Samstag, 8. Dezember 2018

Über den Golf in die crazy Stadt und schnell weiter in den Oman

Am 2. Dezember verliessen wir die Wohnung von Ahmed und organisierten das nötigste für die Fährfahrt. Die restliche Zeit verbrachten wir in Parks und konnten noch das ausgedruckte Ticket bei Ahmed abholen. Kurz vor dem Hafen sahen wir einige Anzeichen, dass eine ganze Meute von Veloreisenden auf der Fähre sein werden: zwei Velos vor einem Laden, ein Reisender vom Park aus, ein Pino + Begleitrad,...
Am Schluss waren es 11 Veloreisende die ihre Räder verluden. Eine ungeplante Zusammenkunft von Erfahrungen, Erlebnissen und Pläne für das weiterreisen.
Nach mehreren Stationen im Terminal (wobei Chregu bei einer Station alle Taschen und somit auch das Essen eincheckte) wurden wir per Bus zum Schiff gefahren. Vor uns lag die "Sunny" welche in ihrem ersten Leben als "Trelleborg" zwischen Deutschland und Schweden unterwegs war, wo Chregu wahrscheinlich vor fast 20 Jahren schon einmal damit gefahren ist. Anscheinend wurde das Schiff renoviert, aber so wie es ausschaut wurden nur die Schienen im ehemaligen Zugdeck gelb angemalt, eine Heckklappe montiert sowie die Aussenhaut an den aktuellen Betreiber angepasst. Innen ist es so wie wenn der Zielhafen in der Ostsee wäre: Überall sind Schilder in Schwedisch und Deutsch, die Karte der ehemaligen Einsatzlinie hängt noch immer an der Wand, im Restaurant sind die Preise für Getränke in schwedischen Kronen angegeben und ein kleiner Aufsteller weisst auf Räkmörgås (Garnelenbrot, 79SEK) hin... Ziemlich witzig.
Landgang?
Die Abfertigung ist aber 100% iranisch. Für das einchecken in die Kabine brauchte es ziemlich lange und die nötige Keycard konnten wir dann rund  zweieinhalb Stunden später abholen.
Die Abfahrt war dann auch um kurz vor 21.00 statt um 18.00, aber ein pünktliches Ablegen hätte uns auch ziemlich überrascht.
Die Überfahrt an sich war, auch Dank absolut ruhiger See, sehr gemütlich.
Im Hafen von Sharkah angekommen standen alle Fahrräder in Reih und Glied bereit und wir radelten zum Terminal, während die anderen Passagiere mit dem Bus transportiert wurden.
Im Terminal angekommen wurden wir in einer Art Wartehalle platziert und es wurde nach einem wundersamen System die Pässe eingesammelt und die Einreise gestempelt. Wir Westler wurden vorgezogen uns so waren wir die ersten die dann alle zusammen in die Gepäckhalle gelassen wurden, wo wir unsere Taschen suchen und nochmals scannen lassen durften. Als dann alle wieder all ihr Material zusammen hatten, formierte sich ein Konvoi von neun Veloreisenden und wir fuhren zusammen die 15 Kilometer nach Dubai, wo sich unsere Wege wieder auftrennten. Einige davon werden wir aber wohl wiedersehen, denn die meisten fahren in den Oman und manche auf der gleichen Route.
Velotruppe auf der Autobahn
Holzboot
Gegen Abend erkundeten wir, wieder zu zweit, die Gegend ums Hotel und fuhren mit einem der vielen kleinen Holzboote über den Dubai Creek. Ein riesiger Kontrast zu all den riesigen Gebäuden.
Auf dem Weg zurück vom Znacht zum Hotel genossen wir unser erstes  Bier seit gut fünf Wochen. :-)
Am Vormittag vom 4. Dezember entfernten wir uns zuerst von unserem Abendziel, weil wir zuerst noch den Burj Kalifa besuchen wollten. Wir fuhren, wie des öfteren, über die grossen Strassen und fanden uns plötzlich in der Mitte einer siebenspurigen Autobahn wieder... Als dann noch ein Veloverbot auftauchte liessen wir es dann sein und "flüchteten" auf die Seitenstrasse, welche nur 4 Spuren hatte. Um dann aber über die Autobahn zu kommen, mussten wir uns dann durch die Metrostation mogeln. Die Menge an gigantischen Wolkenkratzer entlang dieser Strasse ist einfach nur unglaublich...
