Mittwoch, 26. Dezember 2018

Letzte Tage in Muscat und Heimreise mit schlechten Neuigkeiten

Am ersten Tag in Muscat gingen wir es gemütlich an und verliessen die Wohnung erst gegen Mittag. Am Vormittag hatten wir noch einige Vorbereitungen für den Heimflug erledigt. Wir fuhren mit dem Bus nach Ruwi und nach dem Mittagessen weiter nach Muthra. Dort ist auch der Souq (Bazar). Wir schlenderten also dem Hafen entlang und suchten einen Platz um die Öffnung des Bazars abzuwarten (öffnet am Freitag erst im Verlauf vom Nachmittags). Von weitem entdeckten wir Tourenvelos und schon wenige Schritte war klar, dass es die drei Deutschen sind welche wir immer wieder getroffen haben. Wir wussten, dass sie in Muscat sind aber nicht wo. Immer wieder ein super Zufall. Wir setzten uns also zu ihnen und quatschten über die letzten Tage, die Heim- oder Weiterreise und über vieles mehr. Nach dem Besuch des Bazars gönnten wir uns noch ein Bier in einer Hotel-Dachbar. Am 22. Dezember machten wir uns auf um beim Bikeshop vorbeizuschauen, bei welchem wir Kisten für den Heimflug reserviert hatten. Mit drei Bussen und etwas Fussweg erreichten wir den Shop und konnten abmachen, dass uns zwei Boxen nach draussen gestellt werden, so dass wir am nächsten Tag früher an den Flughafen gehen könnten. Den Rest des Tages verbrachten wir in einem grossen Einkaufszentrum und verplämperten dort die Zeit. Auf dem Retourweg von der Busstation organisierten wir noch etwas Karton und sammelten bei Baustellen Sagex, um unsere Velos zu verpacken. Als wir an unserem letzten Tag der Reise unsere Residenz verliessen, sahen wir, dass ein Gewitter im Anzug ist. Wir radeltem aber dennoch los und hofften, dass es uns nicht erwischt. Die Hoffnung wurde aber schon sehr rasch zerschlagen und nach wenigen Kilometer fuhren wir durch massiven Regen der Stadt entgegen. Teilweise mussten wir den geschützten Pannenstreifen verlassen, da dieser völlig überflutet war. Aber so schnell der Regen begann, so schnell war er wieder weg und so waren wir schon wieder gut angetrocknet, als wir beim Bikeshop eintrafen und unsere Boxen abholen wollten. Leider waren die Kartonrecycler schneller gewesen und so waren keine Boxen mehr vor Ort. Nach etwas Warten kontaktierten wir den Inhaber des Shops und er versicherte uns, dass er noch mehr hat und wir davon zwei um zehn Uhr mitnehmen könnten. Wir warteten also und konnten so immer noch mit genügend Zeit in Richtung Flughafen abfahren.
Grosse Fuhre

Methode "Gstältli" funktioniert tadellos
Die Blicke die unsere Fuhre auslöste waren grandios. Beim Flughafen angekommen, konnten wir ins Terminal rollen und beginnen unsere Velos zu demontieren, verpacken und flugfertig zu machen. Dabei wurden wir beobachtet und auch unterstützt.
Die Lösung heisst: VIEL Klebeband
Das Check-In sowie die Ausreise und Sicherheitskontrolle waren recht schnell erledigt und so konnten wir, nach dem wir etwas gegessen hatten, gemütlich boarden. Der Flug war bis auf wenige Turbulenzen im Anflug nach Zürich ruhig. Dort angekommen schraubten wir unsere Velos wieder in einen fahrbaren Zustand. So konnten auf eigenen Rädern durch den Zoll rollen und uns auf den Heimweg machen. Für Livio war das nach Hause kommen weniger freudig als erwartet: Beim Arztcheck ob er sich bei seinem Sturz vor gut 1.5 Monaten wirklich keine ernsthafte Verletzung zugezogen hat, stellte sich heraus, dass einer seiner Mittelhandknochen seit dem Unfall gebrochen ist... Sie konnte durch die häufige Belastung auch nicht zusammenwachsen. Die anstehende Skitourensaison fällt für ihn leider ins Wasser.
Weihnachtsgeschenk vom Arzt

