Donnerstag, 25. Oktober 2018

Armeniens Süden

Als erstes nach dem verlassen der Unterkunft in Stepanakert machten gingen wir einen Grosseinkauf machen. Da die Stadt eine Hauptstadt ist konnten wir alles mögliche posten, was wir in den kleinen Läden in den Dörfer nicht bekommen: Barilla-Pasta, Pesto, Nutella... Das Brot organisierten wir in einer kleinen Verkaufsbude am Strassenrand. Beim Verlassen der Stadt tankten wir noch einen Liter Benzin für unseren Kocher. Danach gings zuerst einmal bergauf. Wir wollten in Shushi die Kathedrale besuchen (und Chregu einen Geocache in Karabach finden), somit waren 600 Höhenmeter zu bezwingen. Auf dem Weg dorthin klatschten wir einen dänischen Autostöppler, welchen wir in der Unterkunft kennengelernt hatten, aus einem Auto heraus ab.
Nach dem Zmittag in Shushi fuhren wir weiter bergwärts in Richtung Goris. Die Strasse, welche sich wunderbar den Hängen entlang windet, hatten wir fast für uns alleine. Der Däne überholte uns (nun in einem anderen Auto) zum zweiten Mal und winkte mit einem breiten Grinsen.
rassig runter
Znacht
In der Abfahrt in Richtung Grenzposten zelteten wir bei einer gedeckten Tisch-Bank-Kombination, welche sehr oft in Armenien zu finden sind. Am Morgen erwachten wir zusammen mit etlichen Ohrengrübler, welche es sich in den Nischen des Aussenzeltes gemütlich gemacht hatten. Die Ausreise aus Karabach war eine ganz kurze Sache und so waren es die weiteren Steigungen, welche uns ausbremsten auf dem Weg nach Goris.
Monument unterwegs
Als wir oberhalb der Stadt bei einem Monument Pause machten, wurden wir von einem deutschen Paar angesprochen. Nach einem Geplauder fuhren wir runter in die Stadt um einzukaufen. Schon da traf Livio die beiden wieder.
Mit den Einkäufen beladen pedalten wir die "kleine" Strasse hinauf in Richtung Tatev. Direkt oberhalb der Stadt Goris fanden wir einen super Zeltplatz (Napfräsali, Wasser und Aussicht auf Goris) und entschieden da zu bleiben. Einige Autofahrer fanden den Platz auch schön und so hatten wir am Abend und auch in der Nacht immer wieder Autos neben dem Zelt.
Strasse von Goris
Morgenstimmung
Als nächstes Zwischenziel hatten wir Tatev ausgesucht. Das Kloster liegt in einem abgelegen Tal auf einer Felsnase und ist seit 2010 durch die längste Seilbahn der Welt (5.7km) besser erschlossen. Die Bahn führt von oberhalb Halidsor via drei Stützen zum Kloster und ist eine Schweizer Konstruktion (Garaventa mit Kabinen von CWA). Sie ersetzt eine gut 30 minütige Busfahrt runter ins Tal und wieder hinauf. Unsere Idee war es, die Fahrräder in die Seilbahn zu verladen. Leider konnten sie uns an der Kasse nicht sagen ob wir in einer oder vielleicht erst in fünf Stunden so mit der Bahn fahren könnten, da Fussgänger Vortritt haben. Also rollten wir johlend die super Strasse runter ins Tal, um auf der Gegenseite knapp zwei Stunden lang auf einer Schotterstrasse wieder hochzustrampeln. Als wir fast oben waren kam uns das deutsche Paar von gestern wieder entgegen. Die Touristenwelt in Armenien ist klein...
Definitiv oben angekommen, kümmerten wir uns zuerst um unsere Mägen. Zuerst im Laden, danach in der Beiz. Als wir uns dann das Kloster anschauten treffen wir auf 5 andere Velofahrer aus Frankreich, Österreich und den USA. Ein richtiger Treffpunkt für Tourenradler auf dem Weg in den Iran.
Das französische Paar trafen wir am Abend nochmals, als wir direkt an der "Strasse" nach Kapan unser Nachtlager aufschlugen. Die Strasse ist teilweise gerade mal ein einspuriger Feldweg, wird aber regelmässig von verschiedensten Fahrzeugen befahren.
Gestern Morgen fuhren wir also zuerst die letzten Höhenmeter auf einen kleinen Pass, um danach auf der Schotterstrasse Richtung Kapan zu bremsen.
tiefe Löcher
Vor Kapan bogen wir auf die M17 ab und hatten die Strasse fast für uns allein. Lustigerweise fuhren auf dieser asphaltierten Strasse mit zwei Spuren weniger Autos, als auf dem Feldweg vom Vormittag. Bei einem super ausgestatteten Picknickplatz kochten wir unser Znacht und schliefen danach auch gerade auf den Tischen unter einem Blechdach.
grosse Strasse, keine Autos

Heute Morgen hatten wir noch einige Wellen zu bezwingen, bevor wir mit dem Hauptaufstieg zum letzten grossen Pass in Armenien beginnen konnten. Im letzten Dorf kauften wir nochmals ein, mit dem Plan irgendwo in der Abfahrt zu zelten. Die Auffahrt war verkehrstechnisch sehr ruhig. Z.b. fuhr während 45 Minuten Mittagspause kein einziges Auto vorbei. Je nach Richtung der Strasse hatten wir mit starkem Gegenwind zu kämpfen oder wurden regelrecht den Hang hinaufgestossen. Direkt auf dem Pass war fahren nur noch mit höchster Anstrengung und Konzentration möglich, da der Wind in einem Einschnitt kanalisiert wurde. Livio mit dem etwas leichter beladenen Velo musste fast schon schauen, dass dieses nicht von der Strasse geweht wird.
Der erste Blick auf die Abfahrt liess schon sehr viel Freude aufkommen. Die Kurven sahen von oben grandios aus und so sind waren sie dann auch. Wir konnten nun fast 1800 Höhenmeter auf der gut ausgebauten und wunderbar trassierten Strasse vernichten. Da nur gerade zwei Autos entgegen kamen, konnten wir die Kurven voll ausnutzen. Eifach zom johle!!
nochmals rassig runter
Unten im Tal angekommen folgten wir nun der iranisch/armenischen Grenze und fuhren bis Agarak, wo wir uns in einer Unterkunft einquartierten und am Abend noch versuchten alles unser armenisches Geld zu verbrauchen.
Nun sitzen wir mit dem wohl letzten Bier für die nächste Zeit (im Iran ist Alkohol verboten) bei Vollmond auf der Terrasse und haben Sicht auf eine Militäranlage sowie den Grenzposten, welchen wir morgen passieren werden.

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