Smogkratzer
vier Räder vor dem Wahnsinn
Nach der Runde durch den Park beim Burj Kalifa und einigen (vielen) Fotos pedalten wir wieder in Richtung Musandam und somit wieder zurück. Nach dem Einkauf und dem Lunch hangelten wir uns durch die vielen Ausfahrten der Autobahn und nach rund 25 Kilometern liess der Verkehr merklich nach, die Distanz zwischen den einzelenen Ausfahrten wurde grösser. Ausserdem war wieder ein richtiger Pannenstreifen vorhanden, auf welchem wir unsere Ruhe hatten.
Ein Geocache wies uns nach gut 70 Tageskilometern den Weg zu einem super Zeltplatz in der Nähe einer Lagune.
Abschied von der letzten schweizer Petflasche, welche so super in den Rahmen gepasst hat.
 
Der Tag danach war bis auf die letzten 15 Kilometern ziemlich eintönig. Alles im gleiche Stil ging es via Ra's al-Chaima bis an die Grenze zu Musandam. Das einzig aufregende war, dass wir bei Livios Vorderad einen Platten reparieren mussten. Ein Draht hatte sich durch den Pneu gearbeitet. Das erledigten wir vor einer Shishabar und so konnten wir da unsere dreckigen Hände waschen und wurden noch auf eine Cola eingeladen. Kurz vor der Grenze drücken die Berge die Strasse direkt ans Meer. Wir erreichten den Grenzposten ziemlich genau zum Sonnenuntergang. Die Ausreise aus den V.A.E., so wie die Einreise in den Oman gestaltete sich sehr einfach, wohl auch weil ausser uns fast niemand die Grenze in der gleiche Zeit passieren wollte.
Die restliche Strecke bis zu unserem Schlafplatz waren grandios. Der Himmel war orange bis tiefrot, die Strasse in super Zustand und fast ganz leer und direkt zwischen Meer und Felsklippen.
Am ausgewählten Strand angekommen, fanden wir einen geeigneten Zeltplatz und kochten unser Znacht. Diesmal gab es selber gemachte Bolgnese mit Pasta und endlich wieder Reibkäse (hatten wir im Iran nie...)
Felsen, Strasse, Strand
Nach der sehr warmen Nacht durften wir weiter die super Strasse entlang der Küste geniessen und konnten dank einigem Glück, den grössten (und sehr steilen) Anstieg an einem Lastwagen hängend überwinden.
Die Abfahrt zurück ans Meer und die letzten Kilometer nach Kashab waren weiterhin sehr spektakulär. In Kashab angekommen organisierten wir die Fähre nach Shinas und verkrochen uns für zwei Stunden im Konsumtempel "Lulu Hypermarket".
Als dann die Hitze etwas nachgelassen hatte, machten wir uns auf in Richtung Khor Niad, dem einzigen per Strasse erreichbaren Fjord von Musandam. Die teilweise sehr steile Schotterpiste führt von der Hauptstrasse rund 200 Höhenmeter auf einen Pass und danach in schlechterer Qualität runter zum Meer. Während einer Pause in der Abfahrt (Hände entlasten und Felgen kühlen) kippte Chregus Velo um. Beim Aufstellen zeigte sich, dass der hintere Pneu, wiedereinmal, keine Luft mehr hatte. Also hiess es: alles Gepäck abbauen, Velo drehen, Rad ausbauen, Übeltäter (auch ein Draht) finden und entfernen, zusammen bauen, pumpen, aufladen weiterfahren. Wir meisterten die Herausforderung und stellten unser Zelt in Strandnähe auf eine Betonplattform.
Khor Niad
Nach einer, warmen und erholsamen, Nacht stand uns die schwierigere Aufgabe bevor. Der Wiederaufstieg war velofahrtechnisch abschnittweise ziemlich schwierig. Die Strasse ist in nur mit richtigen Offroadern befahrbar, normale PWs hätten zuwenig Bodenfreiheit. Zwischendurch ist der Untergrund auch sehr kompakt und man kann trotz über 15% Steigung aus dem Sattel gehen.