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Umweg via Sur

Am Samstag, unserem Pausentag, machten wir zusammen mit Andrew eine kleine Veloausfahrt innerhalb vom Dorf, wo er uns das Bewässerungssystem und die Dattelpalmenwälder zeigte. Danach fuhren wir zu dritt mit dem Auto auf das Al Saiq Plateau. Wir besuchten den Diana's Point und testen Andrews Auto auf einer atemberaubenden Strasse, welche in ein kleines Dorf in einem engen Tal führte.
Aussicht vom Diana's Point
Einfahrt zur Offroadstrecke
Nach einem Snack fuhren wir die Asphaltstrasse runter, zurück nach Birkat.
Am Abend bekochte uns Mae mit einem Thai Curry und wir konnten von ihren unglaublich guten Brownies kosten.
Am nächsten Morgen war der schon fast hotelmässige Aufenthalt schon wieder vorbei und wir radelten nach dem Frühstück in Richtung Izki und Ibra. Um noch das Wadi Shab besuchen zu können, hatten wir uns entschieden einen Teil der Strecke mit PickUps zurückzulegen. So überbrückten wir mit zwei Autos knapp 70km. Es hielt jeweils das zweite brauchbare Fahrzeug an. Also eine logistisch ganz einfache Sache.
Hilux als Velotransporter
Zwischen Ibra und Sur wird aktuell eine 6-spurige Autobahn gebaut, so dass wir entweder nur wenig Platz auf der alten oder übertrieben viel Platz auf der neuen Strasse hatten. Bei einer Einfahrt sahen wir von weitem drei Köpfe in Velogeschwindigkeit über die Brücke fahren. Wir lagen mit unserer Vermutung richtig und so trafen wir die drei deutschen Radler (welche wir in Shiraz kennengelernt hatten) zum siebten Mal. Eine freudige Überraschung welche mit einer gesprinteten Überquerung der Autobahn ermöglichten. Wiederum tauschten wir Informationen aus und verabredeten uns in Muskat.
Nach gut hundert geradelten Kilometer erreichten wir einen brauchbaren Zeltplatz in der Nähe vom Abzweiger ins Wadi Bani Khalid. Am nächsten Morgen hatten wir den schon fertiggestellten Abschnitt der Autobahn für uns und fuhren auch dank gutem Wind, aber vor allem durch die angenehme Temperatur ziemlich einfach nach Al Kamil.
Morgenstimmung auf der Autobahn
Aber schon anfangs Dorf drehten wir uns in den Wind und hatten nun bis über Sur hinaus teilweise ziemlich starken Gegenwind. Unterwegs muste noch einen Platten bei Livios Velo repariert werden. Einmal mehr hatte sich ein Draht durch den Pneu gearbeitet und den Schlauch zerstochen. In Sur angekommen steuerten wir einen grossen Supermarkt an und verbrachten dort mit Essen, Einkaufen und Faulenzen die heisseste Zeit des Tages. Um noch etwas näher an unser nächstes Zwischenziel Wadi Shab zu gelangen folgten wir der Autobahn in Richtung Norden. Am Strand von Qalhat fanden wir nach gut 120 Tageskilometer eine Art Unterstand, wo wir uns für die Nacht niederliessen. Vor dem Kochen testeten wir aber noch den Wellengang vom Meer und liessen uns durchspülen ;-)
Im Sonnenaufgang vom 18. Dezember starteten wir in Richtung Wadi Shab. Dort angekommen liessen wir uns von einem Boot über den ersten kleinen See transportieren und wanderten ausgerüstet mit Lunch und Badesachen los, denn wir wollten in den Süsswasserpools des Wadis baden gehen. Bei dem Badespot angekommen, waren wir fast alleine. So suchten wir uns einen Platz für unser Material und schwammen nur mit Livios wasserdichter Kamera ausgerüstet los. Durch mehrere Teiche und Bäche erreichten wir ein tiefes und ziemlich grosses Becken an dessen Ende ein Seil hing, das über eine Felsstufe führt. Chregu schwaderte aber noch herum und entdeckte einen schmalen Durchgang, wo gerade so der Kopf über Wasser Platz hat. Unter Wasser ist mehr Platz und so konnten wir durch schwimmen. Nach dem Engpass fanden wir uns in einer Art Höhle mit einem Wasserfall wieder. Den steilsten Teil des Wasserfall konnten wir mit Hilfe eines montierten Seiles überbrücken und kletterten danach weiter hinauf zum letzten Pool, welches wir erreichten. Nachdem Chregu dort noch einen Geocache gefunden hatte, machten wir uns auf den Rückweg und trafen dabei auf die ersten anderen Schwimmer. Zurück bei unserem Material genossen wir die Sonne und schauten dem Geschehen zu, denn unterdessen waren einige Leute vor Ort und machten sich bereit für das Abenteuer.
steile Wände, schöne Pools
Köpfler
 

