Freitag, 5. Oktober 2018

Goderzipass

Am Dienstagmorgen wurden wir mit all unserem Gepäck nach Sursee chauffiert. Von da ging es mit dem Zug direkt nach Genf. Nach einigen aufwändigen Manöver um mit den Liften zu fahren und Türen zu durchqueren erreichten das Check-In wo wir mit warten, erklären und bezahlen beschäftigt wurden.
Auf dem Flugvorfeld angekommen sahen wir unseren "schnusligen" Flieger (CRJ200) welcher uns nach Minsk brachte.
Mit der zweiten Maschine der Belavia erreichten wir um 3.30 Uhr unser erstes Ziel Batumi.
Die Velos kamen absolut unversehrt an und so waren wir um ca. 5 Uhr fahrbereit und verliessen den Flughafen in Richtung Stadt.
grössenwahnsinniger Bau in Batumi
Unterwegs deckten wir uns mit Geld und Benzin ein. An der Strandpromenade angekommen, packten wir unsere sieben Sachen von Flug- auf Velopackung um. Während dieser Aktion wurden wir im halb sieben von einem einheimischen Velofahrer angesprochen, ob wir ihm seine Kette ölen könnten. Dieser Bitte kamen wir natürlich gerne nach - Velofahrer helfen Velofahrer.
Als der Tag dann defintiv angebrochen war, machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Abartige Neubauten am Meer und kleinere ältere Gebäude in der "Innenstadt" stehen in einem Raster und zeugen von viel Tourismus und Selbstbewusstsein.
Im Supermarkt deckten wir uns mit dem Nötigen ein und machten uns auf den Weg Richtung Goderzipass.
Die Stunden zwischen Landung und dem wirklichem Losfahren waren ziemlich sureal. Irgendwie nicht ganz wach (oder eher: übermüdet) eine solche Stadt in einem unbekannten Land beim Erwachen zu erleben ist schon speziell.
Entlang der Hauptstrasse verliessen also die Stadt und als diese dann gänzlich hinter uns lag, liess der Verkehr massiv nach und so war es ein Genuss immer dem Bach folgend das eindrückliche Tal vom Velo aus zu erkunden.
Hängebrücke
Strasse im unteren Teil
Ausserdem lernten wir viel über die Sprache der Hupen, Lichter und Hände. Viele solche Grüsse später erreichten wir die alte Brücke nach Dandalo. Die Steinbrücke überquert den Bach in einem hohe Bogen zwischen zwei Felsen. Nach einem Bad im Bach und ein/zwei Stunden Schlaf nachholen entschieden wir vor Ort zu bleiben und die Infrastruktur der geschlossenen Gartebbeiz zu nutzen sowie den wunderbaren Platz zu geniessen. Immer wieder kamen Leute vorbei welche sich entweder die Brücke anschauten, oder auf dem Weg zwischen dem Dorf oberhalb und der Marschrutka Haltestelle waren.
Steinbrücke mit Zelt
Als es Dunkel wurde, wollten wir uns eigentlich unter dem Dach der Gartenbeiz zu Bett legen, aber da noch drei junge Vodkatrinker auftauchten, verlagerten wir unser Nachtlager einige Meter weiter hinunter und schliefen im Zelt auf der Kiesbank am Bach.
Heute morgen starteten wir mit dem Ziel den Goderzipass zu erreichen was ca. 1900 hm auf gut 50km bedeutet. Bis Chulo ist die Strasse geteert und ziemlich in gutem Zustand. Nach dem Einkaufen in Chulo fuhren wir auf Schotter weiter. Immer wieder durch Dörfer fahrend kamen wir dem Pass stetig näher. Die Landschaft ist grandios und die Leute entlang und auf der Strasse motivierten uns, wie schon am Tag davor, mit Grüssen, kurzen Gesprächen (woher?, wohin?, ...), Mifahrgelegenheiten (welche wir natürlich ;-) ablehnten) und Komplimenten.
Eine Strasse in gleichem Zustand würde in der Schweiz wohl höchstens mit Traktoren oder Bikes befahren. Hier ist es eine Strasse von nationalem Interesse und wird daher von PW's, Kleinbussen (meist Ford Transit) sowie Lastwagen und Sattelzügen befahren. Die Verkehrsmenge hält sich aber stark in Grenzen und daher kann mit dem Velo ohne Probleme auf der ganzen Breite den Schlaglöchern ausweichen.
Strasse kurz unterhalb des Passes
Etwa 300hm unter dem Pass kamen wir am Goderzi-Resort vorbei. Ein riesiger Komplex von Hotelgebäuden welche sich um die Talstation der Seilbahn schart. Die Seilbahn wurde zusammen mit dem oberen Sessellift von der EU gesponsert und die Georgier wollten (oder versprachen) die Passstrasse bis 2012 auszubauen und zu asphaltieren. Dass passierte nicht und so stehen die Tourismusanlagen wohl meist schwach- oder ungenutzt herum. Ausserdem entstand die absurde Situation, dass auf dem Pass zwei neue asphaltierte Strassen in die Kiespiste der Passstrasse münden.
Gerade als wir beide auf dem Pass angekommen waren setzte Regen ein und so stellten wir das Zelt in einem kleinen (Bus-?)Häuschen auf und verkrochen uns darin.
Aussicht in den Regen
Nach dem Znacht liegen wir nun wieder im Schlafsack und hören den Regen auf das Zeltdach prasseln.
(Bis hier geschrieben am Abend vom DO 4.10.)
Die Nacht war durch den Wind und Wetter nicht extrem erholsam aber wenigstens liess der Regen gegen morgen nach und so wurden wir beim Abbau des Camps nur vom Nebel weiter genässt.
Die Abfahrt in Richtung Achalziche war in den ersten knapp 20km sehr nass und teilweise schmierig dreckig. Aber wie es so ist trifft man in den wettermässig schlimmsten Situationen Leidensgenossen. Rund 8km bevor wir auf den Asphalt kamen, kreutzen wir zwei Radler aus Schottland und Wales und konnten Infos über den Pass austauschen.
Auf der guten Strasse angekommen klarte das Wetter weiter auf und wir rollten mit super Rückenwind das Tal hinaus.
Beim Zmittag in der Beiz in Achalziche entschieden wir uns hier in einem Hotel einzuquartieren und das eine oder andere zu reparieren, was schon in Mitleidenschaft gezogen wurde und das nasse Zeugs zu trocknen.
PS: vielleicht tönt es so, als ob wir fliessend Georgisch sprechen würden, wenn von Gesprächen die Rede ist, laufen die meist mit Brocken von verschiedenen Sprachen und Zeichen ab.

Keine Kommentare:

Kommentar posten