Wieder zurück auf der Hauptstrasse fuhren wir noch ans Ende derselben um den dortigen Akazienwald zu besuchen. Die Strasse endet in einem Talkessel, welcher verhältnismässig feucht ist und auf in welchem sogar teilweise Gras in grösseren Flächen wächst. Auf der Suche nach einem geeigneten Picknickplatz liess es Chregu sich nicht nehmem mit dem Velo durch dass knöcheltiefe Wasser zu fahren.
veloschwimmen
Um etwas näher an Kashab zu übernachten fuhren wir in Verlauf vom Nachmittag wieder zurück und bogen beim Flughafen links ab. Unterwegs trafen wir wieder auf unsere drei deutschen Radlerkollegen, welche wir tagsdarauf auch auf der Fähre nach Shinas wieder treffen werden.
Die Nacht verbrachten wir hinter dem Hochwasserschutzdamm in einer Art Savanne mit Akazien und Wasserlöchern. Die Mücken verdarben uns dann leider ab dem Sonnenuntergang etwas den Abend und so lagen wir sehr früh im Zelt.
Am Samstag morgen fuhren wir an den Hafen und schon bald konnten wir einschiffen. Wir parkierten unsere Fahräder auf dem Autodeck und als wir aufs Personendeck wechselten wurde ein Porsche ziemlich kompliziert eingeladen. Pünktlich auf die Minute legte der Katamaran ab und schon bald rasten wir mit 80 km/h übers Meer. Nachdem dem ersten spektakulären Teil der Fahrt mit der Umrundung von Musandam genossen wir das WLAN im Schiff. Ausserdem sprachen wir mit einigen Mitgliedern des Porsche Clubs des Omans welche mit 27 Autos an Bord war. Wir hatten also nur die Vorhut gesehen...
Bei Aussteigen wurden dann die Motoren gestartet und viele viele Fotos gemacht. Witzige Sache im Stau hinter Porsches zu warten bis wir das Schiff verlassen konnten.
alles Freunde ihrer Vehikel
Die sechs Kilometern bis zu unserem Warmshowerhost legten wir dann dank Rückenwind ganz rasch zurück und geniessen nun die omanische Gastfreundschaft in einem traditionellen Zelt im Vorhof des Grossfamilienhauses.

Samstag, 1. Dezember 2018

Persischer Golf

Wie erwartet regnete es, als wir das Hostel in Shiraz verliessen und zum Terminal fuhren. Die Strassen in Shiraz waren teilweise überflutet und der ansonsten ausgetrocknete Bach durch die Stadt führte nun auch Wasser. Am Terminal tauschten wir unser Onlineticket in ein Richtiges und gingen zum entsprechenden Abfahrtsort. Dort wollte aber niemand etwas von einem Bus nach Bandar Abbas wissen. Wir warteten also und bemerkten irgendwann, dass wir nicht die einzigen sind die auf diesen Bus warteten. Einer gab uns dann zu verstehen, dass er uns informieren werde wenn es los geht. Irgendwann tauchte dann unser Bus auf und wir wurden zum Perron 14 umgeleitet. Nach dem stressigen Verladen unserer Sachen, dauerte es dann doch noch bis der Bus abfuhr... Wir fuhren durch den sintflutartigen Regen und waren froh im Bus und nicht auf dem Velo zu sitzen. Nach gut zehn Stunden erreichten wir Bandar Abbas endlich, wo es zum Glück trocken war. Wir fanden auf der Suche nach einem Hotel einen super Kebabstand wo wir unseren Hunger stillten. Je ein Kebabteller, ein kleiner Dürüm und ein Getränk kosteten dann auch sagenhafte 4 Franken. Nach dem Znacht wurden wir auf der Suche nach einem Hotel doch noch verregnet. Die Stadt, die komische Ankunftszeit und die warme, leicht feuchte Luft erinnerten uns an unseren Start in Batumi... Da zwischen Shiraz und Bandar Abbas ein Höhenunterschied von gut 1500m ist, war es dann auch gute 15 Grad wärmer, also guten 30 Grad Celsius und 100% Luftfeuchtigkeit. Im Hotel angekommen kühlte uns die Klimaanlage herunter und wir schliefen am nächsten Morgen, so gut es ging, aus. Auf dem Weg zum Billetbüro der Fähre nach Dubai versendeten wir eine Postkarte an Ali in Täbriz, kauften ein und wechselten Geld.
wiegen...