Wasserfall in Höhle
warten auf (noch) bessere Zeiten
Wir assen unser Lunch und marschierten danach zurück zum Parkplatz. Wir liessen uns aber Zeit und fuhren danach nur noch wenige Kilometer bis wir bei einem gemauerten Unterstand etwas abseits der Hauptstrasse einen guten Platz fanden. Gerade als wir fertig waren mit dem Abwasch und wir den Liegeplatz ausgesucht hatten, tauchte ein Auto auf und zwei Omanis stiegen aus. Sie erklärten uns dass sie da kochen werden und als wir realisierten, dass es eine längere Geschichte geben könnte, sattelten wir unsere Drahtesel und fuhren auf der Schotterstrasse wenige 100 Meter weiter wo wir dann unsere Mättali auf den Zeltboden legten und die Nacht unter freiem Himmel verbrachten.
Zmorge im Bett
Den 19. Dezember verbrachten wir grundsätzlich nur mit Velofahren. Die einzige Ausnahme war der Besuch der Bimmah Einsturzdoline. Wir waren zwar nicht wirklich vorbereitet, entschieden uns, als wir dann vor dem Wasserloch standen doch für ein Bad. Das Wasser ist salzig, da es mit dem Meer verbunden ist, aber völlig klar und wunderbar um eine Schwumm zu wagen.
Nach der Mittagshitze näherten wir uns unserem Couchsurfinghost in Muscat (Al Amerat) bis auf etwa 60 Kilometer, wo wir uns einrichteten um die letzte Campingnacht der Reise wiederum unter freiem Himmel zu schlafen.
Schlafsacktrocknung
Die letzten Kilometer nach Al Amerat legten wir heute morgen ohne weiteres zurück und konnten uns bei einem Couchsurfinghost einquartieren wo wir die letzten drei Nächte im Oman bleiben können.

