal.
Am morgen danach fuhren wir nochmals in die Dorfmitte und kauften nochmals ein. Der Grenzübertritt verlief absolut problemlos. Bei der Ausreise mussten wir nur den Helm lüften, dass der Grenzer kontrollieren konnte, ob wir wirklich die Beiden sind die in unseren Pässen abgebildet sind.
Der Armenische Grenzer fragte noch kurz wohin wir wollen und gab sich schnell mit: "Yerevan, further south and Iran" zufrieden.  Mehr interessierte ihn, wieso wir in den Iran möchten, als wieso wir nach Armenien möchten. Nach dem Stempel und einem "be careful" konnten wir weiterfahren.
Da wir via Noyemberian und Idschwan fahren wollten, sammelten wir schon kurz nach der Grenze einige Höhenmeter. So zu sagen immer der aserbaidschanischen Grenze folgend, ging es munter rauf und runter. Bei Voskepar fanden wir ein super Zeltplatz auf einem kleinen Hügel direkt neben der Strasse, von wo wir aus dem Zelt hinaus die Landschaft in Aserbaidschan beobachten konnten. Ein aufgebrachter Bauer kam noch vorbei und fragte (mit Händen und Füssen), ob wir seine verlorenen Kühe gesehen haben. Helfen konnten wir leider nicht, aber einige Zeit später war der Bauer selber erfolgreich und konnte seine Kühe ins Dorf treiben.
Aussicht aus dem Schlafsack

Über weitere Hügel und Berge fuhren wir weiter bis wir ins Tal des Flusses Aghstev kamen. Diesem Fluss folgten wir dann für die nächsten rund zwei Tage.
knapp nicht mehr fahrbar
Nach dem spannenden Einkauf in Idschewan auf dem Bazar, waren wir gerüstet für die nächste Nacht. Nur das Zmittag fehlte noch. Wir entschieden uns für eine der viele Strassen(rand)beizen und trafen eine super Entscheidung. Da wir uns mit der Wirtin mit Wörtern nicht verständigen konnten, bestellten wir mit Handzeichen und Nicken mehr oder weniger alles was sie vorschlug. Das ergab ein riesiges und extrem schmackhaftes Essen. Die Früchte, die als Dessert gedacht waren, mussten wir dann stehen lassen, beziehungsweise mitnehmen, da wir schon übersatt waren.
Die Nacht verbrachten wir etwas oberhalb der Strasse, an der stillgelegten Bahnlinie. Bahnschienen können auch sehr gut als Hocker dienen...
Am 13.10 folgten wir weiter dem Tal und zweigten in Dilijan in Richtung Sevansee ab. Kurz oberhalb der Stadt tauchten wir von unten in die Nebeldecke ein und so fuhren wir in der sturmsdicken Suppe weiter bergauf.
Sichtweite
Unterwegs gab es noch eine weniger erfreuliche Begegnung: Wir wollten Wasser tanken und wurden dabei von einem älteren, leicht verwirrten Mann angesprochen. Da er nur immer die gleichen zwei Wörter sagte und ein Geldstück zeigte versuchten wir ihm beizubringen, dass wir ihn nicht verstehen. Leider klappte das nicht und die Aktion endete damit, dass er plötzlich austickte und Chregu einen Schlag ins Gesicht (keine weitere Sache, der Herr war nicht sehr kräftg) einstecken musste. Nach der schnellen Flucht mit dem Velo, tankten wir dann weiter oben unser Wasser. Dieses Erlebnis ändert aber nichts an unserem Eindruck der ansonsten sehr freundlichen und zuvorkommenden Georgier und Armenier.
Beim Abzweiger zwischen Tunnel und Pass entschieden wir uns für den Pass und wurden kurz nach der Passhöhe belohnt. Der Nebel lichtete sich und gab die Sicht auf den Sevansee frei.
Möischter?
es riese Fröidi
Kurz darauf fanden wir auch noch einen super Zeltplatz, aber da wir nicht genug darauf vorbereitet gewesen waren, fuhren wir zuerst ins nächste Dorf und deckten uns mit dem Nötigsten ein. Zurück am Zeltplatz genossen wir die Sonne und die Aussicht.
Von diesem Ort aus rollten wir am nächsten Morgen an den See und weiter zum bekannten Kloster Sevan. Wir genossen auch da nochmals die Sicht auf den See, der etwa doppelt so gross wie der Bodensee und auf 1900(!) m.ü.M. liegt.
Um möglichst einfach nach Yerevan zu gelangen, schnappten wir uns die grösste Strasse, also die Autobahn, und nach einigen kleineren und grösseren Wellen konnten wir hinunter in die Hauptstadt "rasen" und die knapp tausend Höhenmeter vernichten.
immer schön langsam ;-)