... und das obligate Selfie
wenns kürzer ist gehts auch so
So ausgerüstet bekamen wir in dem Büro die Info, dass unsere Wunschfähre am 3.12 nicht fährt und wir entschieden uns dafür zwei Tage früher zu fahren. Livio musste sich noch ein wenig an den Temperaturunterschied gewöhnen und war deshalb ein wenig überfordert mit der Organisiererei. Danach ging es wieder ab auf die Strasse immer in Richtung Westen durch unzählige Industrieanlagen. Irgendwann gelangten wir dann doch noch in die iranische Prärie und fanden rund 15 Kilometer vor dem Fährhafen nach Qeshm einen geeigneten Zeltplatz. Am Morgen danach rollten wir zum Hafen und reisten in die Qeshm-Free-Zone (Zollfreizone) ein. Die Fähre selber war dann völlig unkompliziert und gratis. Auf Qeshm angekommen fuhren wir nach Tabl, wo wir unser Zmittag aufbesserten und dieses zuvorderst auf einem Damm, welcher in die Mangrovenwälder führte, verspiesen. Am Nachmittag radelten wir auf einen "Pass" (keine 100 Höhenmeter) und zelteten mit Aussicht auf Salakh und das Meer.
Zisterne am Strassenrand
Zirkuszelt?
wunderbarer Zeltplatz irgendwo im Geröll
Am 28.11. fuhren wir alles entlang dem Meer in Richtung Qeshm-Stadt. Die ersten rund 10 Kilometer führten über eine Schotter-/Matschstrasse, welche vom letzten Regen teilweise noch ziemlich feucht war. Sogar Livio schaffte es für einmal ohne im Schlamm stecken zu bleiben zum anderen Ende und wir konnten die Super Aussicht und die Landschaft in vollen Zügen geniessen. Wieder zurück auf dem Asphalt erreichten wir schnell wieder unsere gewohnte Reisegeschwindigkeit und kamen rassig voran.
Achtung: Matsch voraus!
Auch mal im motorisierten Windschatten
Unterwegs treffen wir auf drei Velofahrer, welche wir in Shiraz schon getroffen haben und auf der Fähre nach Dubai wahrscheinlich nochmals treffen werden. Ausserdem kreuzen wir auch noch weitere Veloreisende. Die Insel scheint beliebt zu sein. Wir entscheiden bis nach Qeshm zu fahren, da wir noch genügend Rial hatten und Livio unbedingt noch tauchen gehen wollte. Wir quartierten uns bei Annelie und Ali ein. Die Deutsche und der Irani führen ein Restaurant und haben im Hinterhof in Containern noch Zimmer angebaut. Noch an diesem Abend organisierten wir den Tauchgang. Nach einem fast missglückten Versuch ein Frühstück zu organisieren, marschierten wir vom Hostel zur Tauchschule, wurden ausgerüstet, rausgefahren und instruiert (mit der Übersetzungshilfe eines iranischen Mittauchers). Wir durften dann als erste ins Wasser. Der Tauchguide führte uns durch das abgestorbene Riff und fischte nach der nächsten Runde auch noch nach der verlorenen Kamera von Lii. Er war zum Glück erfolgreich.
blub blub blub...
Am Nachmittag gingen wir auf das Schiff nach Hormoz. Die Insel ist so klein, dass es nur 20 Kilometer sind rundherum. Wir fanden einen super Zeltplatz am Strand und entschieden zu bleiben und ohne Zelt da zu schlafen.
guete Morge
Diese Entscheidung brachte eine wunderbare Nacht, aber auch eine Schlafsacktröcknungsaktion mit sich. Wir vollendeten die Runde um die wundersame Insel und besuchten unter anderem einen Salzdom, der auch eine Gletscherzunge inklusive Vorfeld sein könnte. Nur dass er nicht schmilzt...
"Schneeberge"
"Gletscher"
Zurück beim Hafen kauften wir ein Billet nach Bandar Abbas und genossen die restlichen Stunden im Schatten. Dabei wurden wir einmal mehr beschenkt und eingeladen für eine Übernachtung. Einfach grandios. Da wir jedoch schon eine Übernachtungsgelegenheit hatten lehnten wir dankend ab. Zurück auf dem Festland liessen wir uns wieder in einem Park nieder und assen später etwas zu Abend bevor wir unseren Warmshowers-Host Ahmad trafen.
Heute morgen fuhr Ahmad mit Chregu zum Reisebüro und es stellte sich heraus, dass die heutige Fähre nach Dubai nicht fährt. Wir konnten aber eine Fähre für morgen Abend buchen und so bleiben wir eine zweite Nacht in Bandar Abbas und werden in Verlauf vom morgigen Tag an den Hafen fahren und dann um 18 Uhr hoffentlich wirklich in Richtung Dubai ablegen.