Samstag, 15. Dezember 2018

Omanische Berge

Nach dem wir auch am morgen weiter bewirtet worden waren und uns auf der Weltkarte der Gäste der Familie verewigt hatten, brachen wir auf. Wir folgten der Küste entlang in Richtung Sohar, wo wir in die Berge abbiegen wollten. Schon wenige hundert Meter nach dem Start trafen wir die drei Deutschen wieder, welche mit uns auf der Fähre waren. So fuhren wir zusammen in Richtung Süden.
Velotruppe auf leeren Strassen
Vor Sohar trennten wir uns wieder, um einkaufen zu gehen. Während diesem Einkauf änderten wir unseren Plan und entschieden erst bei Kahburs rechts in die Berge abzudrehen, also noch weiter der Küste zu folgen. Daher zelteten wir am Strand nach Saham. Vor dem kochen und dem allabendlichen Zeltaufbau musste noch eine Schaltsaite an Chregus Velo gewechselt werden, welche fast durch gescheuert war. Dies beschäftigte und so lange, (der Kopf liess sich nur unter grossem Demontageaufwand entfernen) dass wir im erst Dunkeln kochten.
Die Nacht war, trotz geringer Entfernung zu Strandweg und den nächsten Häusern, sehr ruhig.
Velozeltler
Am nächsten Morgen hatten wir noch rund 30 Kilometer vor uns, bis wir endgültig die Küste verliessen. Nach weniger als zehn davon trafen wir wieder auf die drei anderen Radler. Diese waren natürlich sehr überrascht, da wir ihnen erzählt hatten, wir würden in die Berge fahren. Wahrscheinlich werden wir sie in Muscat wiedersehen, da sie am gleichen Tag abfliegen.
Nach dem Einkauf für die nächsten zwei Tage sassen wir die Mittagshitze bei einem leerstehenden Gebäude aus und wagten uns erst gegen 15 Uhr wieder in die Sonne. Als wir dann die ersten Hügel erreichten, war es schon wieder erträglich warm und so waren die vielen Wellen durch die vielen Wadis gut machbar und die einzelnen Furten waren wirklich witzig.
Mit der Idee nach dem Znacht nochmals einige Kilometer zu machen, um die angenehme Temperatur zu nutzen, kochten wir ziemlich nah an der Strasse. Nach dem Znacht war dann aber klar das Chregus Kränklichsein ein weiterfahren verhinderte. So zelteten wir mit zeitweiser Beleuchtung der vorbei fahrenden Autos. Am nächsten Morgen zügelten wir dann wenige Kilometer weiter zu einem passenden Schattenplatz und legten einen Ruhe- und Genesungstag ein.
Besuch
sensationelle Landschaft im Abendlicht
Im späteren Nachmittag konnten wir es dann aber doch nicht sein lassen und pedalten weiter über die landschaftlich super Strasse. Für einmal fuhr Livio mit der schweren Essenstasche voraus und Chregu im Windschatten hinterher, was für beide eine ziemlich ungewohnte Situation war. Aber ein Rollenwechsel kann nie schaden.
Bei der Abzwiegung in Al Maskam angekommen füllten wir die Vorräte wieder voll und fanden schon kurz ausserhalb des Dorfes einen guten Zeltplatz. Da wir trotz Hitze nicht nur wenige Stunden auf der Strasse verbringen wollten, verlegten wir den Morgen und stellten den Wecker so früh, dass wir noch vor dem ersten Ansatz von Tagesanbruch unterwegs waren. Im Verlauf der nächsten Stunden konnten wir dann das Erwachen des Tages vom Velo aus geniessen. Es war suuuuper.
Silhouette
Da wir uns für die nächsten Tage eine abgelegene Piste ausgesucht haben, kauften wir in Rustaq für zwei Tage ein. Am Nachmittag rollten wir zum Eingang vom Wadi Bani Awf. Die ersten Kilometer im Wadi (Flussbett, welches in den meisten Fällen ausgetrocknet ist) sind top ausgebaut, asphaltiert und spektakulär von hohen Felswänden gesäumt. Wir fanden kurz vor dem Ende der Strasse  einen Zeltpaltz am Ufer vom Wadi unter grossen Bäumen. Wir waren auch nicht die einzigen, einige Dutzend Meter weiter waren andere Touristen (mit Auto) am Zelten.
Am Morgen vom 13. Dezember starteten wir wieder früh und legten die letzten Meter auf der befestigten Strasse im Morgengrauen zurück. Im ersten Abschnitt der Schotterstrasse kamen uns viele Landcruiser entgegen, welche als Schulbusse dienen. Die Strasse ist staubig und so lag teilweise eine Staubglocke über dem Wadi und wir wurden innert kürzester Distanz hellbraun.
ganz wenig staubig
In Zammah verlässt die Piste das Wadi und zeigt das erste Mal so richtig was in ihr steckt. 240 Höhenmeter auf 1.4 Kilometer (ergaben einige Schiebepassagen, teilweise auch zu zweit für ein Velo. Das war aber erst der Anfang der ganzen Aktion. Nach einer Abfahrt um den Snake Canyon zu umfahren, kämpften wir uns erneut hoch und wurden an die alte Betonplatte am Napf erinnert. Ca.22° (>35% !!!) und mit Beton grob befestigt. Nur gab es hier nicht nur eine sondern dutzende solche Passagen. Durch die super schöne Landschaft motiviert fuhren und stossten wir weiter.
Fussball wird überall gespielt
fahrbarer Teil
Oberhalb von Hat trafen wir auf zwei Velofahrer die die einfachere Variante gewählt hatten. Denn der ausgesuchte Pass ist von der anderen Seite bis ganz oben asphaltiert und massiv weniger steil. Nach wenigen Blicken war klar, dass es Schweizer sein könnten und so begrüssten wir sie mit "Hallo zäme". Es stellte sich dann heraus, dass sie aus Beromünster sind. Witzig wie die Erde wieder einmal klein ist. Wir tauschten Infos über den weiteren Weg und vielem anderen aus. Nur wenige Meter weiter verbrachten wir an einem Kanal des Bewässerungsystem (Falaj) den Mittag. Am späteren Nachmittag erreichten wir dann einen wunderbaren Zeltplatz rund 2.5 Kilometer vor dem Pass.
Haus mit Aussicht
Vom Zeltplatz aus sahen wir auch den steilsten Teil der Strasse, welcher allein auf den ersten 600m einer durchschnittliche(!) Steigung von 24% aufweist. Überraschenderweise fahren da die Geländewagen (fast alles Toyotas) ohne Scharren hoch. Mit dem kleinsten Gang und und wenig Gas ist wohl die beste Variante, so dass auch die Strasse nicht aufgeraut wird. Für uns hilft das, denn so können wir verhältnismässig steil noch aus dem Sattel fahren, bevor das Hinterrad durchdreht. Aber meistens scheitert das Fahren so oder so an der Kraft in den Beinen und nicht am Grip. Ein vollbeladenes, ungefedertes Tourenvelo ist, technisch gesehen, nicht die beste Wahl für diesen Aufstieg ;-)
Nach einer erholsamen Nacht waren wir froh, dass die Sonne erst ganz spät die Strasse erreichte, denn wir brauchten für die verbleibende Strecke von knapp 2.5km, inklusive Fotostopp, zwei Stunden. Aber nur gerade knapp 30 Minuten davon bewegten sich unsere Räder...
Velo am ausruhen
 

Oben angekommen genossen wir noch einmal die Aussicht und danach vor allem die schnelle Abfahrt. Nach dem Geschwindigkeitsrausch waren wir uns nicht mehr sicher ob, wir bei einem möglichen nächsten Mal nicht doch wieder so rum über den Pass fahren würden. Der weniger strengen umgekehrten Variante fehlt die Möglichkeit zum "heizen".
Vom Fuss der Passstrasse ging es ziemlich flach nach Nizwa und nach dem Mittag weiter nach Birkat al Mawz, wo wir für zwei Nächte bei einem schottischen Warmshowers-Host bleiben können. Dieser begrüsste uns direkt mit einem im islamischen Raum sehr seltenen kühlen Bier.

Samstag, 8. Dezember 2018

Über den Golf in die crazy Stadt und schnell weiter in den Oman

Am 2. Dezember verliessen wir die Wohnung von Ahmed und organisierten das nötigste für die Fährfahrt. Die restliche Zeit verbrachten wir in Parks und konnten noch das ausgedruckte Ticket bei Ahmed abholen. Kurz vor dem Hafen sahen wir einige Anzeichen, dass eine ganze Meute von Veloreisenden auf der Fähre sein werden: zwei Velos vor einem Laden, ein Reisender vom Park aus, ein Pino + Begleitrad,...
Am Schluss waren es 11 Veloreisende die ihre Räder verluden. Eine ungeplante Zusammenkunft von Erfahrungen, Erlebnissen und Pläne für das weiterreisen.
Nach mehreren Stationen im Terminal (wobei Chregu bei einer Station alle Taschen und somit auch das Essen eincheckte) wurden wir per Bus zum Schiff gefahren. Vor uns lag die "Sunny" welche in ihrem ersten Leben als "Trelleborg" zwischen Deutschland und Schweden unterwegs war, wo Chregu wahrscheinlich vor fast 20 Jahren schon einmal damit gefahren ist. Anscheinend wurde das Schiff renoviert, aber so wie es ausschaut wurden nur die Schienen im ehemaligen Zugdeck gelb angemalt, eine Heckklappe montiert sowie die Aussenhaut an den aktuellen Betreiber angepasst. Innen ist es so wie wenn der Zielhafen in der Ostsee wäre: Überall sind Schilder in Schwedisch und Deutsch, die Karte der ehemaligen Einsatzlinie hängt noch immer an der Wand, im Restaurant sind die Preise für Getränke in schwedischen Kronen angegeben und ein kleiner Aufsteller weisst auf Räkmörgås (Garnelenbrot, 79SEK) hin... Ziemlich witzig.
Landgang?
Die Abfertigung ist aber 100% iranisch. Für das einchecken in die Kabine brauchte es ziemlich lange und die nötige Keycard konnten wir dann rund  zweieinhalb Stunden später abholen.
Die Abfahrt war dann auch um kurz vor 21.00 statt um 18.00, aber ein pünktliches Ablegen hätte uns auch ziemlich überrascht.
Die Überfahrt an sich war, auch Dank absolut ruhiger See, sehr gemütlich.
Im Hafen von Sharkah angekommen standen alle Fahrräder in Reih und Glied bereit und wir radelten zum Terminal, während die anderen Passagiere mit dem Bus transportiert wurden.
Im Terminal angekommen wurden wir in einer Art Wartehalle platziert und es wurde nach einem wundersamen System die Pässe eingesammelt und die Einreise gestempelt. Wir Westler wurden vorgezogen uns so waren wir die ersten die dann alle zusammen in die Gepäckhalle gelassen wurden, wo wir unsere Taschen suchen und nochmals scannen lassen durften. Als dann alle wieder all ihr Material zusammen hatten, formierte sich ein Konvoi von neun Veloreisenden und wir fuhren zusammen die 15 Kilometer nach Dubai, wo sich unsere Wege wieder auftrennten. Einige davon werden wir aber wohl wiedersehen, denn die meisten fahren in den Oman und manche auf der gleichen Route.
Velotruppe auf der Autobahn
Holzboot
Gegen Abend erkundeten wir, wieder zu zweit, die Gegend ums Hotel und fuhren mit einem der vielen kleinen Holzboote über den Dubai Creek. Ein riesiger Kontrast zu all den riesigen Gebäuden.
Auf dem Weg zurück vom Znacht zum Hotel genossen wir unser erstes  Bier seit gut fünf Wochen. :-)
Am Vormittag vom 4. Dezember entfernten wir uns zuerst von unserem Abendziel, weil wir zuerst noch den Burj Kalifa besuchen wollten. Wir fuhren, wie des öfteren, über die grossen Strassen und fanden uns plötzlich in der Mitte einer siebenspurigen Autobahn wieder... Als dann noch ein Veloverbot auftauchte liessen wir es dann sein und "flüchteten" auf die Seitenstrasse, welche nur 4 Spuren hatte. Um dann aber über die Autobahn zu kommen, mussten wir uns dann durch die Metrostation mogeln. Die Menge an gigantischen Wolkenkratzer entlang dieser Strasse ist einfach nur unglaublich...
Smogkratzer
vier Räder vor dem Wahnsinn
Nach der Runde durch den Park beim Burj Kalifa und einigen (vielen) Fotos pedalten wir wieder in Richtung Musandam und somit wieder zurück. Nach dem Einkauf und dem Lunch hangelten wir uns durch die vielen Ausfahrten der Autobahn und nach rund 25 Kilometern liess der Verkehr merklich nach, die Distanz zwischen den einzelenen Ausfahrten wurde grösser. Ausserdem war wieder ein richtiger Pannenstreifen vorhanden, auf welchem wir unsere Ruhe hatten.
Ein Geocache wies uns nach gut 70 Tageskilometern den Weg zu einem super Zeltplatz in der Nähe einer Lagune.
Abschied von der letzten schweizer Petflasche, welche so super in den Rahmen gepasst hat.
 
Der Tag danach war bis auf die letzten 15 Kilometern ziemlich eintönig. Alles im gleiche Stil ging es via Ra's al-Chaima bis an die Grenze zu Musandam. Das einzig aufregende war, dass wir bei Livios Vorderad einen Platten reparieren mussten. Ein Draht hatte sich durch den Pneu gearbeitet. Das erledigten wir vor einer Shishabar und so konnten wir da unsere dreckigen Hände waschen und wurden noch auf eine Cola eingeladen. Kurz vor der Grenze drücken die Berge die Strasse direkt ans Meer. Wir erreichten den Grenzposten ziemlich genau zum Sonnenuntergang. Die Ausreise aus den V.A.E., so wie die Einreise in den Oman gestaltete sich sehr einfach, wohl auch weil ausser uns fast niemand die Grenze in der gleiche Zeit passieren wollte.
Die restliche Strecke bis zu unserem Schlafplatz waren grandios. Der Himmel war orange bis tiefrot, die Strasse in super Zustand und fast ganz leer und direkt zwischen Meer und Felsklippen.
Am ausgewählten Strand angekommen, fanden wir einen geeigneten Zeltplatz und kochten unser Znacht. Diesmal gab es selber gemachte Bolgnese mit Pasta und endlich wieder Reibkäse (hatten wir im Iran nie...)
Felsen, Strasse, Strand
Nach der sehr warmen Nacht durften wir weiter die super Strasse entlang der Küste geniessen und konnten dank einigem Glück, den grössten (und sehr steilen) Anstieg an einem Lastwagen hängend überwinden.
Die Abfahrt zurück ans Meer und die letzten Kilometer nach Kashab waren weiterhin sehr spektakulär. In Kashab angekommen organisierten wir die Fähre nach Shinas und verkrochen uns für zwei Stunden im Konsumtempel "Lulu Hypermarket".
Als dann die Hitze etwas nachgelassen hatte, machten wir uns auf in Richtung Khor Niad, dem einzigen per Strasse erreichbaren Fjord von Musandam. Die teilweise sehr steile Schotterpiste führt von der Hauptstrasse rund 200 Höhenmeter auf einen Pass und danach in schlechterer Qualität runter zum Meer. Während einer Pause in der Abfahrt (Hände entlasten und Felgen kühlen) kippte Chregus Velo um. Beim Aufstellen zeigte sich, dass der hintere Pneu, wiedereinmal, keine Luft mehr hatte. Also hiess es: alles Gepäck abbauen, Velo drehen, Rad ausbauen, Übeltäter (auch ein Draht) finden und entfernen, zusammen bauen, pumpen, aufladen weiterfahren. Wir meisterten die Herausforderung und stellten unser Zelt in Strandnähe auf eine Betonplattform.
Khor Niad
Nach einer, warmen und erholsamen, Nacht stand uns die schwierigere Aufgabe bevor. Der Wiederaufstieg war velofahrtechnisch abschnittweise ziemlich schwierig. Die Strasse ist in nur mit richtigen Offroadern befahrbar, normale PWs hätten zuwenig Bodenfreiheit. Zwischendurch ist der Untergrund auch sehr kompakt und man kann trotz über 15% Steigung aus dem Sattel gehen.
Wieder zurück auf der Hauptstrasse fuhren wir noch ans Ende derselben um den dortigen Akazienwald zu besuchen. Die Strasse endet in einem Talkessel, welcher verhältnismässig feucht ist und auf in welchem sogar teilweise Gras in grösseren Flächen wächst. Auf der Suche nach einem geeigneten Picknickplatz liess es Chregu sich nicht nehmem mit dem Velo durch dass knöcheltiefe Wasser zu fahren.
veloschwimmen
Um etwas näher an Kashab zu übernachten fuhren wir in Verlauf vom Nachmittag wieder zurück und bogen beim Flughafen links ab. Unterwegs trafen wir wieder auf unsere drei deutschen Radlerkollegen, welche wir tagsdarauf auch auf der Fähre nach Shinas wieder treffen werden.
Die Nacht verbrachten wir hinter dem Hochwasserschutzdamm in einer Art Savanne mit Akazien und Wasserlöchern. Die Mücken verdarben uns dann leider ab dem Sonnenuntergang etwas den Abend und so lagen wir sehr früh im Zelt.
Am Samstag morgen fuhren wir an den Hafen und schon bald konnten wir einschiffen. Wir parkierten unsere Fahräder auf dem Autodeck und als wir aufs Personendeck wechselten wurde ein Porsche ziemlich kompliziert eingeladen. Pünktlich auf die Minute legte der Katamaran ab und schon bald rasten wir mit 80 km/h übers Meer. Nachdem dem ersten spektakulären Teil der Fahrt mit der Umrundung von Musandam genossen wir das WLAN im Schiff. Ausserdem sprachen wir mit einigen Mitgliedern des Porsche Clubs des Omans welche mit 27 Autos an Bord war. Wir hatten also nur die Vorhut gesehen...
Bei Aussteigen wurden dann die Motoren gestartet und viele viele Fotos gemacht. Witzige Sache im Stau hinter Porsches zu warten bis wir das Schiff verlassen konnten.
alles Freunde ihrer Vehikel
Die sechs Kilometern bis zu unserem Warmshowerhost legten wir dann dank Rückenwind ganz rasch zurück und geniessen nun die omanische Gastfreundschaft in einem traditionellen Zelt im Vorhof des Grossfamilienhauses.

Samstag, 1. Dezember 2018

Persischer Golf

Wie erwartet regnete es, als wir das Hostel in Shiraz verliessen und zum Terminal fuhren. Die Strassen in Shiraz waren teilweise überflutet und der ansonsten ausgetrocknete Bach durch die Stadt führte nun auch Wasser. Am Terminal tauschten wir unser Onlineticket in ein Richtiges und gingen zum entsprechenden Abfahrtsort. Dort wollte aber niemand etwas von einem Bus nach Bandar Abbas wissen. Wir warteten also und bemerkten irgendwann, dass wir nicht die einzigen sind die auf diesen Bus warteten. Einer gab uns dann zu verstehen, dass er uns informieren werde wenn es los geht. Irgendwann tauchte dann unser Bus auf und wir wurden zum Perron 14 umgeleitet. Nach dem stressigen Verladen unserer Sachen, dauerte es dann doch noch bis der Bus abfuhr... Wir fuhren durch den sintflutartigen Regen und waren froh im Bus und nicht auf dem Velo zu sitzen. Nach gut zehn Stunden erreichten wir Bandar Abbas endlich, wo es zum Glück trocken war. Wir fanden auf der Suche nach einem Hotel einen super Kebabstand wo wir unseren Hunger stillten. Je ein Kebabteller, ein kleiner Dürüm und ein Getränk kosteten dann auch sagenhafte 4 Franken. Nach dem Znacht wurden wir auf der Suche nach einem Hotel doch noch verregnet. Die Stadt, die komische Ankunftszeit und die warme, leicht feuchte Luft erinnerten uns an unseren Start in Batumi... Da zwischen Shiraz und Bandar Abbas ein Höhenunterschied von gut 1500m ist, war es dann auch gute 15 Grad wärmer, also guten 30 Grad Celsius und 100% Luftfeuchtigkeit. Im Hotel angekommen kühlte uns die Klimaanlage herunter und wir schliefen am nächsten Morgen, so gut es ging, aus. Auf dem Weg zum Billetbüro der Fähre nach Dubai versendeten wir eine Postkarte an Ali in Täbriz, kauften ein und wechselten Geld.
wiegen...
... und das obligate Selfie
wenns kürzer ist gehts auch so
So ausgerüstet bekamen wir in dem Büro die Info, dass unsere Wunschfähre am 3.12 nicht fährt und wir entschieden uns dafür zwei Tage früher zu fahren. Livio musste sich noch ein wenig an den Temperaturunterschied gewöhnen und war deshalb ein wenig überfordert mit der Organisiererei. Danach ging es wieder ab auf die Strasse immer in Richtung Westen durch unzählige Industrieanlagen. Irgendwann gelangten wir dann doch noch in die iranische Prärie und fanden rund 15 Kilometer vor dem Fährhafen nach Qeshm einen geeigneten Zeltplatz. Am Morgen danach rollten wir zum Hafen und reisten in die Qeshm-Free-Zone (Zollfreizone) ein. Die Fähre selber war dann völlig unkompliziert und gratis. Auf Qeshm angekommen fuhren wir nach Tabl, wo wir unser Zmittag aufbesserten und dieses zuvorderst auf einem Damm, welcher in die Mangrovenwälder führte, verspiesen. Am Nachmittag radelten wir auf einen "Pass" (keine 100 Höhenmeter) und zelteten mit Aussicht auf Salakh und das Meer.
Zisterne am Strassenrand
Zirkuszelt?
wunderbarer Zeltplatz irgendwo im Geröll
Am 28.11. fuhren wir alles entlang dem Meer in Richtung Qeshm-Stadt. Die ersten rund 10 Kilometer führten über eine Schotter-/Matschstrasse, welche vom letzten Regen teilweise noch ziemlich feucht war. Sogar Livio schaffte es für einmal ohne im Schlamm stecken zu bleiben zum anderen Ende und wir konnten die Super Aussicht und die Landschaft in vollen Zügen geniessen. Wieder zurück auf dem Asphalt erreichten wir schnell wieder unsere gewohnte Reisegeschwindigkeit und kamen rassig voran.
Achtung: Matsch voraus!
Auch mal im motorisierten Windschatten
Unterwegs treffen wir auf drei Velofahrer, welche wir in Shiraz schon getroffen haben und auf der Fähre nach Dubai wahrscheinlich nochmals treffen werden. Ausserdem kreuzen wir auch noch weitere Veloreisende. Die Insel scheint beliebt zu sein. Wir entscheiden bis nach Qeshm zu fahren, da wir noch genügend Rial hatten und Livio unbedingt noch tauchen gehen wollte. Wir quartierten uns bei Annelie und Ali ein. Die Deutsche und der Irani führen ein Restaurant und haben im Hinterhof in Containern noch Zimmer angebaut. Noch an diesem Abend organisierten wir den Tauchgang. Nach einem fast missglückten Versuch ein Frühstück zu organisieren, marschierten wir vom Hostel zur Tauchschule, wurden ausgerüstet, rausgefahren und instruiert (mit der Übersetzungshilfe eines iranischen Mittauchers). Wir durften dann als erste ins Wasser. Der Tauchguide führte uns durch das abgestorbene Riff und fischte nach der nächsten Runde auch noch nach der verlorenen Kamera von Lii. Er war zum Glück erfolgreich.
blub blub blub...
Am Nachmittag gingen wir auf das Schiff nach Hormoz. Die Insel ist so klein, dass es nur 20 Kilometer sind rundherum. Wir fanden einen super Zeltplatz am Strand und entschieden zu bleiben und ohne Zelt da zu schlafen.
guete Morge
Diese Entscheidung brachte eine wunderbare Nacht, aber auch eine Schlafsacktröcknungsaktion mit sich. Wir vollendeten die Runde um die wundersame Insel und besuchten unter anderem einen Salzdom, der auch eine Gletscherzunge inklusive Vorfeld sein könnte. Nur dass er nicht schmilzt...
"Schneeberge"
"Gletscher"
Zurück beim Hafen kauften wir ein Billet nach Bandar Abbas und genossen die restlichen Stunden im Schatten. Dabei wurden wir einmal mehr beschenkt und eingeladen für eine Übernachtung. Einfach grandios. Da wir jedoch schon eine Übernachtungsgelegenheit hatten lehnten wir dankend ab. Zurück auf dem Festland liessen wir uns wieder in einem Park nieder und assen später etwas zu Abend bevor wir unseren Warmshowers-Host Ahmad trafen.
Heute morgen fuhr Ahmad mit Chregu zum Reisebüro und es stellte sich heraus, dass die heutige Fähre nach Dubai nicht fährt. Wir konnten aber eine Fähre für morgen Abend buchen und so bleiben wir eine zweite Nacht in Bandar Abbas und werden in Verlauf vom morgigen Tag an den Hafen fahren und dann um 18 Uhr hoffentlich wirklich in Richtung Dubai ablegen.